Samstag, 26.05.2012
Bio
| 04.05.2011
Maissaatgut: Sieben Prozent der Proben verunreinigt
Hamburg/Mainz - Eine Saatgut-Abrage von Bioland und Greenpeace entdeckt gentechnisch verunreinigtes Mais-Saatgut, das für den deutschen Handel bestimmt war.
Polen will den Anbau von MON810 künftig verbieten. Zur Begründung beruft sich das Land auf das so genannte 'Honigurteil' des Europäischen Gerichtshofs.
© marshi/aboutpixel.de
Bioland und
Greenpeace veröffentlichten gestern auf ihren Internetseiten das Ergebnis einer Saatgut-Abfrage, die sie bei den zuständigen Länderbehörden durchgeführt hatten. Darin benennen die Organisationen neben den betroffenen Sorten auch die Hersteller der verunreinigten Saaten.
Die zuständigen Landesämter hatten bei einer Untersuchung erneut Verunreinigungen in Mais-Saatgut festgestellt, das für den deutschen Handel bestimmt war. Von 417 Mais-Proben waren 29 mit Gen-Mais verunreinigt – das sind sieben Prozent der Proben. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass 93 Prozent der Proben nicht verunreinigt waren und zeigt, dass gentechnische Verschmutzung verhindert werden kann.
Verunreinigtes Saatgut in Baden-Württemberg stammt aus Deutschland
Die Zahl der genommenen Proben in den einzelnen Bundesländern war unterschiedlich. Prozentual wies Schleswig-Holstein mit 55,6 Prozent den größten Anteil verunreinigter Proben auf: In fünf von neun Proben wurden Spuren einer GVO-Maislinie gefunden. Alle fünf Partien stammen aus Chile.
In Nordrhein-Westfalen war ein Viertel der Proben verunreinigt und in Niedersachsen wies jede zehnte Probe GV-Saatgut auf. Die verunreinigten Partien in Niedersachsen stammen überwiegend aus Ungarn und wurden von dem Hersteller Pioneer vertrieben.
In Saarland und Thüringen dagegen waren die Proben GVO-frei.
Das verunreinigte Saatgut, das in Baden-Württemberg gefunden wurde stammte aus Deutschland. Aus 100 Proben enthielten drei die GVO-Maislinie MON810, die von KWS hergestellt wurde.
Verunreinigungen nehmen zu
Seit einigen Jahren ist eine schleichende Verunreinigung
festzustellen. Waren 2008 nur 2,1 Prozent der Proben verunreinigt,
steigerte sich die Verschmutzung mit Gen-Mais 2009 auf 5,7 Prozent und
2010 auf 6,2 Prozent. "Die wiederkehrenden Verunreinigungen sind nicht akzeptabel. Statt einen
Grenzwert zu fordern, der die Schlamperei bei der Herstellung von
Saatgut auch noch belohnt, muss die Saatgut-Industrie sauberer
arbeiten", kommentiert Sandra Blessin, Gentechnik-Expertin von
Greenpeace.
Auch für Jan Plagge, Präsident von Bioland, müssen klare
Grenzen gezogen werden. "Gentechnikfreies Saatgut ist die Basis unserer
Nahrungskette. Genau hier gilt es, konsequent jegliche gentechnische
Verunreinigung zu vermeiden. Die regelmäßigen Kontrollen der Behörden
sind unerlässlich, da die Saatguthersteller nur so zur Einhaltung der
Nulltoleranz angehalten werden."
Frühzeitige Beprobung verhindert Aussaat
Greenpeace und Bioland loben die Bundesländer für die frühzeitige
Beprobung in diesem Jahr. Auf diese Weise war es möglich, alle
belasteten Saatgutpartien sofort aus dem Handel zu entfernen und eine
Panne wie im Jahr zuvor zu vermeiden. 2010 hatte man gentechnisch
verunreinigtes Saatgut der Firma Pioneer auf fast 3.000 Hektar ausgesät.
In der Folge mussten die gesamten Mais-Bestände dieser Aussaat
vernichtet werden.
Neben der Saatgutabfrage veröffentlichte
Greenpeace ein
Rechtsgutachten, nach dem die Beibehaltung der Nulltoleranz im Saatgut
nicht in Frage gestellt werden darf – weder nach nationalem, noch nach
europäischem Recht.
Hier können Sie das Verzeichnis des verunreinigten Mais-Saatguts und das Rechtsgutachten herunterladen:
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