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Für Agrar- Journalisten ist es schon eine Krux. Da will man im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, kurz auch BMELV, etwas erfahren, was Journalisten außerhalb der Presseveröffentlichungen interessiert und kommt praktisch an Niemanden heran.
Zuständigkeiten in diesem Bereich sind nicht transparent. Die zuständigen Pressevertreter sind in der Regel nicht zu erreichen, auf E-Mails wird nicht geantwortet und persönliche Nachfragen oder Rückrufwünsche werden ignoriert. Die Pressesprecherin meldet sich nicht und aus Höflichkeit, man will ja nicht nerven, wird es zu keinem Gespräch kommen. Zugegeben, das ist unjournalistisch!
Sind Fachjournalisten zu uninteressant oder unbequeme Besserwisser?
Nun soll aus dieser Erfahrung keine Affäre entstehen. Aber wenn eine enge Mitarbeiterin von Ilse Aigner auf dem letzten Bauerntag verspricht, sich per E-Mail persönlich zu melden, weil die Pressesprecherin auf nichts reagiert hat und dann wieder nichts geschieht, entstehen bei uns Journalisten Fragen. Will die Pressestelle oder die Ministerin nicht, sind Fachjournalisten zu uninteressant oder unbequeme Besserwisser? Ja, gehört eine Informationsanfrage, die mehr als 120 Agrarjournalisten betrifft, nicht in die Kommunikation der Pressestelle des Ministeriums?
Es betrifft alle
Wenn es nur einen oder zwei Kolleginnen oder Kollegen beträfe, wäre die Angelegenheit ja keiner Erwähnung wert. Aber es betrifft eben viele in unserer Zunft und damit den gesamten Agrarbereich. Jeden Leser landwirtschaftlicher Publikationen, Zuhörer und Zuschauer moderner Medien.
Die heimliche Botschaft hinter der vorgehaltenen Hand
Das ist auch nicht neu. Seit Horst Seehofer Landwirtschaftsminister war, spielen die Fachjournalisten offensichtlich eine untergeordnete Rolle. Die oft geäußerte Meinung vieler Insider, die schreiben ohnehin, was der Bauernverband lesen will, ist die heimliche Botschaft hinter der vorgehaltenen Hand. So ist das aber nicht. Es gibt überwiegend agrarpolitisch ernst zu nehmende Agrarjournalisten, die schon wissen was Sache ist und was nicht und sie wissen auch, wann es peinlich wird mit der oftmals nicht vorhandenen Fachkompetenz in diesem Bereich.
Renate Künast: Erdrückend und unbequem
Bedauerlich ist nur, dass Horst Seehofer und Ilse Aigner nicht da angeknüpft haben, wo Renate Künast irgendwann aufgehört hat. Und zwar in der ersten Hälfte ihrer Amtszeit, als die von ihr übergangsweise übernommene Pressesprecherin von Karl Heinz Funke einem "grünen Kollegen" Platz machen musste. Da gab es in der ersten Zeit noch relativ gute Kontakte zu der Berufsklientel Agrarjournalist. Diese wurden aber zunehmend schlechter, weil die Fachkompetenz für die "Grüne" erdrückend und unbequem wurde.
Die Größe und Geschwindigkeit des Stabes stehen im Missverhältnis
Kolleginnen und Kollegen von zahlreichen landwirtschaftlichen Wochenblättern und anderen Publikationen sind auch bei Ilse Aigner verwundert. So ist von den Redakteuren und Chefredakteuren zu hören: "Da müsste man schon mal was machen, man war ja verwöhnt. Da läuft jetzt gar nichts mehr, da muss man sich die Kontakte hart erarbeiten". Oder, wie sagte ein Kollege wörtlich: "Die Größe und Geschwindigkeit des Stabes stehen im Missverhältnis". Und einige Kollegen meinen: "Wir waren schon gut bedient und vielleicht verwöhnt in der Vergangenheit!" Das ist schon heftige Kritik.
Erwin Reuß: Er verstand sein Handwerk
Und was machen wir nun, wir die Verwöhnten aus alter Zeit? Wir bitten, dass es besser wird. Und wenn Bedarf besteht zu erfahren, wie man es macht, der legendere Erwin Reuß, der gleich vier Landwirtschaftsministern dienen durfte und in dieser Zeit mehr als einen Dutzend Regierungssprecher erlebte, ist noch zu erreichen. Und er verstand sein Handwerk, kam er doch aus dem Journalismus.
Zumindest gab es immer ein Grußwort
Da gab es Hintergrundgespräche, da kamen die Bundesminister noch zu den Agrarjournalisten und wenn sie nicht kommen konnten, kam zumindest ein fachlich kompetenter Staatssekretär. Manchmal, wenn es passte, kamen auch beide. Zumindest gab es immer ein Grußwort per Brief vom zuständigen Minister. Beim jährlichen Empfang der mehr als 100 Agrarjournalisten aus rund 50 bis 60 Ländern der Erde zur Grünen Woche in Berlin, kamen immer die Fachminister und standen bei einem gemeinsamen Abendessen für ein Gespräch, für Diskussionen und Interviews zur Verfügung. Auch Renate Künast.
Das nutzt unseren Lesern nicht
Seit Seehofer ist das auch vorbei. Der schickte seine parlamentarische Staatssekretärin, die nicht einmal weiß, dass das Ministerium einmal von einem späteren Bundespräsidenten geführt wurde. Was wollen wir denn mir derartigen Politikern anfangen? Fachgespräche, politische Aussagen, Bewertungen von agrarpolitischen Entwicklungen? Das nutzt uns Journalisten nichts und das nutzt unseren Lesern, Zuhörern und Zuschauern nichts. Hierzulande nicht und in der agrarischen Welt auch nicht.
Man erkennt die Ansprüche nicht
Wenn es denn so ist, dass die Journalisten aus dem Tagesgeschehen von Rundfunk, Fernsehen, Tageszeitungen, Magazinen und Nachrichtenagenturen und anderen Periodika interessanter sind als Fachmedien und Fachjournalistinnen und Fachjournalisten, dann kann das nur damit zusammenhängen, dass man die Ansprüche nicht erkennt, erkennen will oder vor ihnen zu großen Respekt hat. Letzteres wäre gut.
Hans Heinrich Matthiesen aus Kirchdorf am Inn

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