Die hochsommerlichen Tage der vergangenen Woche haben die Landwirte in Deutschland genutzt, um Weizen und Raps zu dreschen. Begonnen wurde in den frühen Gebieten auch mit der Braugerstenernte, während der Drusch der Wintergerste bundesweit abgeschlossen sein dürfte.
Trotz regional großer Ertragsunterschiede bestätigten auch die jüngsten Ergebnisse die Erwartung, dass die bundesdeutsche
Getreideernte in diesem Jahr insgesamt spürbar höher ausfallen dürfte als 2007. Der Bundesverband der Agrargewerblichen Wirtschaft (BVA) rechnet im Hinblick auf die heimische Weizenproduktion mit einer Steigerung gegenüber der Vorjahresmenge von etwa 2,7 Mio t. „Bei Roggen sehen wir das Plus zwischen 500 000 t und 800.000 t", skizzierte BVA-Präsident Bruno Fehse die Erwartungen des privaten Landhandels.
Weniger erfreulich für die Landwirte dürften sich nach Einschätzung von Fehse die Brotweizenpreise entwickeln. Der BVA-Präsident erwartet hier in Abhängigkeit von der Region Preise zwischen 165 bis 190 € pro Tonne. Die Mischfutterindustrie zahle derzeit für die Lieferung im September bis Dezember 190 bis 195 €/t
frachtfrei Verbrauchsgebiet Süd-
oldenburg.
„Die Märkte entwickeln sich seit- und rückwärts. Preise, die in der Vorwoche angelegt worden sind, gelten heute nicht mehr", sagte Fehse. Für den Roggenmarkt rechnet er bezogen auf die Tonne mit Erzeugerpreisen je nach Region und Witterungsverlauf von etwa 140 bis 160 €. Starken Einfluss auch auf den deutschen Getreidemarkt werden dem BVA-Präsidenten zufolge die Exporte aus der Schwarzmeerregion haben. Die Anliegerstaaten wollten bis zu 40 Mio. t Getreide ausführen. Die Ernteerwartungen bei Weizen lägen in der Ukraine um etwa 38 % über dem Vorjahresniveau. Auch Russland und andere Republiken der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) drängten auf den Markt.
In Niedersachsen, wo die Landwirte in der vergangenen Woche nach einer regenbedingten Unterbrechung von gut 14 Tagen die
Getreideernte wieder fortsetzen konnten, sind die Erwartungen an die Erträge nach Darstellung des Landvolks insgesamt recht verhalten. Der Landesbauernverband berief sich dabei auf erste Schätzungen des Landesbetriebs für Statistik.
Danach wird die
Getreideernte mit knapp 6,2 Mio. t insgesamt das schlechte Ergebnis von 2007 in Höhe von 5,2 Mio. t
zwar deutlich übertreffen; die durchschnittlichen Erträge fallen aber niedriger aus als im langjährigen Durchschnitt. Das voraussichtlich höhere Gesamtaufkommen basiere daher nicht unwesentlich auf der Ausweitung der Anbaufläche um 5,7 %, erklärte das Landvolk Niedersachsen.
Während die Wintergerste, die in erster Linie als Futtergetreide Verwendung finde, die lange Trockenheit im Mai und Juni noch mit am besten verkraftet habe, würden die Erträge für Winterweizen, Roggen, Triticale, aber auch für Raps recht verhalten geschätzt, führte der Landvolkverband aus. Die Prognosen beruhten auf Erhebungen von insgesamt 1.320 Ernteberichterstattern, die En-de Juni befragt worden seien. Daher seien die Ertragseinbußen, die das anhaltende Regenwetter im Juli verursacht haben könnte, noch nicht in diese Vorhersage mit eingeflossen.
Die „endgültige Wahrheit" würden die Landwirte erst nach der Ernte erfahren, „wenn sie mit ihrem Wagen über die Waage fahren", so das Landvolk. Betriebswirtschaftlich zu bewerten sei die diesjährige Ernte zudem erst nach dem Verkauf des eingebrachten Getreides, der sich je nach Marktlage bis zum Sommer 2009 hinziehen könne.