Paris - Der April-Report "Strategie Grains " des angesehenen französischen Analystenhauses Tallage prognostiziert für die EU-27 aus der kommenden Ernte 2011 für das Vermarktungsjahr 2011/12 beim Weizen sehr "schwache Anfangsbestände ", um 9 Mio. t mehr Produktion und um 1 Mio. t mehr Importe, jedoch auch um 5 Mio. t mehr Binnenverbrauch mit zusätzlichem "Wachstumspotenzial " auf Kosten von Mais.
Weizen bleibt in der EU und global 2011/12 knapp und teuer
Die EU-27 könne aber Ende Juni 2012 neuerlich keinen positiven "Arbeitsbestand " ihrer Weizenreserven aufbauen - sondern wieder nur ein Defizit auf den notwendigen Endlagerbestand von 700.000 t erreichen. Als Arbeitsbestand definiert Strategie Grains die Differenz des Endbestandes am freien Markt (die Weizen-Interventionslager der EU sind zudem komplett leer) zum unbedingt erforderlichen Mindestlagerbestand, der notwendig ist, um die Übergangsperiode bis zur Folgeernte überbrücken zu können.
Weltweit sieht Strategie Grains 2011/12 ein im Jahresvergleich zu 2010/11 um 14 Mio. t größeres Weizenangebot - bei 36 Mio. t mehr Ernte, aber um 22 Mio. t geringerer Anfangsbestände - und einen gleichzeitig um 19 Mio. t zunehmenden Verbrauch. Daraus resultiert Ende 2011/12 ein weiterer Bestandsabbau um 5 Mio. t auf eine Ratio Endlager zu Verbrauch von 24% (2010/11: 25,4%, minus 4% zu 2009/10).
Ein Produktionsrückgang im Nahen Osten, zunehmender menschlicher Verbrauch in Afrika und ein auf Kosten von Mais verstärkter Weizeneinsatz in den Tierfutterrationen sollten den Weizenwelthandel kommende Saison weiter beleben.
Dabei rechnet man mit einem ähnlich hohen Exportniveau der EU wie 2010/11 mit 19,4 Mio. t; vom wachsenden Handelsvolumen sollen sich insbesondere der Schwarzmeerraum (Russland, Ukraine, Kasachstan), Kanada, die Türkei und Argentinien größere Stücke abschneiden können, während die USA auf der Verliererseite gesehen werden.
Grains zieht daraus für den Weizenmarkt des kommenden Wirtschaftsjahres in der EU folgendes Resümee: "Diese Situation ist für die europäischen Preise eher preistreibend, weil sie zu einer EU-Bilanz führt, deren Bestände Ende Juni 2012 schwach bleiben werden. " Die Preisentwicklung werde jedoch auch vom Tempo der Wiederaufnahme von Exporten aus der Schwarzmeerregion abhängen. (aiz)