Samstag, 26.05.2012
Neuer Rekord im globalen Agrarhandel
Berlin - Der globale Handel mit Agrarprodukten wächst seit einigen Jahren weitaus schneller als die weltweite Produktion. Das Ergebnis dieses Nachfragebooms ist ein starker Anstieg der Weltmarktpreise.
Die Weltagrarproduktion von 1990 - 2010.
© Zinke
Dies geht jedenfalls aus dem aktuellen Bericht der Welthandelsorganisation (WTO) hervor. Danach hat die weltweite Produktion von Agrarprodukten von 2005 bis 2010 um 9 % zugenommen. Gleichzeitig ist Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen um 20 % gewachsen und die Preise für die gehandelten Erzeugnisse und Rohwaren sind um mehr als 60 % gestiegen.
Nachfrage steigt schneller als Angebot
Offensichtlich konnten die weltweite Produktion und das
globale Angebot an Agrarprodukten nicht mit den Bedarf mithalten. Dies
war vor nicht allzu langer Zeit noch anders. Von 1996 bis 2001 sind die
Weltmarktpreise für Agrarprodukte sogar zurückgegangen oder
stagnierten. Währenddessen hat die Handelsmenge um knapp 20 %
zugenommen und die globale Agrarproduktion wuchs um etwa 16 %. Eine
entscheidende Ursache für den überdurchschnittlichen Preisanstieg seit
der Jahrtausendwende ist die wachsende Bedeutung der großen
Schwellenländer als Nachfrager von Agrarprodukten. Mit der
wirtschaftlichen Dynamik in China, Indien, Russland oder Südkorea ist
offenbar der Bedarf an Agrarerzeugnissen in diesen Ländern erheblich
gewachsen und hat den Welthandel und die Preise nachhaltig beeinflusst.
Neuer Handelsrekord
Im Jahr 2010 erreichte der globale Handel mit
Agrarerzeugnissen einen Wert von 1.362 Mrd. USD. Dies ist im Vergleich
zum Vorjahr (1.181 Mrd. USD) ein Anstieg des Handelswertes von 15 %.
Allerdings war der Handelswert im Jahr 2009 in Folge der globalen
Wirtschaftskrise auch erstmals seit 1999 wieder geschrumpft und zwar
sehr deutlich um 12 %. Mit der überaus kräftigen Erholung im Jahr 2010
wurde jedoch auch der bisherige Handelsrekord aus dem Jahr 2008 (1.348
Mrd. USD) übertroffen. Der Anteil des Agrarhandels am gesamten
Welthandel mit Gütern belief sich 2010 auf immerhin 9,2 %. Dabei kamen
die Länder der Europäischen Union auf einen wertmäßigen Anteil an den
globalen Agrarexporten von 39 % und an den Importen von 41 %.
Handelswert steigt 2011 weiter
Nach den bislang
vorliegenden Daten dürften der wertmäßige Agrarhandel im laufenden Jahr
2011 erneut kräftig gewachsen sein. Legt man die für die Berechnungen
der WTO genutzten Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF)
zugrunde, könnte sich der Exportwert der Agrarprodukte gegenüber dem
Vorjahr nochmals deutlich erhöhen und einen weiteren Rekordwert
erreichen. Bis einschließlich Oktober 2011 lagen die Weltmarktpreise
für Agrarprodukte danach im bisherigen Jahresmittel gut 20 % höher als
2010. Dabei übertrafen die
Getreidepreise den im letzten Jahr
erreichten Durchschnittswert um knapp 40 %, die Preise für Öle/Ölsaaten
waren 25 % höher, für Fleisch betrug der Anstieg 15 %, für
Milchprodukte 12 % und für Zucker 24 %%. Auf ähnliche Werte kommt auch
die FAO.
Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Olaf Zinke
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