Samstag, 26.05.2012
Welternährungslage bleibt angespannt
München - Die Weltbevölkerung steigt stetig. Eine langfristige Ernährungssicherung kann nur durch nachhaltige Förderung des Agrarsektors erreicht werden.
Einkommen schaffende Maßnahmen müssen für diejenigen gemacht werden, die in den Gebieten leben, in denen es Hunger gibt.
© qayyaq/pixelio.de
Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), betrug die Zahl der Hungernden im letzten Jahr circa 925 Millionen Menschen, bei einer Gesamtbevölkerung von ungefähr 6,9 Milliarden Menschen. Bis 2050 wird ein Anstieg der Weltbevölkerung auf über neun Milliarden Menschen erwartet. Prognosen besagen, dass die Nachfrage nach Lebens- und Futtermitteln bis dahin auf bis zu 70 Prozent ansteigen könnte.
Ernährung geht vor Biosprit
Gleichzeitig gewinnt der Trend der Bioenergie vom Acker an Bedeutung.
Laut Vorhersagen von Prof. Dr. Matin Qaim, Leiter des Lehrstuhls
Welternährungswirtschaft und Rurale Entwicklung an der
Georg-August-Universität Göttingen werden bis 2020 etwa 15 Prozent des
globalen Maises und Pflanzenöls sowie 30 Prozent des Rohrzuckers für
Biosprit verwendet. Das könnte die Situation der
Nahrungsmittelversorgung weiter verschärfen. „Manchmal gibt es sinnvolle
Investitionen in Biosprit, Brasilien ist so ein Beispiel, wo durch den
Export von Pflanzen die für Biosprit genutzt werden, auch Einkommen
geschaffen wird. Aber immer überall da, wo durch die Produktion von
Biosprit Ernährung gefährdet wird, sagen wir Ernährung geht vor
Biosprit“, so Bärbel Dieckmann, Präsidentin der Welthungerhilfe.
Nachhaltige Landwirtschaft fördern
Langfristig kann die Ernährung nur gesichert werden, wenn der
Agrarsektor nachhaltig gefördert wird. Dabei sind Bevölkerungswachstum,
steigende Energie- und Rohstoffnachfrage, Klimawandel sowie die
unterschiedliche Ressourcenausstattung, Struktur und Kultur der
verschiedenen Länder mit in den Blick zu nehmen.
Die Präsidentin der Welthungerhilfe sieht das Hauptproblem des
weltweiten Hungers in der ungleichen Verteilung der Einkommen. Die
landwirtschaftliche Überproduktion in Industrieländern kann ihrer
Meinung nach kaum dazu beitragen, den Hunger in armen Ländern zu
beseitigen. „Die deutsche Landwirtschaft produziert viel, das heißt sie
kann zur Ernährung in der Welt beitragen, allerdings muss dann das
Einkommen der armen Menschen so hoch sein, dass sie deutsche Produkte
kaufen können“, sagt Bärbel Dieckmann.
Einkommen langfristig sichern
Die Förderung der Kleinbauern in den Entwicklungsländern wäre daher ein
wirkungsvoller Ansatz, die Armut zu bekämpfen. „Einkommen schaffende
Maßnahmen müssen für diejenigen gemacht werden, die in den Gebieten
leben in denen es Hunger gibt. Sie müssen so viel Geld mit den
landwirtschaftlichen Produkten verdienen können, dass sie in der Lage
sind, sich Lebensmittel zu kaufen“, so die Präsidentin der
Welthungerhilfe. Ziel sollte es sein, durch eine wirtschaftliche und
ökologische Landwirtschaft die Armut langfristig zu mindern.
vm
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