Samstag, 26.05.2012
Wetter: Starkregen und Trockenschäden
Hannover/Düsseldorf/München - Trotz regionaler Gewitter bleibt die Trockenheit für viele Landwirte in Deutschland ein Thema. Ganz hoffnungslos ist die Lage aber noch nicht. Auch Soforthilfen stehen bereit.
Trockenschäden auf einem Feld bei Göttingen.
© Mühlhausen/landpixel
Niedersachsen: Intensive Bewässerung nötig
Ausbleibende Niederschläge
drängen Landwirte in Niedersachsen dazu, ihre Bestände intensiv zu
wässern. Seit April sind die Haspeln in der nördlichen Region Hannover
auf den Getreide-, Kartoffel- und Maisflächen im Einsatz und Landwirte
sind bereits beim 4. oder 5. Bewässerungsdurchgang, berichtet Landwirt
Ralf Göing aus Gailhof 30 Kilometer nördlich von Hannover.
Vor zwei Tagen wurde der 2. Grasschnitt eingefahren, bei dem es zu
extremen Ausfällen und Qualitätseinbußen kam. Einige Flächen wurden auf
Grund der minderen Aufwuchshöhe gar nicht erst gemäht und werden
stattdessen mit Blick auf den 3. Schnitt in der nächsten Woche gemulcht.
Aufgrund
der Trockenheit im April kam es zudem zu einer Minderentwicklung auf
Roggenflächen auf denen keine Bewässerung möglich war.
NRW: Besserung noch möglich
Nordrhein-Westfalens Landwirtschaftsminister Johannes Remmel unterstrich am vergangenen Mittwoch im Landwirtschaftsschuss des
Landtags, dass das Ausmaß möglicher Ertragseinbußen bislang nur
geschätzt werden könne. Wenn die Witterung in den kommenden Wochen
günstig verlaufe, könne die Natur "noch einiges aufholen", betonte
Remmel bei der Vorlage eines Berichts zu den Folgen der Trockenheit auf
die Landwirtschaft.
Weizen liefert allenfalls Durchschnitt
Remmel zufolge sind in Nordrhein-Westfalen die deutlichsten
Ertrags- und Qualitätsminderungen bei Sommergetreide zu erwarten. Hafer
und Sommergerste wiesen zum Teil nur die Hälfte der sonst üblichen
Bestandsdichten auf. Insbesondere die
Braugerste werde vielfach nicht
die geforderten Mindestqualitäten erreichen. Bei Wintergerste müsse mit
Ertrags- und Qualitätseinbußen von geschätzten fünf und zehn Prozent
gegenüber dem langjährigen Durchschnitt kalkuliert werden. Auf leichten
Böden könnten die Schäden zum Teil einen darüber hinausgehenden Umfang
einnehmen. Bei Triticale und Roggen sei die Situation entspannter,
berichtete der Minister. Allerdings müsse auch hier von Ernteeinbußen
ausgegangen werden. Beim Winterweizen sei mit allenfalls
durchschnittlichen Erträgen, bei Winterraps mit deutlichen
Ertragsminderungen zu rechnen.
Erhebliche Ertragsminderung beim Mais zu befürchten
Für die Maisbestände in Nordrhein-Westfalen hätten die Regenmengen
in den bevorstehenden drei Monaten entscheidende Bedeutung. Ohne größere
und regelmäßige Niederschläge dürfte die Ertragsbildung zumindest auf
leichten Böden erheblich beeinträchtigt sein.
Schwierigkeiten beim Feldgrasbau
Im Feldgrasbau bewegt sich das trockenheitsbedingte Gesamtdefizit
im ersten und zweiten Schnitt nach Angaben des Ressortchefs derzeit je
nach Standort bereits zwischen 25 und 50 Prozent. Für den ersten
Aufwuchs auf Dauergrünland habe man Einbußen von 20 bis 60 Prozent
verzeichnet. Der zweite Aufwuchs stocke landesweit fast gänzlich.
Angesichts des geringen Massenertrags der Feldgras- und
Dauergrünlandbestände riet der Minister dazu, Grassilage in der
Rinderfütterung durch Getreide-Ganzpflanzensilage zu ersetzen.
Hilfen für Landwirte in NRW
Unterstützungsmöglichkeiten für Betriebe, die in
Nordrhein-Westfalen von Witterungsschäden betroffen sind, liegen laut
Remmel in den Liquiditätshilfen der Landwirtschaftlichen
Rentenbank und
dem Förderprogramm für landwirtschaftliche Betriebe, die unverschuldet
durch Naturkatastrophen oder außergewöhnliche Ereignisse erhebliche
Schäden erlitten haben. Die Anwendung dieses sogenannten
"Katastrophenprogramms" des Landes werde momentan für Schäden geprüft,
die durch den Anfang Mai aufgetretenen Frost an Obstbäumen im Raum
Meckenheim entstanden seien.
Sollten trockenheitsbedingte Ernteeinbußen in der Landwirtschaft
auftreten, will sich Remmel dafür einsetzen, das
Liquiditätshilfe-Programm der
Rentenbank für die betroffenen Höfe zu
öffnen. Anders als beim Katastrophenprogramm sei hier keine Genehmigung
durch die EU notwendig. Die Darlehen könnten sehr kurzfristig zur
Verfügung gestellt werden.
Bayern: Frühe Maisaussaat war richtig
"Auf den insgesamt 15 Hektar Ackerfläche, auf denen wir in diesem Jahr Sojabohnen anbauen, lässt sich bereits erkennen, dass die ausgebliebenen Niederschläge den Pflanzen fehlen", berichtet Nachwuchslandwirt Folian Mehler aus Bayern.
Seine Familie betreibt 80 Kilometer nordöstlich von München einen 100 Hektar Ackerbaubetrieb mit dem Schwerpunkt Schweinmast.
Auf den hofnahen Maisflächen steht der Mais bereits hüfthoch. Eine frühe Aussaat unter dem Risiko von Spätfrösten stellte sich in diesem Jahr als richtige pflanzenbauliche Entscheidung dar. Denn die Fröste blieben aus und der Mais entwickelt sich sehr positiv.
Doch nicht alle bayerischen Landwirte sind so glimpflich davongekommen. Ihnen greift das Land mit einer Reihe von Soforthilfen unter die Arme.
Verschiedene Soforthilfen für bayerische Landwirte
Zusätzlich
zu den bereits eingeleiteten steuerlichen Maßnahmen wie
Steuerstundungen
und Minderung von Vorauszahlungen kündigte Landwirtschaftsminister
Helmut Brunner in der vergangenen Woche
Erleichterungen beim
Bayerischen Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) an. Die EU-Kommission
hatte zuvor den im Eilverfahren beantragten Maßnahmen zugestimmt.
Laut Brunner wird das bei der "Grünlandextensivierung" geltende
Verbot von Mineraldünger bei besonders betroffenen Betrieben ab sofort
für den Rest des Jahres ausgesetzt. Damit könnten die entsprechenden
Flächen - unter Verzicht auf die diesjährige Förderung - gedüngt werden,
um die geringen Erträge des ersten Schnittes zumindest teilweise
auszugleichen.
Wie der Minister betonte, dürfen zur Vermeidung von Engpässen in
der Futterversorgung zudem Getreidebestände sowie der Aufwuchs von
freiwillig stillgelegten Flächen für Futterzwecke verwendet werden.
Darüber hinaus sei bei allen Maßnahmen des Kulturlandschaftsprogramms
sowie des Vertragsnaturschutzprogramms mit einem festen Schnittzeitpunkt
in diesem Jahr eine vorzeitige Nutzung möglich - allerdings ebenfalls
unter Wegfall der diesjährigen Prämie. Die Lebensräume von Wiesenbrütern
seien von dieser Sonderregelung ausgenommen, unterstrich Brunner.
Voraussetzung für alle Ausnahmeregelungen sei die Anerkennung höherer
Gewalt für jeden einzelnen Betrieb. Das Ministerium rate daher allen
betroffenen Landwirten, sich möglichst rasch mit dem zuständigen Amt für
Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Verbindung zu setzen.
Thüringen hatte bereits in der vergangenen Woche Bewirtschaftungserleichterungen auf KULAP-Flächen ermöglicht.
Deutsche Saatveredlung empfiehlt Zwischenfruchtanbau
Die Deutsche Saatveredelung AG (DSV) empfahl, Engpässe bei der
Futterversorgung von Rindern und Kühen sowie der Rohstoffversorgung von
Biogasanlagen durch den Zwischenfruchtanbau von Einjährigem Weidelgras
auszugleichen. Die Wahl sollte auf Zwischenfruchtgräser fallen, deren
Entwicklung den abnehmenden Tageslängen im Herbst angepasst sei,
erklärte die DSV in der vergangenen Woche. Diese Sorten könnten
beachtliche Erträge mit einem guten Trockensubstanz-Gehalt realisieren.
AgE/pd
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