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[ » ah nachrichten für die Landwirschaft » Umwelt » Wetter-140611 ]
Samstag, 26.05.2012
Umwelt | 14.06.2011 Redaktion agrarheute.com

Wetter: Starkregen und Trockenschäden

Hannover/Düsseldorf/München - Trotz regionaler Gewitter bleibt die Trockenheit für viele Landwirte in Deutschland ein Thema. Ganz hoffnungslos ist die Lage aber noch nicht. Auch Soforthilfen stehen bereit.
Trockenschäden auf einem Feld bei Göttingen.© Mühlhausen/landpixel
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Trockenschäden auf einem Feld bei Göttingen.
© Mühlhausen/landpixel
Niedersachsen: Intensive Bewässerung nötig
 
Ausbleibende Niederschläge drängen Landwirte in Niedersachsen dazu, ihre Bestände intensiv zu wässern. Seit April sind die Haspeln in der nördlichen Region Hannover auf den Getreide-, Kartoffel- und Maisflächen im Einsatz und Landwirte sind bereits beim 4. oder 5. Bewässerungsdurchgang, berichtet Landwirt Ralf Göing aus Gailhof 30 Kilometer nördlich von Hannover.

Vor zwei Tagen wurde der 2. Grasschnitt eingefahren, bei dem es zu extremen Ausfällen und Qualitätseinbußen kam. Einige Flächen wurden auf Grund der minderen Aufwuchshöhe gar nicht erst gemäht und werden stattdessen mit Blick auf den 3. Schnitt in der nächsten Woche gemulcht.
 
Aufgrund der Trockenheit im April kam es zudem zu einer Minderentwicklung auf Roggenflächen auf denen keine Bewässerung möglich war.

NRW: Besserung noch möglich

Nordrhein-Westfalens Landwirtschaftsminister Johannes  Remmel  unterstrich am vergangenen Mittwoch im Landwirtschaftsschuss des Landtags, dass das Ausmaß möglicher Ertragseinbußen bislang nur geschätzt werden könne. Wenn die Witterung in den kommenden Wochen günstig verlaufe, könne die Natur "noch einiges aufholen", betonte Remmel bei der Vorlage eines Berichts zu den Folgen der Trockenheit auf die Landwirtschaft.
 
Weizen liefert allenfalls Durchschnitt
 
Remmel zufolge sind in Nordrhein-Westfalen die deutlichsten Ertrags- und Qualitätsminderungen bei Sommergetreide zu erwarten. Hafer und Sommergerste wiesen zum Teil nur die Hälfte der sonst üblichen Bestandsdichten auf. Insbesondere die Braugerste werde vielfach nicht die geforderten Mindestqualitäten erreichen. Bei Wintergerste müsse mit Ertrags- und Qualitätseinbußen von geschätzten fünf und zehn Prozent gegenüber dem langjährigen Durchschnitt kalkuliert werden. Auf leichten Böden könnten die Schäden zum Teil einen darüber hinausgehenden Umfang einnehmen. Bei Triticale und Roggen sei die Situation entspannter, berichtete der Minister. Allerdings müsse auch hier von Ernteeinbußen ausgegangen werden. Beim Winterweizen sei mit allenfalls durchschnittlichen Erträgen, bei Winterraps mit deutlichen Ertragsminderungen zu rechnen.
 
Erhebliche Ertragsminderung beim Mais zu befürchten
 
Für die Maisbestände in Nordrhein-Westfalen hätten die Regenmengen in den bevorstehenden drei Monaten entscheidende Bedeutung. Ohne größere und regelmäßige Niederschläge dürfte die Ertragsbildung zumindest auf leichten Böden erheblich beeinträchtigt sein.
 
Schwierigkeiten beim Feldgrasbau
 
Im Feldgrasbau bewegt sich das trockenheitsbedingte Gesamtdefizit im ersten und zweiten Schnitt nach Angaben des Ressortchefs derzeit je nach Standort bereits zwischen 25 und 50 Prozent. Für den ersten Aufwuchs auf Dauergrünland habe man Einbußen von 20 bis 60 Prozent verzeichnet. Der zweite Aufwuchs stocke landesweit fast gänzlich. Angesichts des geringen Massenertrags der Feldgras- und Dauergrünlandbestände riet der Minister dazu, Grassilage in der Rinderfütterung durch Getreide-Ganzpflanzensilage zu ersetzen.

Hilfen für Landwirte in NRW

Unterstützungsmöglichkeiten für Betriebe, die in Nordrhein-Westfalen von Witterungsschäden betroffen sind, liegen laut Remmel in den Liquiditätshilfen der Landwirtschaftlichen Rentenbank und dem Förderprogramm für landwirtschaftliche Betriebe, die unverschuldet durch Naturkatastrophen oder außergewöhnliche Ereignisse erhebliche Schäden erlitten haben. Die Anwendung dieses sogenannten "Katastrophenprogramms" des Landes werde momentan für Schäden geprüft, die durch den Anfang Mai aufgetretenen Frost an Obstbäumen im Raum Meckenheim entstanden seien.
 
Sollten trockenheitsbedingte Ernteeinbußen in der Landwirtschaft auftreten, will sich Remmel dafür einsetzen, das Liquiditätshilfe-Programm der Rentenbank für die betroffenen Höfe zu öffnen. Anders als beim Katastrophenprogramm sei hier keine Genehmigung durch die EU notwendig. Die Darlehen könnten sehr kurzfristig zur Verfügung gestellt werden.

Bayern: Frühe Maisaussaat war richtig

"Auf den insgesamt 15 Hektar Ackerfläche, auf denen wir in diesem Jahr Sojabohnen anbauen, lässt sich bereits erkennen, dass die ausgebliebenen Niederschläge den Pflanzen fehlen", berichtet Nachwuchslandwirt Folian Mehler aus Bayern. Seine Familie betreibt 80 Kilometer nordöstlich von München einen 100 Hektar Ackerbaubetrieb mit dem Schwerpunkt Schweinmast.
 
Auf den hofnahen Maisflächen steht der Mais bereits hüfthoch. Eine frühe Aussaat unter dem Risiko von Spätfrösten stellte sich in diesem Jahr als richtige pflanzenbauliche Entscheidung dar. Denn die Fröste blieben aus und der Mais entwickelt sich sehr positiv.
 
Doch nicht alle bayerischen Landwirte sind so glimpflich davongekommen. Ihnen greift das Land mit einer Reihe von Soforthilfen unter die Arme.

Verschiedene Soforthilfen für bayerische Landwirte

Zusätzlich zu den bereits eingeleiteten steuerlichen Maßnahmen wie Steuerstundungen und Minderung von Vorauszahlungen kündigte Landwirtschaftsminister Helmut  Brunner  in der vergangenen Woche Erleichterungen beim Bayerischen Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) an. Die EU-Kommission hatte zuvor den im Eilverfahren beantragten Maßnahmen zugestimmt.
 
Laut Brunner wird das bei der "Grünlandextensivierung" geltende Verbot von Mineraldünger bei besonders betroffenen Betrieben ab sofort für den Rest des Jahres ausgesetzt. Damit könnten die entsprechenden Flächen - unter Verzicht auf die diesjährige Förderung - gedüngt werden, um die geringen Erträge des ersten Schnittes zumindest teilweise auszugleichen.
 
Wie der Minister betonte, dürfen zur Vermeidung von Engpässen in der Futterversorgung zudem Getreidebestände sowie der Aufwuchs von freiwillig stillgelegten Flächen für Futterzwecke verwendet werden.
 
Darüber hinaus sei bei allen Maßnahmen des Kulturlandschaftsprogramms sowie des Vertragsnaturschutzprogramms mit einem festen Schnittzeitpunkt in diesem Jahr eine vorzeitige Nutzung möglich - allerdings ebenfalls unter Wegfall der diesjährigen Prämie. Die Lebensräume von Wiesenbrütern seien von dieser Sonderregelung ausgenommen, unterstrich Brunner. Voraussetzung für alle Ausnahmeregelungen sei die Anerkennung höherer Gewalt für jeden einzelnen Betrieb. Das Ministerium rate daher allen betroffenen Landwirten, sich möglichst rasch mit dem zuständigen Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Verbindung zu setzen.
 
Thüringen hatte bereits in der vergangenen Woche Bewirtschaftungserleichterungen auf KULAP-Flächen ermöglicht.

Deutsche Saatveredlung empfiehlt Zwischenfruchtanbau

Die Deutsche Saatveredelung AG (DSV) empfahl, Engpässe bei der Futterversorgung von Rindern und Kühen sowie der Rohstoffversorgung von Biogasanlagen durch den Zwischenfruchtanbau von Einjährigem Weidelgras auszugleichen. Die Wahl sollte auf Zwischenfruchtgräser fallen, deren Entwicklung den abnehmenden Tageslängen im Herbst angepasst sei, erklärte die DSV in der vergangenen Woche. Diese Sorten könnten beachtliche Erträge mit einem guten Trockensubstanz-Gehalt realisieren. 
AgE/pd
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