Samstag, 26.05.2012
Hagel und Dürre: Europas Landwirte und das Wetter
Wien/London/Paris/Berlin - Quer durch Europa leiden Landwirte unter dem Wetter: In Österreich verursachten Hagelunwetter enorme Schäden. Der Osten Englands wurde zum Dürregebiet erklärt.
Video: Landwirte kämpfen mit dem Wetter
Paris wird die von der diesjährigen Trockenheit besonders betroffenen Landwirte, allen voran die Tierhalter, zwar unterstützen, allerdings nicht in der von ihnen erhofften Form. Staatspräsident Nikolas Sarkozy hat zugesichert, dass die Regierung fällige Rückzahlungen der Agrarbetriebe für laufende Kredite um jeweils Jahr stunden und die Grundsteuer auf unbebaute Flächen erlassen werde. Allerdings seien keine Direkthilfen für die Landwirte vorgesehen, stellte der Staatschef klar.
Er grenzte sich damit eindeutig von Agrarminister Bruno Le Maire ab, der ihn begleitete und noch wenige Stunden zuvor den Eindruck erweckt hatte, der Staatschef werde direkte Betriebssubventionen im Gepäck haben.
Sarkozy versicherte, parallel zur Aussetzung fälliger Kreditrückzahlungen werde Paris bereits im September den nationalen Solidaritätsfonds für Witterungsschäden in der Landwirtschaft um rund 200 Millionen Euro aufstocken. Damit wolle man die Auszahlung an die betroffenen Betriebe beschleunigen. Dies war bereits grundsätzlich von Le Maire angekündigt worden. Ebenso hatte die landwirtschaftliche Sozialversicherung (MSA) Verständnis für die Notsituation der Bauern gezeigt und einen Betrag von 80 Millionen Euro zugesichert, um besonders bedrohten Betrieben deren Beitragszahlungen zur MSA erst einmal zu stunden. Sarkozy erklärte sich vorigen Donnerstag seinerseits bereit, für logistische Probleme beim Futtermitteltransport das Netz der französischen Staatsbahn (SNCF) in Anspruch zu nehmen und die Armee zu mobilisieren.
Österreich: Hagelunwetter verursachen enorme Schäden
In Österreich haben die nach der langen Trockenperiode niedergegangenen Hagelunwetter teilweise massive Schäden in der Landwirtschaft verursacht. Betroffen waren das Burgenland, Nieder- und Oberösterreich sowie die Steiermark und Wien.
Die Österreichische Hagelversicherung bezifferte den Gesamtschaden auf mehr als drei Millionen Euro. Nach ersten Erhebungen durch Sachverständige wurden vor allem Acker-, Gemüse-, Obst- und Weinkulturen auf einer Fläche von rund 7.000 Hektar in Mitleidenschaft gezogen.
Am schwersten wurde laut Darstellung der Hagelversicherung die Steiermark von den schweren Hagelunwettern heimgesucht. Dort wurden auf etwa 1.100 ha Getreide, Kürbisse, Obstkulturen und Wein beeinträchtigt; das Ausmaß wird auf rund eine Million Euro beziffert.
Allerdings sind in Österreich mehr als 80 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen gegen Hagel versichert.
Osten Englands zum Dürregebiet erklärt
Das britische Landwirtschaftsministerium hat am vergangenen Freitag Teile der Kornkammer des Landes in der Region East Anglia zum Dürregebiet erklärt. Nahe an einem solchen Zustand befinden sich laut Angaben des Ministeriums auch Gebiete im Südwesten und Südosten des Landes sowie in den Midlands und in Wales.
Bei einigen Ackerfrüchten sei der Schaden durch die Trockenheit bereits irreparabel. Insgesamt sprach das Ministerium von einer uneinheitlichen Lage für die Landwirte. Einige Gartenbauerzeugnisse hätten von einer frühen Saison und hoher Verbrauchernachfrage profitiert. Ausgebliebene Niederschläge schüfen nun aber Schwierigkeiten für den Sektor.
Deutschland: Gewitter bringen kaum Entspannung
In Deutschland haben Gewitter kaum Entspannung für die trockenen Felder
gebracht. Die Böden konnten die Feuchtigkeit nicht aufnehmen. Ertragsminderungen sind vor allem bei Sommergetreide sowie Wintergerste und -raps zu erwarten. Beim Mais entscheiden die Niederschlagsmengen in den kommenden Wochen. Auch Feldgras und Dauergrünland liefern deutlich niedrigere Erträge.
Vorauszahlung von Beihilfen bislang nur in drei Mitgliedstaaten
Lediglich Frankreich, Belgien und Spanien haben bisher eine vorzeitige
Auszahlung der Direktbeihilfen für 2011 beantragt. Darauf hat
EU-Agrarkommissar Dacian Cioloş hingewiesen. Die drei Staaten wollen
den Bauern damit mehr Liquidität verschaffen, um Einbußen bedingt durch
anhaltende Trockenheit beziehungsweise - im Falle Spaniens - durch
übermäßige Niederschläge auszugleichen. Nach den Worten des
französischen Landwirtschaftsminister Bruno Le Maires sind Landwirte
bereits gezwungen, Tiere zu verkaufen, weil die Futtervorräte zur Neige
gegangen seien. Ferner zeichneten sich deutliche Verluste bei der
Getreideernte ab.
AgE/pd
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