Samstag, 26.05.2012
Geflügelwirtschaft kritisiert 'Panikmache'
Berlin - Die Geflügelwirtschaft wirft NRW-Landwirtschaftsminister Johannes Remmel "gefährliche Panikmache" vor. Remmel hatte vor multiresistenten Keimen aus der Tierhaltung gewarnt.
Die Zahl der Küken für die Mast blieb relativ konstant.
© Mühlhausen/landpixel
Johannes Remmel hatte in seiner Interpretation der in dieser Woche veröffentlichten Antibiotika-Studie gesagt, der Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht forciere die Ausbreitung multiresistenter Keime und damit eine gesundheitliche Bedrohung für Menschen. "Es ist nicht in Ordnung, auf diese Weise diffuse Ängste bei den Verbrauchern zu schüren", zeigt sich Leo Graf von Drechsel als Präsident des Zentralverbandes der deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) von dieser Darstellung empört.
Bewertung 'greift zu kurz'
Remmels Bewertung greife deutlich zu kurz und werde der
Brisanz des Themas nicht gerecht, kritisiert Graf Drechsel: Er korrigiert, dass
Infektionen des Menschen mit nutztierassoziierten MRSA (multiresistenten
Keime) einer Analyse des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR)
zufolge lediglich "eine sehr untergeordnete Rolle" spielten. Mit weitem Abstand
dominieren die krankenhausassoziierten Stämme. Als "sehr gering" werde der
BfR-Studie zufolge die Bedeutung kontaminierten Fleisches als Quelle
humaner Besiedlung mit MRSA eingeschätzt.
"Wir dürfen die Problematik
multiresistenter Keime nicht bagatellisieren", fordert Graf Drechsel,
den Fokus indes alleine auf die Tierhaltung zu richten, gehe deutlich an
der Realität vorbei. EU-Kommissar John Dalli hatte gestern unter anderem
angekündigt, eine Verschärfung der Regelungen über die Anwendung von
Tierarzneimitteln zu prüfen, gemeinsame Leitlinien im Umgang mit
Antibiotika zu schaffen und die Infektionsprävention als wesentliches
Ziel des neuen EU-Tiergesundheitsrechts zu verankern. "Wir begrüßen
diese Maßnahmen ausdrücklich", betont der ZDG-Präsident.
pd
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