Hannover - Wo stehen die Agrarmärkte in drei Jahren? Dieser spannenden Frage gingen Uwe Steffin (Neue Landwirtschaft), Christian Alter (AMI) und Olaf Zinke (dlv) unter der Moderation von Olaf Deininger nach.
Dr. Uwe Steffin (Neue Landwirtschaft), Moderator Olaf Deininger, Christian Alter (AMI) und Dr. Olaf Zinke (dlv) bei der Podiumsdiskussion auf der dlv-Bühne in Halle 7, Stand C 24 (v.li.).
© agrarheute.com
Die Marktexperten diskutierten am gestrigen Sonntag auf der dlv-live-Bühne der Agritechnica. Einig waren sich die Experten in ihrer Diskussion zunächst einmal über den massiven Einfluss der makroökonomischen Situation auf die Agrar- und Rohstoffmärkte. So vertrat Dr. Zinke die Auffassung, dass die globalen wirtschaftlichen Wachstumsaussichten das Potenzial an den Agrarmärkten entscheidend mitbestimmen und in ihrer Wirkung auch fundamentale Eckdaten überlagern können.
Über die Terminmärkte wären die physischen Agrarmärkte unmittelbar an
die wirtschaftliche Entwicklung angedockt.
Ein wesentlicher Aspekt ist
nach der Einschätzung von Dr. Steffin deshalb auch der Rohölpreis, der
als zentraler Indikator für die Wachstumsaussichten der Gesamtwirtschaft
gelten kann.
Erheblichen Einfluss auf die Handelsströme und die
Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Agrarwirtschaft, haben nach der
Meinung von Christian Alter zudem die Wechselkurse. Darüber hinaus
lassen sich nach Einschätzung der Diskussionsrunde mögliche Trends auch
an der Entwicklung der Fracht- bzw. Transportkosten ablesen, denn an
Hand dieses Indikators würde der künftige Bedarf von Agrarprodukten und
Rohstoffen sichtbar.
Agrarmärkte sind global
Konsens unter den Experten war zudem, dass bei aller Bedeutung externer
Faktoren, letztlich die fundamentalen Daten von Angebot/Produktion und
Nachfrage/Verbrauch für die Preisentwicklung an den Märkten maßgeblich
sind. Dabei entscheidet jedoch nicht mehr allein die nationale
Situation sondern vielmehr gibt immer mehr die europäische oder sogar
die globale Versorgungsbilanz den Ausschlag.
Einzelne Märkte im Detail
Vor diesem Hintergrund kam
die Diskussionsrunde am Weizenmarkt zu dem Schluss, dass die Versorgung,
gemessen an der Relation von Produktion und Verbrauch, derzeit sehr
komfortabel ist. Gleichzeitig dominieren die Schwarzmeerländer die
Exportmärkte und wegen der guten Ernteaussichten auf der Südhalbkugel
könnte der Druck auf die Preise sogar noch zunehmen. Für das nächste
Jahr ist wegen der hohen Preise der letzten Monate zudem (bei normaler
Witterung) mit einer weiteren Produktionsexpansion zu rechnen.
Bei Raps sieht die Situation jedoch anders aus. Hier ist die Produktion
in Deutschland, wegen der sehr niedrigen Erträge, um über 30 Prozent
eingebrochen und der Importbedarf wächst deutlich. Auch im nächsten Jahr
dürfte das Angebot in Folge der verspäteten Aussaat klein ausfallen
und die Preise stützen.
Am Milchmarkt war man sich in der
Diskussionsrunde einig, dass die Entwicklung in den nächsten Monaten von
einem weltweit deutlich gewachsenen Angebot und von einer rückläufigen
Nachfrage geprägt sein würde. An den internationalen Spotmärkten machte
sich diese Konstellation zuletzt bereits durch fallende Preise
bemerkbar. Künftig erwarteten die Experten an einem liberalisierten und
international vernetzten Milchmarkt einen zyklischen Marktverlauf,
ähnlich wie etwa bei Ackerbauprodukten oder Schweinen.
Für den
Schweinemarkt ging man in der Runde eher einer vergleichsweise stabilen
Preisentwicklung aus. Einig war man sich jedoch, dass der sehr stark
exportorientierte deutsche Markt in erheblichem Umfang von der weiteren
Nachfrage Russlands und der asiatischen Märkte beeinflusst werden wird.
Als Kernproblem für die gesamte Tierproduktion, machten die Fachleute
zudem die weitere Entwicklung der Futterkosten aus. Hier war man nach
einer moderaten Entspannung in den letzten Wochen für die nächste
Zukunft jedoch eher skeptisch, denn sowohl beim Mais als auch bei Soja
scheint die weltweite Versorgungslage relativ eng zu sein.
Jeden Tag finden auf der agrarheute.com-Bühne in Halle 7, Stand C24 interessante Diskussionen, Gewinnspiele und Präsentationen statt. Sie sind auch in Hannover? Hier geht es zum Programm ...
Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv