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Kommentar

Affig: 'Was die Tierrechtler noch so alles in Petto haben'

Schild Tierrechtsanwalt
Sabine Leopold
am
18.07.2017

In den USA klagen die Tierrechtler von PETA im Namen eines Affen für dessen Urheberrechte an einem Foto. Es geht dabei – natürlich – um viel Geld. Und auch hier könnten an Tieren bald schon Leute verdienen, die noch nie einen Fuß in einen Stall gesetzt haben. Denn die Grünen haben sich ein bundesweites Verbandsklagerecht für Tierschutzverbände auf die Wahlkampffahnen geschrieben.

David Slater ist pleite. Falls Ihnen der Name nichts sagt: Slater ist ein britischer Naturfotograf. Und bankrott ist der Mann nicht etwa, weil er schlechte Fotos schießt, sondern weil er selber ins Schussfeld der Tierrechtsorganisation PETA geraten ist. Die nämlich haben Slater in den USA verklagt. Und auch wenn der Prozess noch nicht durch alle Instanzen durch ist: Den Fotografen haben die selbsternannten Verteidiger der Tierrechte bereits ruiniert.

Grund zur Klage findet PETA immer

Das ist bedrückend, aber leider nicht ungewöhnlich: Zirkusse, Zoos und Nutztierhalter kennen die Klagewut der Tierrechtler auch hierzulande nur zu gut. Brennt beispielsweise irgendwo ein Stall, ist PETA sofort zur Stelle, um den betroffenen Landwirt wegen des Todes seiner Nutztiere anzuzeigen. Die Schuldfrage am eigentlichen Unglück ist dabei unerheblich. Irgendeinen Grund zur Klage finden die Spendeneintreiber immer: angeblich verletzte Brandschutzvorschriften, zu wenig Platz für die Tiere, um von selbst den Flammen zu entfliehen, oder einfach nur die Tatsache, dass ein Tierhalter per se ein Verbrecher ist. Also jedenfalls in PETA-Augen.

Viel Aufwand für ein ungewöhnliches Foto

Der eingangs erwähnte David Slater hält aber gar keine Tiere – zumindest ist darüber nichts bekannt. Der Fotograf war 2011 in Indonesien und fotografierte eine Horde Schopfmakaken. Er verfolgte die Affen tagelang durch den Dschungel, gewann ihr Vertrauen, machte Bilder und stellte schließlich eine Kamera mit Selbstauslöser auf, um die Neugier der Tiere anzustacheln. Aus einem Versteck beobachtete er, wie sein Plan aufging. Die Affen schnitten Grimassen ins spiegelnde Kameraobjektiv und einer fand schließlich den Selbstauslöserknopf. Das Ergebnis: Ein urkomisches Portrait mit einem breit grinsenden Makaken. Slater stellte das Bild ins Netz und es ging sofort viral. Die Vermarktung der aufwändig produzierten Aufnahme konnte anlaufen.

Gericht erkennt keinen Urheber an

Es gab zahlreiche Interessenten und auch Wikipedia stellte das Bild auf eine seiner Seiten, allerdings ohne Quellennachweis und natürlich ohne Honorar. Slater versuchte daraufhin, sein Urheberrecht einzuklagen, verlor aber den Prozess. Ein US-amerikanischer Richter erklärte 2015, für die ungewöhnliche Aufnahme könne man keinen Urheber festlegen, da der Affe selbst den Kameraverschluss ausgelöst habe. Jedem stünde folglich das Recht zu, das Bild frei zu nutzen. Dumm gelaufen für David Slater.

Auftritt der Trittbrettfahrer

Aber noch lange nicht dumm genug. Denn nun traten die Abstauber von PETA auf den Plan und verklagten „im Namen des Affen“ den Fotografen. Nun mag man als Tierrechtler vielleicht unbedarft genug sein, um nicht zu verstehen, wie viel Aufwand ein solches Bild macht und dass das Drücken auf den Auslöser nur einen Bruchteil der kreativen Leistung darstellt. Kaum ein PETA-Funktionär dürfte wohl je durch den Regenwald gerobbt sein, um Tiere in ihrem Lebensraum zu beobachten. Schließlich ist ein möglichst ausuferndes Unverständnis für Natur und Tierwelt eine der Grundvoraussetzungen, um im Tierrechtler-Netzwerk Karriere zu machen.

Zumindest aber wird man ja wohl mal fragen dürfen, wie sich die PETAner die Auszahlung der Ansprüche an den von ihnen vertretenen Affen vorstellen. Ich rate mal kühn: PETA steht gern als Vermögensverwalter zur Verfügung.

PETA-Profilierung auf Kosten des Fotografen

Bislang ist der Tierrechtler-Verein in einem Verfahren und einer Anhörung gescheitert mit seiner Klage. Einem Makaken das geistige Recht an einem kreativen Foto zuzusprechen, fanden die Gerichte dann wohl doch ein wenig „affig“. Ein Berufungsurteil wird noch in diesem Monat erwartet. Slaters Chancen, gegen die Tierrechtler zu gewinnen, sind dabei nicht schlecht. Verloren hat er dennoch jetzt schon, denn die Kosten der Verfahren haben ihn nach eigenen Aussagen ins finanzielle Aus getrieben. Dem aktuellen Prozess in den USA kann der Brite nur noch per Videokonferenz folgen, die Reise über den Atlantik wäre zu teuer.

Grüne Schützenhilfe

Die Geschichte von David Slater, einem Affen, einem Foto und einer geldgierigen Spendenorganisation ist skurril. Und zum Glück bei uns undenkbar. Denken Sie.

Doch das könnte sich bald ändern, zumindest, wenn es nach den Grünen geht. Die Partei, die in den vergangenen Jahren immer mehr Profil eingebüßt hat, hat – rechtzeitig vor der Bundestagswahl – bei einem ihrer letzten vermeintlichen Kernkompetenz-Themen mal wieder einen rausgehauen. Man wolle „den Tieren eine Stimme geben“, erklärte Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Ins Nichtpathetische übersetzt heißt das: Die Grünen wollen ein bundesweites Verbandsklagerecht für Tierschutzorganisationen. Was die Stimme der Tiere dabei gefälligst zu sagen hat, weiß Göring-Eckardt übrigens auch schon: „Die industrielle Massentierhaltung ist ein Auslaufmodell.“ Und die tierschutzpolitische Sprecherin der Fraktion, Nicole Maisch, ergänzt: „Wildtiere gehören in die Freiheit, nicht ins Zirkuszelt.“ Saubere Parolenbreitseite, selbst für Politiker. Chapeau. Da ist alles drin: Drama (industriell), Spannung (Wildtiere), Romantik (Freiheit) und Bösewichte (Massentierhaltung und Zirkuszelt). Großes Kino.

Die Prämissen der „Tier-Anwälte“ sind klar

Aber gut, lasst die Tiere – respektive ihre selbsternannten Synchronsprecher – klagen. Die Juristen wird’s freuen, da tun sich völlig neue und höchst einträgliche Betätigungsfelder auf. Gut, es wird auch ein paar Berufsstände ruinieren. Zirkusartisten mit Tiernummern beispielsweise. Zoomitarbeiter. Und landwirtschaftliche Viehhalter. Alle zusammen nämlich hätten bereits verloren, sobald dieses Gesetz in Kraft tritt. Denn weder Zirkus- noch Zoo- oder Nutztierhalter können es Tierrechtlern jemals recht machen. Ihr Broterwerb wird generell infrage gestellt, denn „artgerecht ist nur die Freiheit“.

Veganismus als Mindestziel

Die meisten Tierrechtler haben diese Hilal Sezgin-Plattitüde als "Endziel" ihrer Bestrebungen auch mehr als einmal angedeutet. Die „Albert-Schweitzer-Stiftung“ beispielsweise, die aktuell gerade Strafanzeige gegen die neue NRW-Agrarministerin Christina Schulze Föcking erstattet hat, erklärt in ihren Leitlinien, es sei „für eine gesunde Ernährung nicht notwendig, Tiere für die Herstellung von Lebensmitteln leiden und sterben zu lassen“. Man wolle daher eine vegane Ernährungsweise „als derzeit ethisch beste Lösung“. Beim Wörtchen „derzeit“ wird einem allerdings schwummerig: Was die Tierrechtlerschaft da wohl längerfristig noch so alles in petto hat ...

Tierschutz als juristische Spielwiese

Auf jeden Fall streitet PETA in den Staaten schon mal für Kreativrechte und geistiges Eigentum „nichtmenschlicher Tiere“, als Blaupause sozusagen für die Spendensammelkollegen und ihre Politlobby hierzulande. Und sollte die nächste Bundesregierung einen veritablen Grünstich haben, könnte die schneller zum Einsatz kommen als mancher denkt. Und sie könnte bösere Folgen haben als es Göring-Eckardt und ihren Genossen lieb ist, denn was Tieren gut tut, entscheiden dann endgültig Leute, die in ihrem Leben keinen Fuß in einen Stall gesetzt und nie ein Tier betreut haben – aber verdammt gut an Tierrechten verdienen.

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