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Glyphosat

ARD wirft BfR unsauberes Arbeiten vor

Krenn
am
29.10.2015

Seit den widersprüchlichen Ergebnissen zu Glyphosat steht das BfR unter Beschuss. Ein geheimes Dokument sorgt nun für neuen Wirbel: Das Bundesinstitut soll einige Krebs-Studien nicht berücksichtigt und dafür Herstellerstudien vertraut haben.

ARD veröffentlicht geheimes Dokument

Glyphosat hat viele Gegner und mit seiner Risikobewertung ist auch das BfR in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Der Grund: Die internationale Agentur für Krebsforschung IARC kam in ihrem Bericht zu einem völlig anderen Ergebnis als das Bundesinstitut für Risikoforschung. Während das BfR Glyphosat für unbedenklich deklarierte hatte, stufte die IARC nach Auswertung von Studien das Herbizid als "wahrscheinlich krebserregend" ein.

Mit dem Vorwurf, das Bundesinstitut hätte jahrelang falsch über Glyphosat informiert, veröffentlichte die FAKT-Redaktion der ARD nun eine vertrauliche BfR-Stellungnahme zu den konträren IARC-Ergebnissen. Darin soll das BfR einräumen, dass sich in der Tat bei allen von der IARC bewerteten Mäusestudien "signifikante Anstiege von Tumoren unter Glyphosatgabe" zeigten. Außerdem weist das Papier darauf hin, so FAKT, dass sich das BfR bei seiner Einschätzung auch auf Testauswertungen von Herstellerfirmen stützt. agrarheute hat beim Bundesinstitut für Risikoforschung nachgefragt.

BfR: 'ARD-Berichterstattung ist falsch'

Das Dokument mit der Stellungnahme "ist illegaler Weise bei der ARD gelandet", so der Bundesinstituts-Sprecher Jürgen Kundke auf Nachfrage von agrarheute. Mit dem Vermerk "vertraulich" wurde es an die Regierung geleitet, die es dem Agrar-Ausschuss zur Einsicht vorgelegt habe. Es sei nie für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen, erklärt Kundke. Adressat der Stellungnahme: Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA. Ihr obliegt letztlich die Entscheidung über die Einstufung des Herbizids, die Mitte November zu erwarten ist. Die Vorwürfe der FAKT-Journalisten kommentierte der Sprecher gegenüber agrarheute mit "alles falsch, was die ARD behauptet". Das Institut bleibt bei seinem Ergebnis, dass Glyphosat für den Menschen unbedenklich ist.

BfR: 'Bewertung beruht auf fragwürdigen Studien'

Der Satz "In jeder der fünf Mäusestudien finden sich signifikante Anstiege von Tumoren unter Glyphosatgabe" stehe zwar so in dem BfR-Papier, aber das Bundesinstitut räumt damit keinesfalls ein Versagen, wehrt der Pressesprecher ab. Im Gegenteil: Die fünf Studien, die die IRAC als Belege anführt, hätten statistische Verfahren angewendet, die BfR Experten als fragwürdig bewertet hätten. So sei beispielsweise bei einer der angeführten Mäusestudien die verabreichte Dosis Glyphosat deutlich zu hoch, für den Menschen sogar tödlich gewesen. Zudem seien die Befunde bekannt und vom BfR bereits in dem Bewertungsbericht (RAR) im Rahmen der EU-Wirkstoffprüfung beurteilt worden.

BfR: 'Herstellerergebnisse fließen ein'

In dem Gespräch mit agrarheute bestätigte der Sprecher, dass in die Glyphosat-Bewertung des Bundesinstituts zahlreiche Herstellerstudien und deren Testergebnisse eingeflossen sind. Das sei offizielle Vorgabe: "Wir müssen die Studien bewerten", so Kundke. Die Industriestudien würden eingehend geprüft. Es gebe klare Kriterien, an die sich die Hersteller in ihrem Vorgehen bei ihren Tests halten müssen, um in der Risikobewertung berücksichtigt zu werden. Für die Bewertung des Instituts spiele es keine Rolle woher die Studie stamme, es zähle die Qualität der Analyse und ob die Ergebnisse plausibel seien, erklärt Kundke.

BfR versus IARC - 11 Studien versus 5 Studien

Zu der Frage warum das BfR zu so unterschiedlichen Ergebnissen wie die IARC kommt, führt der Sprecher unter anderem die unterschiedliche Anzahl der Studien, aber auch die unterschiedliche Herangehensweise an. Während das BfR 11 Studien zur Kanzerogenität einfließen ließ, basiere die Bewertung der IARC auf nur 5 Studien. Zudem hätten sich die IARC-Prüfer nur mit dem publizierten Teil der Studien befasst, nicht aber die gesamte Originalstudie in Augenschein genommen. Damit steht Bewertung gegen Bewertung. Es bleibt abzuwarten, wie schlussendlich die EFSA die Ergebnisse der IARC und des BfR bewertet und ob sie dem Herbizid einen Daumen hoch oder einen Daumen nach unten erteilt. Mitte November soll die Entscheidung fallen.

Hier steht das BfR-Dokument zum Download bereit.

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