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Anhörung zu Glyphosat oder: Im Ausschuss nichts Neues

von , am
01.10.2015

Am Herbizidwirkstoff Glyphosat scheiden sich die Geister. Das hat eine öffentliche Anhörung des Ernährungsausschusses Anfang dieser Woche in Berlin erneut gezeigt.

Der Ernährungsausschuss des Bundestages lud Anfang dieser Woche sieben Sachverständige zu einer öffentlichen Anhörung über die Wiederzulassung von Glyphosat in der Europäischen Union. © Catrin Hahn
Die Anhörung bestätigte im Wesentlichen, dass die Expertenmeinungen extrem weit auseinandergehen. Von "in der Praxis wirkungslos" bis "alternativlos für die Landwirte" reichten die Stellungnahmen. Das war nicht anders zu erwarten, denn immerhin laden die unterschiedlichen Fraktionen jeweils Fachleute ein, von denen sie ein Statement erwarten können, das ihre politische Haltung im Idealfall untermauert.
 
Insgesamt sieben internationale Fachleute waren um ihre Einschätzung gebeten worden. Hintergrund ist das derzeit laufende Verfahren zur Wiederzulassung von Glyphosat als Pflanzenschutzwirkstoff in der Europäischen Union.
 
Prof. Dr. Andreas Hensel vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nannte Glyphosat "das bestuntersuchte Pflanzenschutzmittel der Welt". Der seit über vierzig Jahren zugelassene Stoff habe mehrere Wiederzulassungsprozesse erfolgreich durchlaufen. Bei sachgemäßer Anwendung habe das BfR den Wirkstoff als nicht krebserregend bewertet. Prof. Hensel schränkte jedoch ein, dass Beistoffe wie zum Beispiel Netzmittel unter Umständen negative Einflüsse ausübten.
 
Der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Bernhard Krüsken, unterstrich, dass Glyphosat in der Praxis eine Schlüsselrolle zufalle aufgrund des einfachen Wirkmechanismus und der Bedeutung bei der konservierenden Bodenbearbeitung. Zwar sei der Ersatz des Wirkstoffes durch andere möglich, würde aber den Einsatz von "Wirkstoffcocktails" erforderlich machen, die in Bezug auf Resistenzbildung viel schwieriger zu handhaben seien.
 
Der Toxikologe Prof. Dr. Helmut Greim von der Technischen Universität München stellte klar, das Risiko, aufgrund von Pflanzenschutzmitteln zu erkranken, sei viel geringer als die Gefahr, die von pflanzeneigenen Giften zum Beispiel bei Verzicht auf Pflanzenschutzmittel ausgehen könne.
 
Die Wissenschaftler Prof. Eberhard Greiser vom Zentrum für Sozialpolitik in Bremen, Prof. Christopher Portier aus Thun in der Schweiz und Prof. Ivan Rusyn aus Texas, USA, äußerten Kritik am methodischen Vorgehen des Bundesinstituts für Risikobewertung bei der Bewertung von Glyphosat. Ihrer Meinung nach hätten andere Gewichtungen bei der Einschätzung der vorhandenen Studien vorgenommen werden müssen.
 
BfR-Präsident Hensel verwahrte sich gegen den aus seiner Sicht unberechtigten Vorwurf der Parteilichkeit. Das Bundesinstitut für Risikobewertung sei 2003 nach der BSE-Krise unter Federführung der grünen Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast gegründet worden, um unabhängig, wissenschaftlich korrekt und überparteilich solche Risikoeinschätzungen vornehmen zu können. "Unsere Unparteilichkeit ist gesetzlich verankert. Ich empfehle dringend, wissenschaftliche Fragestellungen auch wissenschaftlich zu diskutieren", riet Prof. Hensel.
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