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Aufholjagd für den Weizen

von , am
13.02.2015

Der Weizenanbau ist in großen Exportländern der Welt auf dem Rückzug, weil das international wichtigste Nahrungsgetreide an Wettbewerbsfähigkeit verloren hat. Ursache ist die jahrzehntelange Vernachlässigung der Kultur durch die Züchtung im Vergleich zu Mais und Soja. Das wurde auf der Konferenz "Cereal Future Forum 2015" deutlich, die das Unternehmen Bayer CropScience diese Woche in Brüssel veranstaltete.

Die Weizenerzeuger Chris Reichstein, Doreen Riske und Philippe Heusèle, aus Australien, Deutschland und Frankreich, diskutieren auf dem "Cereal Future Forum 2015" die Wettbewerbsfähigkeit von Weizen gegenüber anderen Kulturen und formulieren ihre Erwartungen an die Weizenzüchtung. © Norbert Lehmann
Alan Tracy, Präsident der Exportorganisation für US-Weizen (US Wheat Associates) sieht allerdings Anzeichen einer Trendwende. Seit wenigen Jahren beschäftigt sich die Pflanzenzucht wieder verstärkt mit Weizen, um vor allem ertragreichere und trockenheitstolerante Sorten zu entwickeln. Der Bedarf ist vorhanden. Die Weltbevölkerung wächst und das Klima wandelt sich. Alan Tracy geht davon aus, dass der internationale Handel mit Weizen daher von zurzeit jährlich rund 150 Millionen Tonnen bis 2030 auf 200 Millionen Tonnen zunehmen wird.

Hybride kommen

Laut Steve Patterson, der bei Bayer CropScience für das Getreidegeschäft weltweit verantwortlich ist, steht die Getreidezüchtung an der Schwelle zu signifikanten Verbesserungen dank neuer Techniken, die vor fünf, zehn oder 15 Jahren noch nicht verfügbar gewesen seien. Er bekräftigte die Ankündigung des Konzerns, ab 2020 Hybridweizen mit einem Mehrertragspotenzial von bis zu 30 Prozent in den Markt einzuführen. Aus Sicht der deutschen Weizenerzeuger wären nach den Worten von Doreen Riske von der Agrar GbR in Groß-Kiesow, Mecklenburg-Vorpommern, allerdings vor allem klassisch gezüchtete Weizensorten wünschenswert, die eine höhere Krankheitsresistenz mitbringen und flexiblere Aussaattermine ohne Ertragseinbußen zulassen.

Kommunikation stärken

Michael Flüh von der EU-Generaldirektion Gesundheit bedauerte, von Teilen der Gesellschaft werde nicht mehr nur die Gentechnik, sondern inzwischen sogar das Repertoire klassischer Züchtungsmethoden in Frage gestellt. Er bezweifelte, ob eine "grüne Revolution" wie in den sechziger Jahren, die die Ernährungssicherheit von Millionen Menschen verbesserte, heute wiederholbar sei. Daraus leitete Flüh den dringenden Appell an das Agribusiness ab, die Kommunikation gegenüber dem Verbraucher zu verstärken. Es gelte, die Gesellschaft deutlich besser als bisher über die Vorteile von Innovationen in der Nahrungsmittelproduktion aufzuklären.
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