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Bittere Pillen von Südzucker

von , am
16.05.2014

Die erfolgsverwöhnte Südzucker AG bereitet ihren Aktionären, das sind mehrheitlich die süddeutschen Rübenanbauer, derzeit wenig Freude. Der Umsatz sank im Wirtschaftsjahr 2013/14 um 144 Mio. Euro auf 7,74 Mrd. Euro. Der Jahresüberschuss brach fast um die Hälfte auf 390 Mio. Euro ein. Und nun soll die Hauptversammlung auch noch einer Kürzung der Dividende von 90 Cent auf 50 Cent je Aktie zustimmen, den niedrigsten Stand seit fünf Jahren.

Dr. Wolfgang Heer, Vorstandschef der Südzucker AG, erwartet für die Zukunft deutlich stärkere Einflüsse des Welt-Zuckermarktes auf den Unternehmensgewinn. © Norbert Lehmann
Zudem lassen die Ausführungen von Südzucker-Vorstandschef Dr. Wolfgang Heer für die Rübenanbauer auch mittelfristig wenig Erfreuliches erwarten. Zwar ist der Konzern von der langfristig weltweit steigenden Nachfrage nach Zucker - und in der Folge anziehenden Weltmarktpreisen - überzeugt.
 
Die Rübenanbauer in Deutschland und Europa müssen sich aber nach Abschaffung der Zuckerquote und des Rübenmindestpreises ab Oktober 2017 auf deutlich niedrigere Rübenpreise einstellen. Denn eines hat die Jahrespressekonferenz des Unternehmens gestern in Mannheim gezeigt: Die Erträge von Südzucker im Kerngeschäft Zucker stehen enorm unter Druck.

Negative Prognose

Das operative Ergebnis verschlechterte sich im Segment Zucker 2013/14 stärker als im Konzerndurchschnitt. Ursache war vor allem der deutliche Rückgang des Zucker-Weltmarktpreises nach vier Jahren in Folge mit einem globalen Versorgungsüberschuss. Daher ist der Ausblick auf das laufende Wirtschaftsjahr negativ: Umsatz und Gewinn werden im Kerngeschäft des Mannheimer Unternehmens voraussichtlich deutlich zurückgehen, prognostizierte Finanzvorstand Thomas Kölbl. Das operative Ergebnis dürfte im Zuckersegment von 436 Mio. Euro auf rund 100 Mio. Euro zusammenschmelzen. Das Konzernergebnis sieht der Vorstand bei rund 200 Mio. Euro; das wäre weniger als ein Drittel des Vorjahreswertes.

Mehr Rüben für weniger Geld

Um die Effizienz der Zuckersparte mittelfristig zu verbessern, soll die Kampagne auf 120 Tage verlängert werden. 102 Tage waren es 2013/14. Das bedeutet rund ein Fünftel mehr Rüben, wie Agrarvorstand Dr. Thomas Kirchberg erklärte, aber auch ein flexibleres Bezahlsystem. Die Einzelheiten der künftigen Preis- und Mengenplanung sollen bis zum Jahresende feststehen, um dann in den nächsten Winterversammlungen vorgestellt zu werden.
 
"Die Liberalisierung der Zuckermarktordnung wird eine sehr schwierige Marktstrecke, aber wir sind als Marktführer dafür gut aufgestellt", sagte Finanzchef Kölbl. Auch die Personalkosten sollen runter. Kündigungen stehen zurzeit zwar nicht auf der Tagesordnung, werden für die Zukunft aber nicht ausgeschlossen. Die zweite Hauptverwaltung in Ochsenfurt wird aufgelöst und der Vorstand in Mannheim konzentriert.
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