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Boden: Knapp und heiß begehrt

von , am
14.01.2014

Mit dem Thema "Knappe Fläche, heiß begehrt" hat die Junge DLG auf der diesjährigen Wintertagung in München einen spannenden Schwerpunkt gesetzt. Die Veranstaltung, die vom ehemaligen Chefredakteur der Neuen Landwirtschaft, Prof. Klaus Böhme, moderiert wurde, war ausgesprochen gut besucht.

Volles Haus und große Aufmerksamkeit beim Thema Bodenmarkt auf der öffentlichen Ausschusssitzung der Jungen DLG in München. © DLG
Mit dem Thema "Knappe Fläche, heiß begehrt" hat die Junge DLG auf der diesjährigen Wintertagung in München einen spannenden Schwerpunkt gesetzt. Die Veranstaltung, die vom ehemaligen Chefredakteur der Neuen Landwirtschaft, Prof. Klaus Böhme, moderiert wurde, war ausgesprochen gut besucht.
 
Die Junge DLG kreiste das Thema von vier Seiten ein: aus der Sicht eines Landwirtschaftsbetriebes, der Politik, einer Bank und eines Maklers. Damit war es möglich, die aktuelle Entwicklung am Bodenmarkt in ihren Zusammenhängen und Ursachen zu zeigen. Die Knappheit der Fläche als Produktionsmittel für die Agrarunternehmen wurde von allen Seiten bestätigt. Nach den Gesetzes des Marktes führen diese Knappheit und der hohe Bedarf zu entsprechend rasant steigenden Bodenpreisen und Pachten.

Eine eigene Managementaufgabe

Deutlich wurde, dass sich der Bodenmarkt regional durchaus unterschiedlich entwickelt, stärker als die Märkte für andere Betriebsmittel wie beispielsweise Landtechnik oder Dünger, da der Boden im Wortsinne immobil ist. Das wurde besonders klar in den Ausführungen von Juliane Wehrend von der Eigenrode Agrar AG in Thüringen. Sie zeigte am Beispiel ihres Betriebes, wie sehr Eigentums- und Nutzungsverhältnisse auseinander fallen können und entsprechend hohe Aufmerksamkeit des Managements erfordern.

Verstärktes Interesse

Der Immobilienmakler Jakob von Richthofen bestätigte, dass der land- und forstwirtschaftliche Bodenmarkt seit einigen Jahren auf vermehrtes Interesse stößt. Die Sicherung der betriebsnotwendigen Fläche werde für die aktiven Betriebe von immer größerer Bedeutung. Die Pachten schössen aufgrund der verbesserten Einkommenslage durch die Decke. Somit werde auch immer stärker der Kauf von Flächen in die Überlegungen einbezogen. Diese Überlegungen stießen aber auf ein zurückgehendes Angebot und zunehmende Konkurrenz.

Kooperation statt Kredit

Nach Einschätzung von Sandy Hotowetz von der Hamburger Privatbank Berenberg wird die Nachfrage nach Agrar- und Forstflächen auch in naher Zukunft hoch bleiben. Gestiegene Preise führten dazu, dass immer seltener Flächen verfügbar seien, die eine nachhaltige laufende Pachtrendite von 2 Prozent und mehr ermöglichten. Da könne der Kauf von kompletten Agrarbetrieben ein deutlich besseres Chancen-Risiko-Verhältnis bieten. Aufgrund der vielen anstehenden Betriebsnachfolgen werde sich das Angebot an Agrarbetrieben weiter erhöhen. Allerdings komme ein Kauf kompletter Betriebe nur für einen sehr kleinen Teil der Kapitanleger in Betracht. Eine weitere Investitionsmöglichkeit sieht Hotowetz aufgrund der Tatsache, dass viele Landwirtschaftsbetriebe Kapital für die Flächensicherung und zur Umsetzung notwendiger Investitionen benötigen, um die Betriebe fit für die Zukunft zu machen. Trotz günstiger Zinsen sei eine Bankfinanzierung nicht immer die optimale Lösung. Eine Kooperation mit einem Eigenkapitalgeber können in vielen Fällen die wirtschaftlichere Lösung sein.

Bedenkliche Entwicklung

Dr. Ekkehard Wallbaum vom Landwirtschaftsministerium Sachsen-Anhalt stellte für sein Bundesland fest, dass die knappen Flächen nicht der begrenzende Faktor für die Steigerung des Beitrags der Landwirtschaft zur Wirtschaftskraft des Landes seien. Wichtiger ist nach Auffassung des Landes die Produktionsintensität auf diesen Flächen. Anlass zur Sorge um die finanziellen Grundlagen des ländlichen Raumes gebe die Entstehung großer Eigentumsblöcke und die Zunahme ortsfremder und nicht vorwiegend landwirtschaftlich tätiger Eigentümer. Es sei zu befürchten, dass die Pachten oder wesentliche Teile der Bodenrente nicht vor Ort im ländlichen Raum blieben.
 
Einen ausführlichen Schwerpunkt zum Bodenmarkt finden Sie in Heft 2 des agrarmanager, das am 29. Januar 2014 erscheint.
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