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Boden ist die neue Quote

von , am
29.05.2014

Die politischen Rahmenbedingungen erlauben künftig in viehintensiven Regionen kaum noch quantitatives Wachstum in der Tierproduktion. Welche Möglichkeiten für entwicklungswillige Betriebe dennoch bestehen, erklärten Prof. Enno Bahrs von der Uni Hohenheim und Dr. Albert Hortmann-Scholten von der LWK Niedersachsen auf der HLBS-Jahreshauptversammlung in Papenburg.

Betriebliches Wachsum in der Tierproduktion wird vor allem in viehstarken Regionen immer schwieriger. © Turi/Fotolia
Prof. Enno Bahrs von der Uni Hohenheim geht davon aus, dass die Agrarbranche um eine Neufassung der Düngevordnung (DüV) nicht herumkommen wird. Entscheidend sei das "Wie" der Novellierung, so der Agrarökonom bei der Jahrestagung des Hauptverbands der Landwirtschaftlichen Buchstellen und Sachverständigen e.V. (HLBS), die Ende Mai in Papenburg stattfand. Im Spannungsfeld zwischen Wasserschutz und angemessenen Entwicklungsmöglichkeiten der Nährstoffproduzenten und -nutzer sei politisches Feingefühl erforderlich, so Bahrs vor rund 170 HLBS-Mitgliedern und Gästen in Papenburg.
Je nach Ausgestaltung der novellierten DüV könne es einzelbetrieblich und regional zu empfindlichen finanziellen Einbußen bei Veredlern und Milchviehhaltern kommen. Insbesondere der Nordwesten Deutschlands werde überdurchschnittlich stark betroffen sein, da hier eine hohe Veredelungsintensität auf eine hohe Dichte an Biogasanlagen treffe. Die Auswirkungen würden in einzelnen regionalen Bodenmärkten zu spüren sein. "In der Milchproduktion wird der Boden zur neuen Quote", brachte es der Agrarökonom auf den Punkt.
 
In den Veredelungshochburgen Deutschlands setzen Filtererlasse und Baugesetzbuch dem Bau neuer Ställe enge Grenzen. Wachstum werde in viehintensiven Regionen deshalb vorwiegend qualitativ erfolgen, indem also Leistungsreserven bei unveränderter Bestandsgröße gehoben würden, erläuterte Dr. Albert Hortmann-Scholten von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.
Die zweite Möglichkeit für betriebliche Entwicklung sieht Hortmann-Scholten im Kauf und der Pacht von bestehenden Betrieben mit bereits genehmigten Stallungen. Der Kammerexperte geht davon aus, dass in der Schweinemast im Jahr 2020 rund 6.000 Mastplätze nötig sein werden, um ein für den erweiterten Familienbetrieb ausreichendes Einkommen zu erwirtschaften. In der Sauenhaltung seien 1.000 Plätze (bei 30 abgesetzten Ferkeln je Sau und Jahr) erforderlich und im geschlossenen System 444 Sauenplätze mit 3.700 Mastplätzen.
Hortmann-Scholten beobachtet außerdem, dass die Ferkelerzeugung aktuell an Vorzüglichkeit gegenüber der Schweinemast gewinnt.
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