Login
Aktuell

DBV-Erntebilanz: Hohe Erträge, mangelnde Proteinwerte

von , am
19.08.2014

In Berlin hat der Deutsche Bauernverband (DBV) seine Bilanz zur Getreideernte 2014 vorgestellt. Je nach Region wurden überdurchschnittlich hohe Erträge eingefahren. Nur die Proteinwerte bereiten vielerorts Sorgen.

Der Bauernpräsident Joachim Rukwied hat bei einer Pressekonferenz am 19. August 2014 in Berlin die Bilanz zur Ernte 2014 vorgestellt. © Tina Buthut
Der Bauernpräsident Joachim Rukwied hat bei einer Pressekonferenz am 19. August 2014 in Berlin die DBV-Bilanz zur Ernte 2014 vorgestellt. Insgesamt seien die Witterungsbedingungen günstig gewesen, sodass eine Getreidemenge von 50 Mio. t eingefahren werden konnte. Das Ergebnis übersteigt die Vorjahresernte um 5 %. Rukwied betont allerdings, dass im Osten des Landes noch etwas ein Drittel des Winterweizens auf dem Halm steht. Die in einigen Regionen Deutschlands sehr ungünstigen und feuchten Erntebedingungen mit Sturm, Starkregen und sogar Hagel sorgen dafür, dass mit höheren Trocknungs- und Lagerkosten als im Vorjahr gerechnet werden muss.
 
Nach den Schätzungen des DBV wurde auf einer Fläche von etwa 3,2 Mio. ha Winterweizen angebaut. Nach den bisherigen Druschergebnissen werden im Bundesdurchschnitt Erträge von 8,3 t/ha erzielt. Gegenüber dem Erntejahr 2013 entspricht das einer Ertragssteigerung von 3 %. Die regenbedingten Ernteverzögerungen führen allerdings dazu, dass im Weizen die Rohproteingehalte niedriger als gewünscht ausfallen. Auf Nachfrage erläuterte Rukwied, dass der DBV in den nächsten Wochen Gespräche mit den Mühlen führen wolle, um die Schwellenwerte des Rohproteingehaltes zu senken. Weiterhin sprach er sich dafür aus, auch die anderen Qualitätskriterien des Weizens zu betrachten und in eine vernünftige Relation zum Rohproteingehalt zu setzen. Rukwied erwartet, dass sich die Qualität im Weizen durch Aufschläge auch im Preis bemerkbar machen werde.
Je nach Region wurden überdurchschnittlich hohe Getreideerträge eingefahren. Nur die Proteinwerte bereiten den Landwirten vielerorts große Sorgen. © Tina Buthut
 
Die Wintergerste konnte durch den recht frühen Erntebeginn, die guten Witterungsbedingungen und die ausgeprägte Schönwetterphase im Juli mit 9,1 Mio. t geerntet werden. Das sind rund 680.000 t mehr als in 2013. Die Erträge liegen bei 7,4 t/ha.
 
Die Erträge von Winterraps liegen im Durchschnitt bei 4,2 t/ha. Das entspricht einer Ertragssteigerung gegenüber dem Vorjahr um fast 6 %. Die Anbaufläche betrug 1,4 Mio. ha. Insgesamt wird die Winterrapsmenge in Deutschland nach Schätzungen des DBV bei 5,8 Mio. t liegen. Auch qualitativ kann die diesjährige Ernte in weiten Teilen Deutschlands überzeugen, die Ölgehalte liegen bei 42 bis 45 %.
 
Angesprochen auf den Mindestlohn, der ab 2015 bundesweit gilt, wird Joachim Rukwied deutlich: "Die Erzeuger brauchen höhere Preise, um wirtschaften zu können!" Er warnt davor, dass andernfalls Erdbeeren, Spargel und Co. Durch Importe aus dem Ausland substituiert werden.
 
Um die Auswirkungen des russischen Exportstopps auf die Agrarmärkte abzumildern, stellt die Europäische Kommission rund 125 Mio. € an EU-Hilfen für Obst- und Gemüseproduzenten bereit. Deutschland erhält davon etwa 5 Mio. €. Bereits von Januar bis Mai 2014 sind die deutschen Agrarexporte nach Russland um 30 % auf 359 Mio. € zurückgegangen. Die Auswirkungen des Embargos auf die deutschen Schweine-, Rinder- und Geflügelhalter sieht der DBV als gering an. In 2013 wurde beispielsweise nur 1 % des deutschen Rindfleisches nach Russland exportiert.
Auch interessant