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Deutscher Qualitätsweizen im Export gefragt

von , am
22.09.2014

Wer jetzt Weizen verkaufen will, sollte vor allem Qualitätsware auslagern. Die Prämien für A- und E-Weizen liegen mit 10 Euro beziehungsweise bis zu 34 Euro je Tonne deutlich höher als im vergangenen Jahr. Bei Futterweizen dürfte sich hingegen eine Einlagerung lohnen. Das hat der Präsident des Bundesverbandes der Agrargerwerblichen Wirtschaft (BVA), Konrad Weiterer, heute in einem Pressegespräch in Bonn geraten.

Konrad Weiterer (Mitte), Präsident des Bundesverbandes der Agrargewerblichen Wirtschaft (BVA), und die beiden BVA-Vorstände Rainer Schuler (li.) und Jörg Hartmann (re.). © Norbert Lehmann
Weiterer zufolge läuft der Export von deutschem Weizen über Hamburg sehr gut, obwohl die Proteinwerte im Durchschnitt um 1 bis 1,5 Prozentpunkte niedriger sind als üblich. Da in Frankreich wetterbedingt aber etwa 70 Prozent der Weizenernte fallzahlgeschädigt sind, findet deutscher Qualitätsweizen auf den traditionellen Märkten in Nordafrika zurzeit guten Absatz. Über Hamburg und Rostock fließen wöchentlich 60.000 bis 100.000 Tonnen ab. "Wir könnten noch mehr vermarkten, wenn uns die Landwirte ihren Qualitätsweizen anbieten würden", sagte Weiterer. Das sei "ein Lichtblick für den deutschen Weizenmarkt". Aktuell halten sich die Erzeuger aber mit der Vermarktung zurück und konzentrieren sich angesichts der niedrigen Getreide- und Ölsaatenpreise auf die Herbstbestellung.

Futterweizen im Lager lassen

Auf dem Markt für Futtergetreide lastet die Erwartung einer sehr großen Maisernte. Die schlechtesten Getreide-Partien gingen mit Feuchten von 20 Prozent zu einem erheblichen Anteil direkt aus der Ernte in die Biogasanlagen. Den Rest der sehr großen Produktion haben die Landwirte zu 70 Prozent eingelagert. Die Futtermühlen halten sich mit Einkäufen zurück.
 
"Irgendwann werden die Mischfutterhersteller aber einkaufen müssen. Sie haben nur wenig langfristige Kontrakte. Darum rate ich den Landwirten, Futtergetreide eher im Lager zu lassen. Erst wenn die Maisernte eingebracht ist, wird ein Boden am Markt zu sehen sein", sagte Weiterer, der sich eine Belebung des Marktes für Futtergetreide um Weihnachten herum vorstellen kann. Der Handel rechnet mit einem Rückgang der Maiseinfuhren in die EU von 15 Millionen Tonnen im vorigen Jahr auf die Hälfte oder ein Drittel dieser Menge. Auch für den Rapsmarkt sieht Weiterer aus Erzeugersicht Sinn darin, die Ware einzulagern und abzuwarten.

Nur wenige Vorkontrakte

Wie der BVA-Präsident erläuterte, haben die Landwirte vor der Ernte 2014 ungewöhnlich wenig Vorkontrakte geschlossen. Nur etwa 15 bis 20 Prozent der Weizenerzeugung seien vor der Ernte vermarktet worden. Bei Preisen von über 200 Euro je Tonne, die im Frühjahr an der Matif notiert wurden, sei es rückblickend ein Fehler gewesen, nicht größere Mengen preislich abzusichern. Inzwischen bewegt sich der November-Kontrakt in Paris in Richtung 150 Euro.
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