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Diskussionen um zukünftige Agrarstrukturentwicklung

von , am
12.12.2013

Beim BLG-Fachgespräch in Berlin diskutieren Vertreter der Landgesellschaften gemeinsam mit Vertretern der Politik über die zukünftigen Herausforderungen der Agrarstrukturentwicklung.

Politiker in der Diskussion (von links): Dr. Kirsten Tackmann, Dr. Willy Boß, Peter Bleser, Dr. Wilhelm Priesmeier © Buthut
Das Fachgespräch des Bundesverbands der gemeinnützigen Landgesellschaften (BLG) stand dieses Jahr unter dem Motto "Agrarstrukturentwicklung und künftige Politik für Landwirtschaft und ländlichen Räume". Besondere Brisanz erhält dieses Thema in Hinblick auf den Beginn einer neuen Legislaturperiode und einer neuen Periode für die EU-Strukturförderung.

Agrarstruktur in Schleswig-Holstein

Dr. Ulf Kämpfer, Staatssekretär des Bundesministeriums für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holsteins leitete das Fachgespräch mit seinem Vortrag zur Entwicklung der Agrarstrukturen in Schleswig-Holstein ein. Er machte deutlich, dass die Strukturentwicklung in den Bundesländern sehr differenziert stattfindet. In Schleswig-Holstein haben sich beispielsweise die Kaufpreise für Land von 2007 bis 2012 um nahezu 91% auf durchschnittlich 23.063 Euro gesteigert. Die niedrigsten durchschnittlichen Kaufpreise werden in der Vorgeest  erreicht; die höchsten Kaufpreise im Hügelland. Die Kaufpreise auf Fehmarn liegen aktuell sogar bei bis zu 50.000 Euro, berichtete Kämpfer.
 
Ein wachsendes Problem in Schleswig-Holstein ist auch die sogenannte "Vermaisung", also die massive Konkurrenz zwischen Flächen zur Energieproduktion und Ackerflächen. Schon heute werden etwa 200.000 ha Fläche in Schleswig-Holstein zur Energieproduktion verwendet. Die Flächenkonkurrenz wird verstärkt durch den steigenden Anteil von Windkraftanlagen, die vor allem in den Küstengebieten immer häufiger anzufinden sind.
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Agrarstrukturentwicklung aus politischer Sicht

Nach dem Vortrag von Dr. Kämpfer hatten die Vertreter der verschiedenen Bundestagsfraktionen die Möglichkeit über die zukünftige Politik und ihre Pläne für die Landwirtschaft zu sprechen. Den Anfang hatte Peter Bleser von der CDU/CSU und machte gleich deutlich, dass die Erhaltung und Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit oberste Priorität hat. Nur dann, so Bleser weiter, können auch soziale und umweltpolitische Ziele verwirklich und die Akzeptanz der Gesellschaft erreicht werden. Er forderte, dass die Diskussion um sogenannte weiche Themen wie Tierschutz in Zukunft verstärkt werden muss und vor allem neue und attraktive Arbeitsplätze im ländlichen Raum geschaffen werden müssen. Im Bezug auf den Naturschutz bekräftigte er: "Ökologische Vorrangsflächen steigern den Hunger in der Welt!"
 
Dr. Wilhelm Priesmeier von der SPD forderte in seiner Rede den Bereich der 1. Säule der GAP zu Gunsten der 2. Säule mittelfristig abzubauen. Nur dann, so Priesmeier weiter, sei eine umfassende Gestaltung des ländlichen Raumes möglich. Dazu müsste aber auch der rechtliche Rahmen unbedingt verbessert werden; Priesmeier schlug eine Änderung des Grundstücksverkehrsrechts vor.
 
Das letzte politische Statement wurde von Dr. Kirsten Tackmann, von der Fraktion Die Linke, vorgetragen. Sie machte deutlich, dass die Landwirtschaft auch zukünftig einen Beitrag zur Energiewende leisten muss, aber die Produktion von Lebensmitteln oberste Priorität haben sollte. Sie warnte davor, weiterhin Spekulationen auf dem Bodenmarkt zuzulassen und forderte stattdessen: "Wir wollen Arbeitskräfte in der Landwirtschaft mit einem breit gestreuten Eigentum! Wir müssen uns gegen Übernahmen von Nicht-Landwirten zur Wehr setzen!" Schließlich forderte sie in Bezug auf die Tierhaltung die Einführung von Bestands-Obergrenzen und eine bessere Ausbildung von Fachkräften.
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