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DRV-Raiffeisentag: Ganz nah an der Praxis

von , am
12.06.2014

In Berlin fand am 11. Juni der Raiffeisentag des Deutschen Raiffeisenverbandes unter dem Motto "Was uns erfolgreich macht" statt. Für die Veranstaltung wurden erstmalig genossenschaftliche Betriebe mit einem Filmteam besucht.

Manfred Nüssel (Mitte) und Henning Ehlers (Links) beantworten Fragen zu aktuellen politischen Themen. © Tina Buthut/Redaktion agrarmanager
Zunächst beantworteten drv-Präsident Manfred Nüssel und drv-Generalsekretär Henning Ehlers den anwesenden Journalisten Fragen zu aktuellen politischen Themenstellungen.
 
Nüssel kritisierte die Debatte um ein Freihandelsabkommen mit den USA (TTIP) als vielfach zu unsachlich. Grundsätzlich sprach er sich aber dafür aus und begründete dies mit wachsenden Chancen für die europäischen Absatzmärkte. Vor allem für Milch und Wein habe der drv offensive Exportinteressen. Er plädierte dafür, die Standards in denjenigen Bereichen anzugleichen, wo es sachlich machbar und politisch vertretbar sei. Nüssel weiter: "Ich fordere die EU-Verhandlungsführer auf, bei den TTIP-Verhandlungen die Interessen der europäischen Agrarwirtschaft offensiv zu vertreten. Die Agrarwirtschaft darf nicht einseitig zum Zahlmeister der Interessen anderer Wirtschaftsbereiche werden."

Optimistisch für 2014

Henning Ehlers zog im Anschluss eine positive Bilanz für das Jahr 2013. "Preisbedingt und vor allem Export gestützt erzielte die Gruppe einen addierten Umsatz von 67,5 Mrd. Euro. Wir verzeichnen ein Plus von 13,5 Prozent gegenüber 59,5 Mrd. Euro im Vorjahr." Erstmalig seien in die Bilanz auch die Umsätze der Tochterunternehmen und Beteiligungen der Hauptgenossenschaften einbezogen worden. Für das laufende Geschäftsjahr 2014 sei man im drv ebenfalls sehr positiv gestimmt. Als große Herausforderung im Agribusiness sehe Ehlers den drohenden Fachkräftemangel. Darum wurde eine Verbandsinitiative "wir-sind-raiffeisen.de" gegründet, mit der gezielt junge Menschen für Arbeitsplätze bei Raiffeisen geworben werden sollen.
 

Gut aufgestellt

Im Anschluss an die eher politischen Themen fand das Wirtschaftsforum statt. Zunächst hielt Prof. Dr. Markus Hanisch, Leiter des Fachgebiets Kooperationswissenschaften an der HU Berlin und Inhaber der Raiffeisen-Stiftungsprofessur, einen Vortrag über die Zukunft der Genossenschaften und wie sie aufgestellt sind. Er bescheinigt den Genossenschaften insgesamt ein großes Potential die aktuellen Herausforderungen zu meistern. Besonders beeindruckt zeigte er sich über die enorme Vielfalt der Genossenschaften: Ob wenige oder viele Mitglieder, ob spezialisiert, diversifiziert, regional oder international tätig. Er schlussfolgerte, dass es genau diese Eigenschaft sei, die die Genossenschaften in Deutschland so erfolgreich mache.
 

Kreativ auf ganzer Linie

Vertreter der sechs Genossenschaften, über die die Kurzfilme gedreht wurden, baentworten Fragen des Moderators Werner D. Prill. © Tina Buthut/Redaktion agrarmanager
Bestätigung für diese Aussage erhielt Hanisch postwendend nach seinem Vortrag. Erstmalig hat der drv im Vorfeld der Veranstaltung sechs erfolgreiche Genossenschaften verteilt in ganz Deutschland mit einem Filmteam besucht. Die entstandenen Videos zeigen Kurzportraits der jeweiligen Betriebe, mit Bildern aus der Produktion und Kommentaren von Führungskräften und Mitarbeitern.
 
Die sechs besuchten Genossenschaften waren: die Agrargenossenschaft Wörmlitz eG (Sachsen-Anhalt), die Allgäu Milch Käse eG (Bayern), die Erzeugergemeinschaft für Qualitätsvieh Hümmling eG und Erzeugergemeinschaft für Qualitätsvieh im Oldenburger Münsterland eG (Niedersachsen), die Moselland eG (Rheinland Pfalz), die Raiffeisen Centralheide (Niedersachsen) und die Reichenau-Gemüse eG (Baden-Württemberg).
 
Jede der vorgestellten Genossenschaften hat eine andere Unternehmensphilosophie und verfolgt verschiedene Strategien. Die Reichenau-Gemüse eG zum Beispiel vermarktet das produzierte Gemüse lediglich regional, während die Moselland eG eine internationale Exportstrategie verfolgt. Die Filme zeigten die große Vielfalt der deutschen Genossenschaften und untermauerten die Aussage von Prof. Hanisch, dass es keinen Masterplan und kein allgemeingültiges Strukturvorbild für den Erfolg von Genossenschaften gebe. Stattdessen punkten sie durch ihre Einzigartigkeit. Trotz der Unterschiede haben alle Genossenschaften Einfallsreichtum, Engagement, Mut zu Innovationen und den Gemeinschaftsgedanken geimeinsam, was auch durch die Kurzfilme gut veranschaulicht wurde.
 
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