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Analyse

El Niño beschäftigt die Agrarmärkte

Vertrocknete Maispflanzen im Nordosten von China. © imago/Xinhua
von , am
13.11.2015

Das Klimaphänomen El Niño zeigt in diesem Jahr eine sehr starke Ausprägung. In vielen ­Medien werden spürbare Auswirkungen auf die Agrarmärkte diskutiert. Doch nicht jeder starke El Niño führte bisher zu steigenden Agrarpreisen, stellt unser Markt-Analyst Olaf Zinke fest.

© imago/Xinhua

Viele internationale Wetterdienste verweisen auf die hohe Wahrscheinlichkeit eines El Niño-Phänomens im Herbst 2015 und im Frühjahr 2016. Die Wahrscheinlichkeit liegt nach Einschätzung des staatlichen amerikanischen Wetterdienstes NOAA für Herbst/Winter 2015 bei 90 % und für das Frühjahr 2016 bei 85 %.

Gleichzeitig ähnelt die derzeitige Ausprägung der Muster dem extremen El Niño-Jahr 1997/98 mit großen Auswirkungen auf Niederschläge, Temperaturen und andere Wetterextreme wie Trockenheit oder Stürme. Besonders stark könnten die für den Welthandel und die Weltmarktpreise maßgeblichen Regionen Nord- und Südamerika (Soja, Mais, Weizen, Zucker), Australien (Weizen) und Neuseeland (Milch), aber auch Südostasien (Reis, Pflanzenöl) sowie Indien betroffen sein.

Üblicherweise treten El Niño-Phänomene alle zwei bis fünf Jahre in unterschiedlicher Ausprägung auf. Der meteorologische Höhepunkt wird überwiegend in der Zeit von Oktober/November bis Dezember/Januar erreicht. Das Gegenstück, die Kaltphase, mit einer deutlichen Abweichung der Strömungstemperaturen nach unten, wird als La Niña bezeichnet. Außerdem gibt es eine neutrale Phase.

Allerdings können El Niño-Phasen auch unmittelbar in La Niña-Phasen übergehen, wie etwa 2010. Nach den Daten der Meteorologen gab es in den letzten 25 Jahren acht El Niño-Erscheinungen sehr unterschiedlicher Ausprägung und Wirkungen auf die Agrarproduktion und die internationalen Agrarpreise.

Korrelation überraschend gering

Es scheint, dass der Einfluss des La Niña/El Niño-Phänomens auf die internationalen Agrarmärkte in den letzten zehn bis 15 Jahren zugenommen hat. In diesem Zeitraum ist die Verflechtung der Agrarmärkte über den Agrarhandel und die internationalen Terminmärkte erheblich gewachsen und damit auch die Reaktion der Märkte auf wirkliche oder auch nur erwartete Veränderungen in Produktion und Welthandel.

Überraschenderweise korreliert jedoch die Stärke der meteorologischen Ausprägung des El Niño-Phänomens nicht unmittelbar mit der Wirkung auf die Agrarpreise. Das liegt zum einen an möglichen positiven Effekten von El Niño/La Niña auf einige wichtige Produktionsregionen. So haben etwa ausgiebige Regenfälle vor der Aussaat oder während wichtiger Wachstumsphasen in Süd- und Nordamerika entsprechend positive Auswirkungen auf die Produktion.

Andererseits können auch andere global wirksame Effekte die Wirkungen von El Niño überlagern, kompensieren oder sogar in ihr Gegenteil verkehren. Zu solchen Faktoren gehörten zuletzt etwa die Auswirkungen der globalen Finanzkrise 2008/09, ein deutlich verändertes Nachfrageverhalten Chinas oder auch Handelsrestriktionen wie Exportstopps.

Wird der Einfluss überschätzt?

Beim letzten extremen El Niño 1997/98 waren die Auswirkungen auf die globale Agrarproduktion und -preise überraschend gering. Die FAO meldet in einer Analyse regional begrenzte Auswirkungen in Nordamerika und in Argentinien sowie in Mexiko und Nordafrika (Trockenheit). In einigen Regionen Chinas und Indiens gab es ebenfalls begrenzte Auswirkungen und auch in Australien fiel etwas zu wenig Regen.

Im Ergebnis ging die globale Produktion von Mais 1997/98 um gut 3 % zurück, die Weizenproduktion schrumpfte ebenfalls um 3 %, doch die Weltmarktpreise bewegten sich kaum. Die Preise für Reis gaben sogar deutlich nach. Lediglich die Weizenpreise legten zum Jahreswechsel 1997/98 um 15 bis 20 % zu, rutschten jedoch schon bald wieder auf das vorige Niveau zurück. Auf die globalen Milchpreise (Ozeanien) hatte der 98er El Niño ebenfalls keinen Einfluss.

Im Jahr 2015/16 hat der El Niño aus meteorologischer Sicht eine ähnlich starke Ausprägung wie der 1997/1998. Die bisherigen Auswirkungen des aktuellen El Niño auf die Agrarmärkte sind indessen ebenfalls relativ moderat.

Die vollständige, ausführliche Analyse der Auswirkungen von El Niño in der Vergangenheit auf die weltweiten Agrarmärkte lesen Sie in Heft 11/2015 des agrarmanager. Wenn Sie noch keine Abonnent des agrarmanager sind, können Sie hier ein Probeheft anfordern.

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