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Erfolgreiches Pilotprojekt "Schau ins Feld!"

von , am
21.08.2015

In der modernen Landwirtschaft kann mit wenig Mehraufwand einiges für den Schutz der Artenvielfalt erreicht werden. Ohne Pflanzenschutz ist das heutige Ertragsniveau aber nicht zu halten.

RLV-Ehrenpräsident Friedhelm Decker, Landwirt Bernd Olligs und IVA-Hauptgeschäftsführer Volker Koch-Achelpöhler in einem unbehandelten Abschnitt eines Zuckerrübenschlages (von links nach rechts). © Norbert Lehmann
Wie Artenschutz und intensive Landwirtschaft in Gunstregionen zusammen funktionieren können, ohne auf eine ackerbauliche Nutzung zu verzichten, haben der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) und der Industrieverband Agrar (IVA) heute im Rahmen einer Pressefahrt auf dem Damianshof von Bernd Olligs gezeigt. Der Familienbetrieb liegt bei Rommerskirchen in der Gunstregion zwischen Köln und Neuss. Durchschnittlich 90 Bodenpunkte werden hier erreicht. Das Anbauprogramm von Bernd Olligs umfasst Weizen, Gerste, Raps und Mais sowie Zuckerrüben und Kartoffeln.

 
 
 
 
In solchen Insektenhotels finden Wildbienen und andere Insektenarten eine willkommene Bruthilfe. © Norbert Lehmann
Doch trotz intensiver ackerbaulicher Nutzung hat Olligs auf etwa 2 Prozent der Betriebsfläche ein- und mehrjährige Blühstreifen angelegt. Darüber hinaus ist für dieses Jahr die Aussaat von blühenden Zwischenfrüchten wie Senf, Ölrettich und Phacelia auf 38 Prozent der Ackerfläche geplant, insgesamt 44 Hektar. An den Feldrändern hat der Landwirt Insektenhotels, Staudengärten sowie Nisthilfen für Bienen, Eulen und Singvögel angelegt.
 
 
 
Wetterfeste Wegeschilder erläutern Spaziergängern und Radfahrern den Hintergrund der Aktion "Schau ins Feld".
Bei allem Engagement für den Naturschutz ist dem Praktiker klar: Ohne Pflanzenschutz geht es im konventionellen Ackerbau nicht. Darum hat er sich in diesem Jahr an dem IVA-Pilotprojekt "Schau ins Feld!" beteiligt. Dabei verzichten Landwirte in ganz Deutschland auf 300 kleinen Feldabschnitten auf jegliche Pflanzenschutzmaßnahme. Im direkten Vergleich zwischen der unbehandelten und der behandelten Fläche wird deutlich, wie sehr unsere Kulturpflanzen von gezielten Pflanzenschutzmaßnahmen abhängen. Die Demonstrationsflächen werden bevorzugt an Wegen eingerichtet, die von vielen Spaziergängern und Radfahrern genutzt werden. Wetterfeste Wegeschilder erläutern dem Laien den Hintergrund der Aktion.
 
 
 
Landwirt Bernd Olligs zeigt anhand einer Zuckerrübe aus konventionellem Anbau und aus der unbehandelten Parzelle die Wirkung von Pflanzenschutz und Düngung. © Norbert Lehmann
Olligs ließ kleine Abschnitte von Schlägen mit Zuckerrübe, Getreide und Mais unbehandelt. Auf den Mais- und Zuckerrübenflächen ist jetzt im August von den Kulturpflanzen zwischen dem dicht und hoch wuchernden Unkraut kaum etwas zu sehen. IVA-Hauptgeschäftsführer Volker Koch-Achelpöhler zeigte sich von der Resonanz auf das Pilotprojekt unter den Landwirten und in der Zielgruppe, der landwirtschaftsfernen Bevölkerung, angenehm überrascht. "Nach derzeitigem Stand werden wir das Projekt im kommenden Jahr fortführen", sagte Koch-Achelpöhler. Für ihn bestätigen die Spritzfenster eindrucksvoll, dass die Landwirte die doppelte Anbaufläche benötigen würden, um die gleiche Menge Weizen, Roggen oder Gerste ohne Düngung und Pflanzenschutz zu erwirtschaften.
 
 

Hohe Beteiligung

RLV-Ehrenpräsident Friedhelm Decker hob hervor, dass die Landwirte in Nordrhein-Westfalen in diesem Jahr mehr als 15.000 Hektar in Form von Stilllegung, Gewässerrand- oder Feldrandstreifen bewirtschafteten. Hinzu kämen unzählige Feldlerchenfenster und eine Vielzahl von extensiv bewirtschafteten Flächen. Allein zwischen Neuss und Köln wollten sich mehr als 100 Landwirte am Landesprogramm "Vielfältige Fruchtfolge" beteiligen.
 
 
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