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EU koppelt sich im Pflanzenschutz ab

In Stein in der Schweiz befindet sich das Syngenta-Forschungszentrum für Insektizide und Fungizide. © Catrin Hahn
von , am
26.11.2015

Eine für 2017 erwartete Novelle des EU-Pflanzenschutzrechts könnte die Zulassung neuer Wirkstoffe weiter erschweren. Dann läuft die europäische Landwirtschaft Gefahr, von Innovationen abgeschnitten zu werden, warnt der Pflanzenschutzhersteller Syngenta.

© Mühlhausen/landpixel

Wie der Leiter der Registrierung und Produktsicherheit bei Syngenta, Dr. Günter Peters, diese Woche in der traditionellen Magdeburger Runde des Unternehmens erläuterte, ist die Mittelzulassung schon in den vergangenen Jahrzehnten immer komplexer geworden. Die Pflanzenschutzgesetzgebung wurde verschärft und die europäische Verwaltung strukturell verändert. Für die forschenden Pflanzenschutzunternehmen entstanden zusätzliche Kosten. Die Zulassung wurde gebremst. Laut Günter Peters haben 60 % der Anträge für Hauptzulassungen heute eine Bearbeitungsdauer von über zwei Jahren, vorgeschrieben sind 18 Monate. Die immer stärkere Einflussnahme der Politik – weg von der wissenschaftlichen Bewertung – führe von einer Risiko- zu einer Gefahrenorientierung. Mit fatalen Folgen: „Nach dieser Logik muss ich auch Messer verbieten, denn die sind auch gefährlich“, stellte Peters fest. Gleichzeitig werde der Nutzen des chemischen Pflanzenschutzes immer weniger erkannt. Aktuell sei das an der Diskussion um den herbiziden Wirkstoff Glyphosat und den Angriffen gegen Hersteller und die zuständige Behörde erkennbar.

Peters wies darauf hin, dass mit der EU-Zulassungsverordnung von 2009 erstmals Ausschlusskriterien eingeführt wurden. Dadurch wurden die Zulassung neuer und die Wiederzulassung existierender Mittel erschwert. Hinzu kommen die Leitlinie zur Risikobewertung für Bienen und weitere acht Leitlinien zur Ökotoxikologie. Insgesamt wird deshalb wegen des Wegfalls beziehungsweise Auslaufens von Zulassungen ab 2017 ein dramatischer Verlust an Pflanzenschutzmitteln zu erwarten sein, so Syngenta. Krankheiten wie Septoria, Gelbrost, Fusarium, DTR oder Netzflecken könnten in Getreide künftig nicht mehr bekämpfbar sein. Sollten die Kriterien für hormonschädliche Stoffe (endokrine Disruptoren) der EU-Kommission umgesetzt werden, würden neun der zehn meistverkauften Getreidefungizide wegfallen.

Unternehmen vermissen Planbarkeit

Diese Aussichten sind nicht nur für die Landwirtschaft ein Problem. Die verbliebenen forschenden Unternehmen beklagen einen Mangel an Planbarkeit. So erhielt Syngenta wider Erwarten keine Zulassung für das Herbizid Atlas, das bereits produziert und beworben worden war. In der Summe rechnet Syngenta damit, dass sich die weltweiten Innovationen der Hersteller von Europa weg entwickeln. Schon seit 15 Jahren stagnieren die Forschungsausgaben im Pflanzenschutz in Europa bei rund 500 Mio. US-$, während sie im selben Zeitraum weltweit von 2 Mrd. auf 3,1 Mrd. US-$ stiegen. Interessante Wirkstoffe könnten für den europäischen Markt nicht mehr entwickelt werden, weil die Hersteller den unsicheren und teuren Zulassungsprozess scheuten, warnte Peters. Ganze Anwendungsbereiche stünden auf der Kippe; selbst breite Zulassungen mit vielen Indikationen seien immer seltener rentabel.

Dr. Thomas Pape, Syngenta-Verkaufsleiter für Deutschland und Österreich, betonte zugleich, dass das Schweizer Unternehmen nach wie vor einen Schwerpunkt in Europa habe. Im Pflanzenschutz lägen große Erwartungen auf dem Fungizid Solatenol, dessen Zulassung demnächst erwartet werde. Das auf dem amerikanischen Kontinent bereits erfolgreiche Produkt werde in einer Vielzahl von Kulturpflanzen verfügbar sein. In der Züchtung, die im Bereich Getreide und Raps vor einem Jahr durch die Übernahme der SW Seed entscheidend gestärkt wurde, gilt dem Thema Hybridweizen besondere Aufmerksamkeit.

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