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EU-Parlament begrenzt Spekulation

von , am
16.04.2014

Das Europäische Parlament hat gestern der neuen EU-Richtlinie über Finanzinstrumente (MiFID) zugestimmt. Damit werden an den EU-Terminmärkten erstmals Positionslimits für die Spekulation mit Agrarderivaten eingeführt.

Das Europäische Parlament hat die neue MiFID-Richtlinie verabschiedet. Sie schafft die Möglichkeit, Positionslimits für Finanzspekulanten an den Agrarterminmärkten einzuführen. © Europäische Union
Die neue MiFID-Richtlinie bringt drei wesentliche Änderungen:
  1. Sie schafft die rechtlichen Voraussetzungen für die Einführung von Positionslimits. Das bedeutet, Finanzinvestoren dürfen nur noch eine bestimmte Höchstzahl von Kontrakten auf Agrarprodukte an den Warenterminmärkten halten. Von den Obergrenzen ausgenommen sind Akteure, die Terminkontrakte kaufen, um ein physisches Warengeschäft abzusichern.
  2. Ähnlich wie in den USA, sollen regelmäßige und zeitnahe Berichte über die Positionen der Marktakteure die Transparenz erhöhen. Es soll leicht zu erkennen sein, welche Gruppen von Anlegern auf welche Preisbewegung setzen.
  3. Um extreme Preisschwankungen zu vermeiden, kann der Handel kurzfristig ausgesetzt werden. Das soll die Gefahren des computergesteuerten Hochfrequenzhandels begrenzen. Die Algorithmen der Handelscomputer müssen von den Behörden geprüft und zugelassen werden.

Zwei Jahre bis zur Umsetzung

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt begrüßte die Entscheidung des Europaparlamentes. Die Richtlinie werde die nützlichen Eigenschaften von Agrarterminmärkten für Verbraucher und Produzenten stärken und gleichzeitig schädlichen Aktivitäten Grenzen aufzeigen. Damit könne sich die Agrarwirtschaft weiterhin gegen unerwartete Preisschwankungen absichern; wilden Spekulationen mit dem Hunger werde dagegen ein Riegel vorgeschoben.
 
Damit die MiFID-Richtlinie in Kraft treten kann, muss sie zuvor vom Ministerrat gebilligt werden. Das Bundeslandwirtschaftsministerium rechnet mit einem Inkrafttreten bis Juli. Anschließend müssen jedoch die Durchführungsbestimmungen durch die Europäische Kommission und die europäische Finanzmarktaufsichtsbehörde (ESMA) erarbeitet werden. Das wird nach Einschätzung des Ministeriums bis zu zwei Jahre dauern. Schmidt kündigte an, die Ausgestaltung aktiv zu begleiten.
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