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EZB pusht den Weizenexport

von , am
05.09.2014

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat überraschend den Leitzins gesenkt. Die ultralockere Zinspolitik hat den Euro gegenüber dem Dollar auf die Talfahrt geschickt. Davon profitieren die europäischen Weizenexporte, denn Agrarcommodities werden bekanntlich in Dollar gehandelt.

Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins für die Eurozone gesenkt. Für den Export vor allem in den Dollar-Raum bedeutet das Aufschwung. © Fotolia/JFL Photography
Die Europäischen Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag (4. September 2014) überraschend den Leitzins für die Eurozone von 0,15 % auf 0,05 % gesenkt. Der Leitzins ist der Zinssatz, zu dem sich Banken bei der EZB Geld leihen. Diese Maßnahme soll dafür sorgen, dass die Wirtschaft durch tendenziell billigere Kredite und Investitionen angekurbelt wird. Die Folge wären insgesamt steigende Produktpreise. Mit der Senkung des Leitzinssatzes reagieren die Währungshüter auf die im August nochmals gesunkene Inflationsrate von 0,3 %. Dieser Wert liegt deutlich unterhalb der Zielsetzung der EZB von knapp unter 2 %. Die geringe Inflationsrate schürt die Sorgen vor einer Deflation - einer Abwärtsspirale der Preise. Die Folge: Unternehmen und Verbraucher zögern Investitionen und Anschaffungen in Erwartung weiter sinkender Preise hinaus.
 
Gleichzeitig mit dem nun gesenkten Leitzins haben die Notenbankler die Strafgebühr für Banken deutlich auf minus 0,2 % erhöht. Zuvor hatte der Strafzins 0,1 % betragen. Banken, die ihr Geld lieber anlegen, als es beispielsweise in Form von Krediten an Unternehmen zu verleihen, müssen nun eine höhere Strafe zahlen.
 
Für Anleger in der Eurozone wiederum bedeutet die Maßnahme der EZB nichts Gutes: Die Sparzinsen sind extrem niedrig und eine hohe Rendite zu erzielen ist kaum möglich. So werden die Verbraucher indirekt dazu bewogen, das Geld lieber auszugeben und die damit die Wirtschaft zu stärken, als es „auf die Hohe Kante“ zu legen. Auch Kredite sind deshalb mit extrem niedrigen Zinsen zu bekommen.
 
Die europäische Gemeinschaftswährung reagierte sogleich auf die Maßnahmen der EZB und sank zeitweise auf den Stand von unter 1,30 Dollar. Im April dieses Jahres notierte der Euro noch bei etwa 1,40 Dollar. Für Exporteure ist der aktuelle Wechselkurs äußerst attraktiv. Das verdeutlich ein Rechenbeispiel: Wenn jetzt an der Chicagoer Börse Brotweizenkontrakte (Fälligkeit September 2014) für 192 Dollar je Tonne verkauft werden, ergibt das mit dem aktuellen Wechselkurs knapp 148 Euro je Tonne. Noch im April bei einem Wechselkurs von 1,40 Dollar hätte es knapp 10 Euro je Tonne weniger gegeben, nämlich 138 Euro je Tonne. Das macht EU-Weizenexporte in den Dollar-Raum attraktiver.
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