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Fonterra wird erpresst

von , am
10.03.2015

Die neuseeländische Milchwirtschaft und damit in erster Linie die Molkerei Fonterra werden von Unbekannten erpresst. Sie drohen, Milchprodukte zu vergiften.

© Fonterra
Bereits im November 2014 erhielten Fonterra und der neuseeländische Bauernverband Federated Farmers anonyme Drohbriefe. Die Schreiben wurden von Milchpulverproben begleitet, die mit Natriumfluoracetat vermischt waren. Das hochgiftige Natriumsalz ist in Neuseeland unter der Handelsbezeichnung 1080 bekannt. Es wird dort in Form von Giftködern zur Bekämpfung von Opossums und Wildkaninchen eingesetzt. Die Verwendung ist umstritten und wird von Umwelt- und Naturschützern kritisiert.
 
Die Erpresser verlangen, den Einsatz von 1080 in freier Wildbahn bis Ende März zu stoppen. Andernfalls wollen sie das Rodentizid Milchprodukten beimengen. Die betroffenen Unternehmen und die Sicherheitsbehörden haben die vorbeugenden Maßnahmen und die Kontrollen in den vergangenen Monaten deutlich verschärft. Mehr als 40.000 Proben von Milchpulver und Säuglingsnahrung wurden negativ getestet. Zusätzliche Kontrollschritte wurden eingerichtet.
 
Bisher war der Erpressungsversuch aber nicht öffentlich gemacht worden. Offenbar waren die Medien der Sache jedoch auf der Spur. Darum brach Neuseelands Premierminister John Key heute das Schweigen. Er betonte, es werde alles getan, damit neuseeländische Milchprodukte sicher seien. Key sprach von einem Akt von "Ökoterrorismus". Die Verbraucher wurden aufgefordert, auf versehrte Verpackungen zu achten.
 
Die Drohung, Kindernahrung von Fonterra zu vergiften, trifft die neuseeländische Milchwirtschaft an ihrer empfindlichsten Stelle. Ihr Exporterfolg hängt davon ab, dass die Verbraucher - vor allem in China - von der Sicherheit der Produkte überzeugt sind. Vor zwei Jahren litt der Export massiv unter dem Verdacht, Fonterra könnte Milchpulver verkauft haben, das mit Botulismus-Bakterien belastet war. Der Verdacht erwies sich im Nachhinein als unbegründet, hatte zwischenzeitlich aber Einfuhrsperren wichtiger Importländer ausgelöst.
 
1080 wird in Neuseeland vor allem zur Bekämpfung von Opossums eingesetzt, die als Überträger der Rindertuberkulose gelten. Die Regierung hat eine eigene Internetseite eingerichtet mit Informationen zu dem Erpressungsfall und mit Ratschlägen an die Bevölkerung unter www.foodprotection.govt.nz.
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