Login
Aktuell

Getrübte Aussichten bei Südzucker

von , am
21.05.2015

Die Südzucker AG hat im Geschäftsjahr 2014/15 einen deutlichen Rückgang bei Umsatz und Ertrag einstecken müssen. Angesichts niedriger Zucker- und Ethanolpreise sind die Aussichten für das laufende Jahr sogar noch schlechter. Mittelfristig soll es - auch aufgrund beschlossener Sparmaßnahmen - wieder aufwärts gehen.

Der Vorstandsvorsitzende der Südzucker AG, Dr. Wolfgang Heer, musste heute in Mannheim schlechte Geschäftszahlen verkünden. © Norbert Lehmann
Wie der Vorstandsvorsitzende Dr. Wolfgang Heer heute auf der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens in Mannheim mitteilte, sank der Konzernumsatz in dem am 28. Februar abgeschlossenen Geschäftsjahr 2014/15 um 10 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis brach von 622 Millionen auf 181 Millionen Euro ein. Erstmals in der Unternehmensgeschichte wurden im Zuckersegment im dritten und vierten Quartal rote Zahlen geschrieben. Dass insgesamt dennoch ein dreistelliges Ergebnis ausgewiesen werden konnte, verdankt Südzucker seiner Diversifizierung. Die Sparten "Spezialitäten" und "Frucht" verzeichneten einen deutlich steigenden beziehungsweise stabilen Gewinn.
 
Auf das schwierige Geschäftsumfeld - hohe Überschüsse am europäischen Zuckermarkt sowie niedrige Preise für Zucker und Ethanol am europäischen und Weltmarkt - reagiert das Unternehmen mit einer Reihe von Sparmaßnahmen, die nach ihrer vollständigen Umsetzung einen positiven Ergebnisbeitrag von 120 Millionen Euro liefern sollen. Dazu gehören die Schließung der Rohzuckerraffination in Marseille und eine Straffung der Verwaltungsstruktur. Das Ethanolwerk Ensus in Großbritannien wurde vorübergehend stillgelegt.

Unklares Rechtsrisiko

Für das laufende Geschäftsjahr prognostiziert Südzucker unverändert einen weiteren Umsatzrückgang auf 6,0 Milliarden bis 6,3 Milliarden Euro. Das operative Konzernergebnis soll auf 50 Millionen bis 150 Millionen Euro zusammenschmelzen. Dabei wird die Zuckersparte voraussichtlich einen Verlust von 50 Millionen bis 100 Millionen Euro einfahren. Dieses Minus soll erneut vom Spezialitäten- und Fruchtgeschäft aufgefangen werden. Der Vorstand machte keinen Hehl daraus, dass der Rübenpreis deutlich stärker gesenkt worden wäre, wenn die EU nicht bis 2017 noch den Rübenmindestpreis vorschreiben würde.
 
Langfristig sieht sich Südzucker aufgrund seiner Marktführerschaft, der guten Werksstruktur, soliden Finanzierung und konkurrenzfähigen Rohstoffversorgung jedoch gut aufgestellt, um auf dem weltweit weiter wachsenden Zuckermarkt mithalten und auch gegebenenfalls Übernahmen umsetzen zu können. Spätestens 2019/20 wollen die Mannheimer wieder ein operatives Ergebnis in der Größenordnung von 550 Millionen Euro ausweisen. Das würde dem Niveau von 2010/11 entsprechen, dem letzten Abschluss vor den außergewöhnlich guten Jahren 2011/12 bis 2013/14. Eine Unsicherheit bleibt jedoch, nämlich die Höhe der Schadenersatzzahlungen, die Südzucker eventuell an jene Unternehmen leisten muss, die gegenwärtig eine Entschädigung für illegale Preisabsprachen im Zuckerkartell einklagen. Zu deren Höhe macht der Vorstand keine Angabe.
Auch interessant