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Gibt es geile Fritten?

von , am
25.04.2014

Lebensmittel genießen in Deutschland keine besonders hohe Wertschätzung. Entscheidungskriterium Nr. 1 ist für den hungrigen Michel der Preis. Vielleicht liegt das nur daran, dass bisher noch keiner die richtige Werbung erfunden hat.

Denn, seien wir ehrlich, die unvermeidlichen Bilder von Schweinekotelett und Gehacktem im Wochenflyer gleichen eher einem Fleisch-Porno, als dass sie zu hochwertigem Genuss verführen. Einer scherte da jetzt aus. Die Handelskette mit dem großen blauen "E" auf gelbem Grund druckt zwar auch jede Woche fleißig Millionen von Billigschnitzel-Flyern; sie hat aber auch ein bemerkenswertes YouTube-Video gewagt. In dem Streifen "Supergeil" groovt ein ziemlich fülliger älterer Herr mit Sonnenbrille durch den Supermarkt und sagt dabei schwachsinnige Dinge auf wie "sehr geiler Dorsch übrigens" oder "guck mal hier, sehr sehr geile Fritten". Und "Bio ist auch sehr sehr geil", meint der Berliner Schmuck-Eremit Friedrich Liechtenstein, der die Hauptrolle mimt.

Messbarer Erfolg

Wenn auch Ihnen nicht ganz klar ist, was daran supergeil ist, wenn ein fast 60-jähriger Zwei-Zentner-Bass mit Vollbart in H-Milch badend seine behaarte Plautze in die Kamera streckt, haben wir etwas gemeinsam. Aber, es funktioniert. Mehr als 9 Millionen Mal wurde "Supergeil" auf YouTube angesehen. Komplett sinnfrei, ungewöhnlich, ja geradezu bizarr, aber irgendwie auch wieder cool - das kommt an im Internet. Der Spot ist ein Riesenerfolg. Ohne großes Zutun des Absenders wird die Botschaft viral im Netz verbreitet, sogar international. Ein PR-Volltreffer.
 
Wird was hängen bleiben beim Verbraucher? Zumindest löst das Video einen Bruch in der üblichen Wahrnehmung von Lebensmitteln aus. Aufmerksamkeit wird erregt, die Pforte für die Botschaft der "sehr sehr geilen Sachen hier" wird aufgestoßen. Ein neues Publikum wird erreicht. Der Blick aufs Essen ändert sich: Du bist, was Du isst - supergeil. Insofern kann man sich nur mehr Werbung der schrägen Art wünschen, weil sie angesehen wird und weil sie irgendwie doch cool ist.
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