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Hohe Erbschaftsteuer bedroht Agrar- und Forstbetriebe

von , am
16.12.2014

Im Hinblick auf das für morgen erwartete Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu den Verschonungsregeln für die Vererbung betrieblicher Vermögen hat der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Grundbesitzerverbände, Michael Prinz zu Salm-Salm gewarnt: "Man darf die Kuh nicht schlachten, die man melken will."

Michael Prinz zu Salm-Salm © Friederike Krick
"Wir hoffen, dass das Bundesverfassungsgericht die bisherigen Verschonungsregeln bestätigt, denn sonst würde die Wirtschaftskraft im ländlichen Raum erheblich geschwächt", mahnte Prinz Salm. Er appellierte an die Politiker der großen Koalition, nach der Urteilsverkündung mit den betroffenen Familienunternehmen das Gespräch zu suchen.
 
Wie eine Umfrage des Verbandes unter seinen Mitgliedern jetzt ergab, müssen zahlreiche Land- und Forstwirte 20 bis 30 Prozent ihrer Flächen verkaufen, um die Erbschaftsteuer zahlen zu können. Bei manchen drohe sogar die Betriebsauflösung. Besonders kritisch sei es in den neuen Bundesländern, wo die Betriebe oft fremdfinanziert seien, so die Arbeitsgemeinschaft. Im Forst werde dreimal vererbt, bis das erste Mal geerntet werde. Da sei eine Erbschaftsteuer bei jeder Betriebsübergabe gar nicht zu stemmen. "Denn das Vermögen des Betriebes liegt nicht als Bargeld auf der Bank, sondern steckt im Familienunternehmen", so Prinz Salm. Rund 90 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland sind Familienunternehmen. Die träfe eine Verschärfung des Erbschaftsteuergesetzes besonders hart, denn sie sind branchenbedingt standorttreu und wirtschaften generationenübergreifend.

Dramatische Auswirkungen befürchtet

Der Umfrage zufolge würden bei hohen Erbschaftsteuern Mitarbeiter entlassen und nötige Investitionen in Landmaschinen und Technik zurückgestellt werden müssen. Im Forst führe das zur Erhöhung des Holzeinschlages, damit der Betrag finanziert werden könne. Außerdem würde die Sanierung und Restaurierung von historischen und denkmalgeschützten Gebäuden drastisch reduziert. Rund 80 Prozent der etwa 1,3 Millionen Denkmäler in Deutschland gehören privaten Eigentümern. Prinz Salm: "Wenn das private Engagement wegfällt, hätte das dramatische Auswirkungen nicht nur auf die Wirtschaftskraft im ländlichen Raum, sondern auch auf die historische Vielfalt unserer Kulturlandschaft."
 
Ein ausführliches Interview mit Prinz Salm zur Bedeutung der Substanzbesteuerung für die Wirtschaftlichkeit von land- und forstwirtschaftlichen Unternehmen sowie zu politischen Eingriffen in den Bodenmarkt lesen Sie in der Ausgabe 12/2014 des agrarmanager. Ein kostenloses Probeabo können Sie hier bestellen.
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