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ILUC-Werte überschätzt

von , am
20.11.2013

Welche wirtschaftlichen Konsequenzen hätte die Einführung von iLUC-Werten für Biokraftstoffe? Diese und weitere Fragen rund um die junge iLUC-Forschung (Indirect Land Use Changes) wurden am Montag, dem 18. November 2013, in der Pressekonferenz des Bundesverbands der deutschen Bioethanolwirtschaft e.V. (BDBe) diskutiert. Die iLUC-Theorie unterstellt, dass es durch Biokraftstoffe zu direkten und indirekten Landnutzungsänderungen komme. Der Bedarf an Biokraftstoffen hätte eine Verdrängung der Nahrungs- und Futtermittelproduktion zur Folge.

Experte und Präsident des Humboldt-Forum for Food & Agriculture Prof. von Witzke
 
Das Gelingen der Energiewende ist ein zentrales Thema der neuen Bundesregierung. Derzeit wird in Brüssel diskutiert, ob die bisherige iLUC- Forschung für neue gesetzliche Regelungen in den EU-Biokraftstoffrichtlinien ausreichend ist. Da die bisherigen Ergebnisse der iLUC-Forschung stark streuen und nur teilweise transparent sind, hat der Bundesverband der deutschen Bioethanolwirtschaft eine vergleichende Analyse und Bewertung mit dem Titel "Biokraftstoffe in der Europäischen Union und indirekte Landnutzungsänderungen" in Auftrag gegeben. Das Fazit der Autoren Prof. Harald von Witzke und Dr. Steffen Noleppa lautet: "iLUC-Werte sollten derzeit nicht in die Politik einbezogen werden." Begründet wird das Ganze damit, dass die iLUC-Werte überschätzt würden, weiterer Forschungsbedarf bestehe und es durch einen direkten Markteingriff allein in der EU zu Verlagerungseffekten kommen würde. Durch diese würden die Verbraucherkosten steigen. Außerdem würden zu geringe Ausbeutegrade bei einigen Koppelprodukten der Biokraftstoffe als Basis herangezogen und die Bedeutung von Stilllegungsflächen unterschätzt.
Die Ergebnisse zeigen, dass der Anbau von Nutzpflanzen zur Erzeugung von Bioenergie (derzeit ca. 40 Mio. ha, diese entsprechen 4 % der weltweiten Ackerfläche) keinen bedeutenden Einfluss auf den Mangel an Nahrungsmitteln hat. Prof. von Witzke und Dr. Noleppa bekräftigen: "Will man einen iLUC-Faktor für Bioenergie, dann braucht man auch einen für den Ökolandbau, denn geringere Erträge pro Flächeneinheit verknappen ebenfalls das Angebot und bewirken demzufolge iLUC-Effekte."
Sinnvoller wäre es nach Ansicht der Experten an geringen und abnehmenden Raten des Flächenproduktivitätswachstums in der EU-Landwirtschaft anzusetzen.
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