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Initiative Tierwohl verhandelt Erweiterung

von , am
18.05.2015

Die Initiative Tierwohl ist vom Start weg von teilnahmebereiten Schweinehaltern geradezu überrannt worden. Jetzt steht mehr als die Hälfte der interessierten Erzeuger auf der Warteliste, weil der Zuschussfonds, der vom Lebensmittelhandel gespeist wird, nicht ausreicht. In einem Kurzinterview mit dem agrarmanager äußert sich der Geschäftsführer der Trägergesellschaft, Dr. Alexander Hinrichs, zu den Bemühungen um eine Aufstockung des Tierwohlfonds.

Dr. Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl. © Initiative Tierwohl
agrarmanager: Was sagen Sie zu Vorwürfen, die Auslosung der zum Audit zugelassenen Schweinehalter sei beeinflusst worden, um größere Tierhaltungen zu bevorzugen?
 
Dr. Alexander Hinrichs: Diese Vorwürfe sind absolut unbegründet. Die Größe der Betriebe hat keinen Einfluss darauf gehabt, welche Betriebe zum Erstaudit zugelassen wurden. Die durchschnittliche Tierzahl von 5.616 pro Betrieb bildet so auch die Teilnahme unterschiedlicher Betriebsgrößen ab. Konkret teilt sich diese Zahl auf in jährlich 3.340 Mastschweine, 8.210 Ferkel in der Ferkelaufzucht und 9.969 Ferkel in der Sauenhaltung.
 
agrarmanager: Ist der Lebensmitteleinzelhandel bereit, den Beitrag von 4 Cent/kg Frischfleisch anzuheben, um mehr Erzeuger an der Initiative teilnehmen zu lassen?
 
Hinrichs: Die Initiative Tierwohl ist ein freiwilliges Bündnis der beteiligten Unternehmen. Im Augenblick geht es darum, das System unter den vereinbarten Bedingungen weiter wie geplant vollständig an den Start zu bringen. Es geht nun um die erstmalige Auditierung der schweinehaltenden Betriebe und um den Start der geflügelhaltenden Betriebe noch in diesem Sommer. Zugleich stellt uns die enorme Nachfrage bei den Landwirten vor die Aufgabe, den Kreis der einzahlenden Unternehmen zu erweitern, damit auch das wertvolle Engagement der Landwirten, die sich auf der Warteliste befinden, honoriert wird.
 
agrarmanager: Welche anderen Wege sind aus Ihrer Sicht am ehesten erfolgversprechend, um den Fonds aufzustocken?
 
Hinrichs: Die Initiative Tierwohl bereitet sich für Gespräche mit weiteren Unternehmen aus dem Lebensmitteleinzelhandel, die bislang noch nicht teilnehmen oder aus verwandten Branchen, wie etwa der Gastronomie, vor, um weitere Partner zu gewinnen. Je mehr Unternehmen sich beteiligen, desto näher kommen wir unserem Ziel, das Tierwohl auf breiter Fläche zu fördern.
 
agrarmanager: Warum beteiligt sich die Schweinefleisch verarbeitende Industrie bisher nicht in gleicher Höhe finanziell an der Initiative Tierwohl?
 
Hinrichs: Der bisherige Ansatz sieht die Erhebung eines Teilnahmeentgeltes von dem Lebensmitteleinzelhandel vor. Aber insbesondere aufgrund der hohen Nachfrage ist es jetzt notwendig, auch mit den anderen Branchen zu sprechen, die Fleisch abnehmen. Dass sich die verarbeitende Industrie zur Initiative Tierwohl bekennt, zeigt sich auch darin, dass der Bundesverband der Deutschen Fleischwarenindustrie (BVDF) Gesellschafter der Trägergesellschaft ist.
 
agrarmanager: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die finanziellen Mittel der Initiative kurzfristig so ausgeweitet werden, dass alle interessierten Tierhalter, die die Kriterien nachweislich erfüllen, auch teilnehmen können?
 
Hinrichs: Es ist sehr schwer, hier im Augenblick eine Prognose zu wagen, da die Beteiligung an der Initiative Tierwohl auf Freiwilligkeit basiert. Allerdings kann ich mir gut vorstellen, dass wir weitere wichtige Schritte in diese Richtung gehen können, wenn weiterhin alle Beteiligten - der Lebensmitteleinzelhandel, die Fleischwirtschaft und die Landwirtschaft - mit uns an einem Strang ziehen.
ENDE
 
Einen ausführlichen Artikel zur hohen Beteiligung an der Initiative Tierwohl und ihrer möglichen Weiterentwicklung lesen Sie in der Juni-Ausgabe des agrarmanager, die am 27. Mai erscheint. Wenn Sie noch kein Abonnent sind, können Sie hier kostenlos ein Probeheft anfordern.
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