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Kartellamt trennt Andechser und Söbbeke

von , am
05.10.2015

Aufgrund eines Prüfverfahrens des Bundeskartellamtes werden die beiden größten deutschen Bio-Molkereien - Andechser Molkerei Scheitz GmbH und Molkerei Söbbeke GmbH - künftig wieder als voneinander unabhängige Wettbewerber am Markt auftreten müssen.

Der Präsident des Bundeskartellamtes Andreas Mundt. © Norbert Lehmann
Die beiden Bio-Molkereien waren über die französische Großmolkerei Savencia SA miteinander verbunden. Savencia, bis vor kurzem unter dem Namen Bongrain bekannt, beteiligte sich 1999 an Andechser und übernahm in den Jahren 2011 bis 2013 zusätzlich Söbbeke. Die Freigabe dieser Fusion hat Savencia nach Darstellung des Kartellamtes aber nur durch unrichtige Angaben im Rahmen des im Jahr 2011 durchgeführten Fusionskontrollverfahrens erlangt. Nachdem die Falschangaben aufgefallen waren, hat das Bundeskartellamt ein Entflechtungsverfahren eingeleitet und umfangreiche Ermittlungen bei den Beteiligten sowie allen deutschen Biomolkereien durchgeführt.
 
Die Ermittlungen haben der Behörde zufolge bestätigt, dass der Zusammenschluss auf mehreren Märkten für Bio-Milchprodukte den Wettbewerb erheblich beeinträchtig. Die beiden Molkereien erzielen bei verschiedenen Produkten der weißen Linie - insbesondere Bio-Fruchtjoghurt und Naturjoghurt sowie Bio-Fruchtquark und Bio-Drinks - gemeinsame Marktanteile von deutlich über 50 Prozent. Die von Savencia im Jahr 2011 erstellte Anmeldung hatte diese Marktverhältnisse nicht im Ansatz zutreffend wiedergegeben und enthielt zudem unvollständige Angaben zu weiteren Einflussmöglichkeiten der Bongrain-Gruppe auf die Andechser Molkerei Scheitz GmbH. Auch auf Nachfragen im Rahmen des Vorprüfverfahrens hat Bongrain keine zutreffenden Absatzzahlen übermittelt.
 
Inhaberfamilie kauft zurück
Das Bundeskartellamt hat den Beteiligten seine vorläufigen Ermittlungsergebnisse mitgeteilt. Um die aus Sicht des Amtes erforderliche Auflösung des Zusammenschlusses zwischen Savencia und Söbbeke zu vermeiden, hat Savencia angeboten, seine Beteiligung an Andechser aufzugeben und die Anteile zu veräußern. Diese Veräußerung ist nun vollzogen worden. Wie die Andechser Molkerei Scheitz GmbH mitteilte, hat die Inhaberfamilie Scheitz die Minderheitsbeteiligung von Bongrain zurückgekauft.
 
Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes: "Unternehmen, die beim Bundeskartellamt eine Fusion zur Prüfung vorlegen, sind verpflichtet, umfassende und vor allem richtige Angaben zu machen. Die - nicht zuletzt im Sinne der Unternehmen - effiziente und schnelle Prüfung von Fusionsvorhaben, wie sie das Bundeskartellamt praktiziert, lebt davon, dass die Beteiligten eine vollständige und zutreffende Anmeldung einreichen. Wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass ein Unternehmen diesen Pflichten nicht genügt hat, stehen dem Amt schlagkräftige Instrumente zur Verfügung, um auch später noch einen rechtmäßigen Zustand herzustellen. Ein Entflechtungsverfahren kann auch dazu führen, dass wir die Rückabwicklung eines Zusammenschlusses anordnen."
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