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Ausgabe März 2014

Mit den allerbesten Empfehlungen

von , am
28.02.2014

Das hört sich doch gut an: „Er führte die ihm übertragenen Aufgaben mit großem Fleiß und Interesse durch“, bescheinigt einem der Chef im Arbeitszeugnis. Damit kann man bei der nächsten Bewerbung bestimmt Pluspunkte sammeln. Oder etwa nicht?

© fotolia
Die Zeugnissprache ist ein Idiom, das nur Lob kennt. Bereits 1963 entschied der Bundesgerichtshof, dass sich in Arbeitszeugnissen nur wohlwollend über Arbeitnehmer geäußert werden dürfe, um deren weitere berufliche Zukunft nicht zu erschweren. Diese Regelung führt dazu, dass Arbeitgeber beim Verfassen von Arbeitszeugnissen auf eine verschlüsselte Leistungsbewertung zurückgreifen, mit deren Hilfe sie auch negativ gemeinten Beurteilungen einen positiven Anschein geben können.
 
Dieser sogenannte "Zeugnis-Code" orientiert sich an den Schulnoten. Zum Beispiel: Der Zeugnisempfänger hat seine Arbeit stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt (sehr gut) oder hat sich bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden (mangelhaft). Nach der deutschen Gesetzgebung muss ein Arbeitszeugnis aber nicht nur wohlwollend formuliert, sondern auch vollständig sein. Das bedeutet, dass der Arbeitgeber keine Informationen auslassen darf, die in einem Arbeitszeugnis üblicherweise erwartet werden. Diese Strategie wird auch "beredtes Schweigen" genannt.
 
Dennoch besteht eine gern gewählte Methode der versteckten Kritik-Äußerung darin, wichtige Informationen bewusst wegzulassen. So lässt sich etwa der Satz "Sein Verhalten gegenüber Mitarbeitern war stets einwandfrei" auch als "aber gegenüber seinen Vorgesetzten verhielt er sich nicht korrekt" verstehen, da diese nicht ebenfalls erwähnt wurden.
 
Auch formal hat ein Arbeitszeugnis einigen Anforderungen zu genügen. So muss es grundsätzlich auf dem regulären Firmenpapier im DIN A4-Format geschrieben sein. Die Erteilung eines Zeugnisses in elektronischer Form (etwa als E-Mail-Anhang) ist vom Gesetzgeber ausgeschlossen. Bei Rechtschreib- und Grammatikfehlern kann man eine Berichtigung verlangen.
 
Ein gutes Arbeitszeugnis zeichnet sich durch Individualität aus. Das Lob sollte konkret zu den Tätigkeiten und Fähigkeiten des Arbeitnehmers passen und nicht so allgemein gehalten sein, dass es wie bei einem Horoskop auf jeden passt.
 
Welche Formulierungen verwendet werden, um versteckte Kritik zu äußern, sowie weitere Informationen zum gesamten Aufbau von Arbeitszeugnissen und zur Dechiffrierung gängiger Floskeln finden Sie im aktuellen Heft 03/2014.
 
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