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Ausgabe November_2014

Aufs Korn: Allgemeine Gefahrenquelle

von , am
28.10.2014

Sie finden, es wird zu viel Panik um unser Essen gemacht? Dachten wir bisher auch. Bis wir von Dihydrogenmonoxid hörten!

© Schlierner/fotolia
Der moderne Mensch zelebriert nicht das, was er isst, sondern das, was er zu essen vermeidet. Und es gibt viel zu vermeiden: Kalorien und Kohlenhydrate. Rotes Fleisch und weißes Fleisch. Fett und Salz. Laktose und Gluten. Nicht fair gehandelte Hülsenfrüchte, mit Chlor behandelte Hühnchen. Schalentiere, Massentiere, niedliche Tiere, alle Tiere. Genfood und Fastfood. Mikrowellenlasagne und Tiefkühllachs. Tante Gertruds Kürbiskompott und falschrum drehenden Kirschjoghurt. Und so weiter und so fort ... Sie verstehen, worauf ich hinaus will.
 
Ich für meinen Teil vermeide bislang ziemlich wenig. Zu wenig, fürchte ich. Ich esse Tiere, die eine Mutter hatten, Pflanzen, die Gene enthalten, und stinknormales Steinsalz aus Sachsen-Anhalt, statt edlem Fleur de Sel, dessen Kristallblüten an windstillen Tagen in bretonischen Atlantikbuchten mit dem hölzernen Handschäufelchen von der glitzernden Meeresoberfläche geschöpft wurden. Salz muss für mich salzig sein, nicht adlig.
 
Mit anderen Worten: Mir war die ganze Vermeiderei einfach immer zu anstrengend. Bis jetzt. Denn vor wenigen Tagen las ich die eindringliche Warnung eines Lebensmittelchemikers vor einer der tückischsten Substanzen, der die nichtsahnende Menschheit je ausgesetzt war: Dihydrogenmonoxid, kurz: DHMO!
 
Falls Sie noch nie von dieser chemischen Verbindung gehört haben, geht es Ihnen wie Millionen von arglosen Mitbürgern. Obwohl DHMO unser tägliches Leben geradezu überschwemmt, wird sein Name nicht an Schulen gelehrt und nicht in Zeitungen gedruckt. Während man uns mit Pseudoskandälchen wie Rinderwahn und Pferdelasagne abzulenken versucht, schlummert die wahre Gefahr unerkannt in mehr als 93% unserer Nahrungsmittel, bei entsprechend feinen Nachweismethoden sprechen Ernährungswissenschaftler (Namen sind der Redaktion bekannt) sogar von beinahe 100%.
 
Falls Sie nun glauben, ich würde bloß grundlose Panik verbreiten, lassen Sie mich ein paar Fakten zu Dihydrogenmonoxid zusammentragen:
  • Obwohl selbst nicht als giftig eingestuft, ist DHMO Bestandteil der meisten giftigen Substanzen.
  • Hohe Mengen an DHMO wirken auf Lebewesen schwer gesundheitsschädigend bis tödlich (Inhalationsgift) und zerstören nachhaltig die Umwelt.
  • DHMO in festem Aggregatszustand führt bei längerer Einwirkung beim Menschen zum Tod, zudem hat es enorme Sprengkraft und kann selbst Beton und Straßenasphalt zerstören.
  • Im gasförmigen Zustand führt DHMO zu Hautirritationen.
  • Selbst in seinem flüssigen Normalzustand (bei Zimmertempereratur mit einer Schwankungsbreite von rund 100 Kelvin) wirkt DHMO in höheren Dosen schädlich, bekannt sind Fälle von starker Hidrose und erhöhter Miktion.
  • DHMO ist Bestandteil von saurem Regen, fördert die Bodenerosion und lässt Metalle korrodieren. (*)

Sie werden mir zustimmen, dass eine solche Gefahrenliste ihresgleichen sucht. Dabei scheint es durchaus Kräfte zu geben, die an der Verbreitung dieser Höllensubstanz Interesse haben. Nicht einmal streng vegane Ernährung bietet Schutz. Und erst kürzlich wurde bekannt, dass Dihydrogenmonoxid
obligatorisch selbst zu Babynahrung hinzugefügt wird, obwohl Experten eindringlich davor warnen, dass die Chemikalie schwer süchtig macht. Suchtmittelbeauftragte von Bund und Ländern gehen sogar davon aus, dass kontaminierte Menschen niemals wieder auf DHMO verzichten können.
 
Aber das wollen wir doch erst mal sehen! Ich mache einen Selbstversuch. Seit heute morgen vermeide ich jedes Lebensmittel, das unter dem Verdacht steht, DHMO-haltig zu sein. Das ist nicht ganz einfach, weil die Substanz unter ihrem wissenschaftlichen Namen selten in den Inhaltstoffen aufgeführt ist. Doch sorgfältige Recherchen haben ergeben, dass DHMO von Zeit zu Zeit auch 2-Wasserstoffoxid oder H2O genannt wird. Oder schlicht: Wasser.
 
Mann, hab ich auf einmal einen Durst.
 
Sabine Leopold
 
 
(*) Falls das doch ein bisschen viel "Sprachverwurschtelung" war, hier die Liste nochmal im Klartext:
  • Wasser ist (zumindest in Spuren) in Rattengift ebenso enthalten wie in Strychnin oder KO-Tropfen. Außerdem werden die meisten Gifte in Getränken oder flüssigen Speisen aufgelöst, wer öfter Agatha Christie liest oder C.S.I. guckt, weiß das.
  • Wer Wasser in großen Mengen einatmet, ertrinkt. Und Überschwemmungen zerstören ganze Landstriche.
  • Längerer Kontakt mit Eis sorgt bei biologischen Organismen für Erfrierungen (bis hin zum Kältetod). Zudem sprengt Eis in Asphalt- oder Betonspalten in jedem Winter Straßen und Häuserfassaden.
  • Wasserdampf ist verdammt heiß, man kann sich dran verbrühen.
  • Wer sehr viel trinkt, schwitzt stark und muss oft aufs Klo.
  • Regen ist aus Wasser, saurer Regen auch, und Wasser spült Muttererde weg und lässt Metall rosten.

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