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Fachbeiträge

Eine Biowaffe kehrt zurück

von , am
29.05.2013

Der Getreideschwarzrost galt lange Jahre als ausgerottet. Jetzt kehrt er - mutiert und bedrohlicher den je - aus Afrika auf den alten Kontinent zurück.

© forestry images
Der Schwarzrost ist eine der gefährlichsten Getreidekrankheiten der Welt. Nur wenige Wochen vor der Ernte kann der Pilz in einem zuvor gesunden Bestand Ertragsverluste von über 80% verursachen. Er ist höchst mobil, denn die Sporen können schnell und über große Entfernungen übertragen werden. So reicht ein einzelner Hektar infizierten Weizens aus, um über 10 Mrd. Sporen freizusetzen, von denen jede einzelne eine Epidemie auslösen könnte. Sollte es dazu in größerem Maßstab kommen, droht neben einem Wirtschaftsschaden in unbezifferbarer Höhe auch eine humanitäre Katastrophe.

Angesicht der Bedrohung durch diese Krankheit verwundert es nicht, dass Getreideschwarzrost während des Kalten Krieges militärische Bedeutung gewann. Als sogenannte "anti-crop bomb" sollten die Pilzsporen für erhebliche Ernteausfälle beim Gegner sorgen. Doch dieser Schuss hätte auch leicht nach hinten losgehen können, denn Pilzsporen machen keinen Halt vor Grenzen oder Ozeanen. Deshalb kam die Bombe zum Glück nicht zum Einsatz und in den 1970er-Jahren wurden die militärischen Sporenvorräte der USA endgültig vernichtet.

Jahrzehntelang galt der Getreideschwarzrost als ausgerottet, da es in den 1960er Jahren dem Agrarwissenschaftler Dr. Norman Borlaug gelang, resistente Weizensorten zu züchten. Dafür wurde der "Vater der Grünen Revolution" mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Doch was niemand ahnte: Der Schwarzrost hat in einer ökologischen Nische in Ostafrika überlebt, breitet sich von dort mit einer Geschwindigkeit von ca. 800 km pro Jahr aus und bedroht nun als mutierte Variante die weltweite Getreideproduktion.
 
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