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Ausgabe April_2015

Charme-Offensive

von , am
24.03.2015

Mit einem ISOBUS-Check im Internet, neuen Service-Tools und einheitlicher Zertifizierung wollen die in der Agricultural Industry Electronics Foundation (AEF) organisierten Hersteller dem Elektronikeinsatz in der Landtechnik neuen Schwung verleihen.

© Carmen Rudolph
Klare Aussagen statt Werbesprüche. Um mehr Landwirte von den Vorteilen der Elektronik in Landmaschinen zu überzeugen, gehen die in der Agricultural Industry Electronics Foundation (AEF) organisierten Hersteller jetzt gemeinsam in die Charme-Offensive. Vorläufiger Höhepunkt der Kampagne ist die Freischaltung der AEF-ISOBUS-Datenbank für die breite Öffentlichkeit. "Künftig können sich Landwirte hier über den aktuellen Stand der ISOBUS-Funktionalitäten von Maschinen, Anbaugeräten und Terminals verschiedener Hersteller als auch über deren Zusammenspiel jederzeit im Internet selbst informieren", sagt AEF-Sprecher Carsten Hühne, der die webbasierte Anwendung am 24. Februar auf der Landtechnikmesse SIMA in Paris vorstellte.
 
Experten tüfteln in verschiedenen Arbeitsgruppen an der Umsetzung des Standards ISO 11783, dem ISOBUS. Er ist die Voraussetzung für herstellerübergreifende elektronische Anwendungen auf dem Acker, wie das automatische Schalten von Teilbreiten beim Drillen oder Spritzen entsprechend der GPS-Position. Zwei mal jährlich treffen sich die Entwickler zu so genannten Plugfesten und testen in großen Hallen untereinander, ob sich die mitgebrachten Gerätemodule auch wirklich "verstehen".
 
Gegenwärtig konstituieren sich weitere Arbeitsgruppen, die eine Erweiterung des Standards für höhere Bandbreite (High Speed ISOBUS), etwa zum Einbinden von Videosignalen, und für den Datenaustausch per Funk (Wireless ISOBUS Communication) regeln sollen. Und das Abstimmen innovativer Anwendungen geht inzwischen über den ISOBUS hinaus. So beschäftigt sich die Arbeitsgruppe "High Voltage" mit elektrischen Antrieben und Hochvolt-Bordnetzen. 
Seit dem 22. Februar 2015 haben nun auch Landwirte Zugang zur ISOBUS-Datenbank
(www.aef-isobus-database.org). Sie können sich anhand von Funktionalitätssymbolen (Quadrate mit Buchstaben) anzeigen lassen, über welche der zertifizierten ISOBUS-Funktionen Traktoren, Terminals und Geräte der verschiedenen Hersteller im Einzelnen verfügen.

Die AEF-ISOBUS-Datenbank ist ein wichtiger und richtiger Schritt für mehr "Bodenständigkeit" beim Smart Farming. Aber die Aussagekraft ist, zumindest beim jetzigen Pflegezustand, noch dürftig. Es ist also nicht zu befürchten, dass der Server unter dem Ansturm interessierter Landwirte zusammenbricht. Bemerkenswert ist allerdings die Transparenz. Die AEF lehnt sich mit der Freischaltung der Datenbank weit aus dem Fenster, ja geht sogar ein Risiko ein. Denn jetzt kann jeder Interessierte verfolgen, wie zügig sich nun die Spalten mit den verfügbaren und kombinierten ISOBUS-Funktionalitäten bei den verschiedenen Traktoren, Terminals und Geräten füllen. Kurz: Ob sich was bewegt oder nicht. Damit entsteht ein Image-Druck auf die Hersteller. Insofern könnte die Info-Datenbank der AEF eine Eigendynamik entfalten, die gegenwärtig noch gar nicht abzusehen ist.
 
 
Sie sind neugierig, wie die Datenbank funktioniert? Dann lesen Sie weiter im April-agrarmanager. Wir haben einen Landwirt auf der Suche nach ISOBUS-fähigne Düngerstreuern begleitet. Und falls Sie noch kein Abonnent sind, können Sie hier drei Hefte lang reinschnuppern.
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