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Ausgabe Juli_2015

Daten verknüpfen - Informationsmanagement im Landwirtschaftsbetrieb

von , am
30.06.2015

Die Digitalisierung der Landwirtschaft führt zu einer Datenflut, in der man als Betriebsleiter leicht auch untergehen kann. Geschickt vernetzt können Informationen aber helfen, die Qualität von Entscheidungen und damit den betrieblichen Erfolg zu verbessern.

Erfolg resultiert aus der Summe richtiger Entscheidungen. In der Landwirtschaft liegen Wochen, Monate oder auch Jahre zwischen ersten Entscheidungen und dem Erfolg am Ende. Informationstechnologie hilft dabei, die Qualität von Entscheidungen zu verbessern.
 
Das gelingt umso eher, je besser sie in der Lage ist, zukünftige Daten - solche, die sie also heute eigentlich noch gar nicht haben kann - in die Gegenwart zu "importieren". Damit versetzt sie  den Landwirt in die Lage, Entscheidungen so zu treffen, als kenne er Ertrag und Erfolg nicht erst nach der Ernte, sondern bereits während des Produktionsprozesses.
Die dazu erforderlichen Informationen fließen ein in die Entscheidungen vom geschickten Einkauf der Betriebsmittel über die sorgfältige Steuerung der Produktionsverfahren einschließlich Personaleinsatz bis hin zur punktgenauen Vermarktung der Erträge. Besonders strategischen Fragestellungen können mithilfe der verknüpften Informatioenen geklärt werden. Dazu zählen Personalgewinnung und -qualifizierung, Investitionen in Produktionszweige und Managementsysteme sowie dazugehörende Finanzierungsmaßnahmen.  
 
EDV-Informationssysteme sind zunehmend besser und anwenderfreundlicher in der Lage, Wissen und Erfahrungen nutzbar zu machen, indem sie digitale Daten für die Entscheidungsvorbereitung zur Verfügung stellen. Entscheidungsrelevante Daten stammen dabei aus dem Datengrundgerüst, das im Controlling auch als "Balanced Scorecard" bezeichnet wird. Das zusammengeführte Datengerüste erstreckt sich auf Marktgegebenheiten, Finanzierungsangelegenheiten, Produktionsverfahren sowie Personal und Wissen. Die Daten, die aus diesen vier Feldern in die Entscheidungsfindung einfließen, sind teilweise sehr unterschiedlicher Natur. Der Bereich Personal und Wissen stellt besondere Anforderungen an die Gewinnung von Informationen und Daten, da in diesem Bereich nicht alle interessanten, sprich für den Erfolg wichtigen Informationen in Zahlen auszudrücken sind. Denn wie soll die Motivation, das handwerlichke Geschick, da Weissensnieveau eines Mitarbeiters oder die Fähigkeit selbstständig zu arbeiten in abzählbare Maßeinheiten eingeordnet werden?
 
Insbesondere wachstumsorientierte landwirtschaftliche Unternehmen, Betriebe mit Hochleistungsanspruch, mit hohen Fremdkapitalquoten, vielfältigen Produktionszweigen oder störanfälligen Produktionsprozessen brauchen zunehmend solide Datengrundlagen für ihre Entscheidungen. Auch Betriebe mit hohem Personalbesatz werden an datengestützter Planung, Steuerung, Kontrolle und Dokumentation nicht vorbeikommen.
Aber wenn es auch zuweilen anders erscheint: Insgesamt befindet sich die Landwirtschaft noch immer in einer frühen Phase der Digitalisierung. Obgleich vieles - auch im Alltagsleben, das die Erfahrungswelt prägt - bereits weitgehend digitalisiert erscheint, gehört die Landwirtschaft zu den Bereichen, in denen die Welt darum herum noch Entwicklungsbedarf sieht. Eine große Herausforderung besteht dabei in der Verknüpfung unterschiedlicher Systeme. Wie bekommt man Bedarfs-, Aufwands- und Ertragsdaten zu-
sammengeführt - insbesondere dann, wenn sie auf unterschiedlichen technischen Plattformen basieren?  
 
Sie wollen wissen, wie Sie mit dem anschwellenden Datenstrom umgehen können? Die Antwort finden Sie in der aktuellen Ausgabe des agrarmanager. Lesen Sie außerdem, warum sich die Unternehmensstrategie nicht mehr nur mit "Zettel und Stift" managen lässt.
 
 
 
 
 

Handeln bevor es brennt

Werden Betriebs- und Marktdaten intelligent verknüpft, können daraus Verkaufsentscheidungen abgeleitet werden. Wie ein Frühwarnsystem schützt ein "Entscheidungsbaum der Vermarktung" vor einer finanziellen Schieflage.
 
Wer einen landwirtschaftlichen Betrieb führt, muss viele Entscheidungen treffen, die das Betriebsergebnis direkt beeinflussen: Wahl des Saatguts, der Pflanzenschutzmittel und des Düngers und des richtigen Zeitpunktes für die Bodenbearbeitung. Neben den täglichen Entscheidungen auf dem Feld ist auch die Wahl der Vermarktungsstrategie ein zentraler Bestandteil der Betriebsführung. Bei der  Wahl der Pflanzenschutzmittel wird Jahr für Jahr aufs Neue diskutiert und es werden neue Mittel ausprobiert. Dagegen wird in Sachen Vermarktung allzu oft auf das Altbewährte gesetzt. Hier besteht großer Handlungsbedarf.
 
Eine Vermarktungsstrategie muss langfristig auf die Belange des Einzelbetriebes abgestimmt sein. Werden Betriebs- und Marktdaten zu einem "Entscheidungsbaum der Vermarktung" verknüpft, kann dieser als Frühwarnsystem für den Betrieb fungieren.
Um das komplexe Thema "Vermarktung"  für Ackerbaubetriebe greifbarer zu machen, hat das Beraterteam der Hanse Agro Unternehmensberatung  den Entscheidungsprozess der Vermarktung visualisiert. Künftig können Vermarktungsentscheidungen ganz einfach auf Basis von "Entscheidungsbäumen" getroffen werden.
 
Wie Sie mithilfe der Bestimmungsfaktoren Preisniveau, Markterwartung, Liquidität, Basis und Lagerhaltung einen Vermarktungsbaum als Werkzeug für die strukturierte Vermarktungsplanung Ihres Betriebes zusammenstellen, erfahren Sie im aktuellen Heft des agrarmanager
 
 
 
 
 
 
 

Richtig zuordnen

Damit das betriebliche Controlling funktioniert, müssen Kosten und Leistungen exakt erfasst, verursachungsgerecht zugeordnet und zeitnah ausgewertet werden. Unsere Autoren geben Tipps aus ihrer Beratungspraxis.
 
Zwischenzeitlich hat sich in vielen Betrieben die Kostenstellenrechnung durchgesetzt. Vielerorts wird jedoch erst mit Fertigstellung der Bilanz auf die Kostenstellenabrechnung geschaut. Leider erfolgt noch in recht vielen landwirtschaftlichen Betrieben eine Kostenstellenauswertung sogar erst bei der externen Prüfung durch Prüfverbände beziehungsweise durch Steuer- und Wirtschaftsberater. Damit genügt die reine Buchhaltung nicht als zeitnahes Instrument für Controllingaufgaben und ist beispielsweise auch für Plan-Ist-Vergleiche wenig geeignet.
 
Dabei hilft gerade in schwierigen Zeiten mit schlechten Erzeugerpreisen, Trockenheit oder Auswinterungen eine aussagefähige Kosten-Leistungs-Rechnung als betriebliches Controllinginstrument den Betrieb in der Spur zu halten. Auch fragen Banken beim betrieblichen Rating im Zusammenhang mit der Finanzierung von Investitionen immer häufiger, ob und wie Planungs- und Kontrollinstrumente wie beispielsweise Vollkosten- oder Kostenstellenrechnung genutzt werden, und prüfen diese auch.
 
Aus Sicht der Beratung muss die Kostenstellenrechnung dem Anspruch genügen, jeden Betriebszweig beziehungsweise jedes Produktionsverfahren nach Vollkosten beurteilen zu können. Das Ziel dabei ist eine möglichst verursachungsgerechte Verteilung der Kostenarten auf die verschiedenen Kostenstellen des Betriebes. Probleme bereiten bei Kostenstellenabrechnungen häufig die erforderliche Zuordnung von betrieblichen Allgemeinkosten und die Bewertung des innerbetrieblichen Austauschs von Waren und Leistungen zwischen den verschiedenen Geschäftsbereichen der Unternehmen. Eine detaillierte Zuordnung der Allgemeinkosten nach Einzelbetrachtung sollte erfolgen, um den „Topf Allgemeinkosten“ durch eine weitgehend direkte Zuordnung sehr klein zuhalten. 
 
Ein vorausschauendes Controlling (Kostenstellenplanung und regelmäßiger Plan-Ist-Vergleich) wird vor dem Hintergrund zunehmend volatiler Märkte auch für Landwirtschaftsbetriebe immer bedeutsamer. Insbesondere in den Zweigen der Tierproduktion, wo monatlich Leistungen erbracht und am Markt realisiert werden, wo monatlich Einkäufe getätigt werden, um die Tierbestände mit hochwertigen Futtermitteln oder mit veterinärmedizinischen Dienstleistungen zu versorgen, ist ein vorausschauendes Controlling von außerordentlicher Bedeutung. Es ist ein wichtiges Instrument für die Unternehmensführung, um rechtzeitig Entscheidungen treffen zu können - beispielsweise die Fütterungsstrategie verändern, zusätzliche Anpassungsmaßnahmen zur Kostenreduzierung oder Ertragssteigerung veranlassen oder das Finanzmanagement ändern und einen zusätzlichen Liquiditätskredit aufnehmen.  
 
 
Mit welchem Umlageverfahren Sie Ihre Allgemeinkostenen abrechnen und Kosten und Leistungen richtig zuordnen Lesen Sie im Heft 07/2015 des agrarmanager. Erfahren Sie außerdem wie Sie  innerbetrieblichen Austausch korrekt bewerten. 
 
 
 










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