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Fachbeiträge

Dossier Biogas

von , am
30.01.2013

Steigende Auflagen beim Anlagenbau, weniger Technikanbieter am Markt, neue Chancen durch die Direktvermarktung - in unserem Dossier befassen wir uns mit Neuigkeiten rund um die Biogas-Produktion.

Jörg Möbius, Redaktion agrarmanager
Auf knapp 300 neue Biogasanlagen hat der Fachverband seine Zubauprognose für dieses Jahr nach unten korrigiert. Im letzten Jahr ging eine ähnliche Zahl Neuanlagen ans Netz. 2011 waren es dagegen noch 1.415 neue Biogasanlagen. Dieser Einbruch zeigt, dass die seit Mitte 2011 bekannte EEG-Novelle mit Maisdeckel, Wärmenutzungspflicht und verschlechterten Einspeisetarifen im Leistungsbereich 250 bis 600 kW die Latte zu hoch gelegt hat. Hinzu kommen zahlreiche Genehmigungs- und Sicherheitsauflagen, die den Bau neuer Anlagen immer häufiger unrentabel machen. Auch die steigenden Substratpreise lassen neue Projekte unwirtschaftlich werden und bringen einige Anlagen in wirtschaftliche Schieflage.

Der Auftragsrückgang wird dazu führen, dass Anlagenbauer vom Markt verschwinden. Weiterhin rechnen können wir mit Herstellern, die schon in den letzten Jahren begonnen haben, aktiv in andere Länder zu verkaufen. Das mit dem EEG in Deutschland aufgebaute Know-how wird beispielsweise in Polen oder Norditalien sehr geschätzt. Ein Anlagenbauer ist eine Vertriebskooperation mit einem international aktiven Stallbau-Unternehmen eingegangen, was ihm sicher auch Aufträge bringen wird.

Mehr Arbeit wird es in den nächsten Jahren bei der planmäßigen Instandhaltung und bei Reparaturen an Blockheizkraftwerken, Einbringe- und Rührtechnik sowie beim Repowering geben. Es werden weitere Anlagen beginnen, Rüben einzusetzen. Neben den Reinigungs- und Steintrennverfahren mit Wasser gibt es jetzt auch Technik, die ohne diesen Aufwand auskommt. Auch bei der Rübenlagerung konkurrieren zwei Technologien: Ganze Rüben im Silo lagern oder Rübenmus im Erdbecken? Hier heißt es genau rechnen, welches Verfahren unter den konkreten betrieblichen Bedingungen kostengünstiger ist.

Das ganz große Thema für Anlagenbetreiber ist in den nächsten Monaten die Stromvermarktung! Nach anfänglichem Zögern sind im Laufe des vergangenen Jahres eine ganze Anzahl Betriebsleiter auf die Direktvermarktung von Biogasstrom umgestiegen. Für sie zählt der Mehrerlös, ein Beispiel dazu finden Sie auf den nächsten Seiten. Auf der Jahrestagung des Fachverbandes Biogas vom 29. bis 31. Januar in Leipzig wird die Direktvermarktung auch ein wichtiges Thema sein.
 
Energiepolitisch ist die bedarfsgerechte Stromeinspeisung von großer Bedeutung. Denn Strom aus Biogasanlagen kann in Zeiten hohen Verbrauchs oder in Zeiten von Windflauten und Wolken dafür sorgen, dass weniger konventionelle Regelenergie und Reservekraftwerke notwendig sind. Das kommt dem Image aller erneuerbaren Energien und über den Strompreis allen Verbrauchern zugute. Die bedarfsgerechte Stromeinspeisung ist somit auch eine Zukunftssicherung für die Branche Biogas.
Jörg Möbius

 
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