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Ausgabe Januar_2015

Dossier: Damit Milch gesund und wertvoll bleibt

von , am
03.01.2015

Die Milch gesunder Kühe ist, wenn sie das Euter verlässt, ein wertvolles, hygienisch einwandfreies Produkt. Diese Qualität zu erhalten, ist eine Herausforderung - sowohl im Umgang mit der Verkehrsmilch als auch beim Kolostrum-Management.

Wer Milch produziert, ist automatisch
ein Experte für Hygiene. Denn nur ein konsequentes Stall- und Tiergesundheitsmanagement macht es möglich, dass hygienisch einwandfreie, hochwertige Milch das Euter einer Kuh verlässt.

Doch Milch ist ein biologisches Produkt, das naturgegeben nicht komplett keimfrei ist - ebenso wenig wie die Umgebung, in die es nach dem Melkprozess wechselt. Das folgende Handling entscheidet darüber, welche Chance vorhandene Mikroorganismen haben, sich zu vermehren und die Milchqualität bis hin zum Verkehrsverbot zu ruinieren. Zugleich dürfen Behandlungs- und Desinfektionsmaßnahmen keine qualitätsbeeinflussenden Rückstände in der Rohmilch hinterlassen.

Letzteres ist ein wichtiger Punkt bei einem hierzulande bislang wenig bekannten Verfahren der Zitzendesinfektion und -pflege nach Melkabschluss, das wir im Beitrag "Zitzenpflege noch im Melkbecher" vorstellen. Das Automatic Dipping and Flushing (Automatisches Dippen und Spülen, kurz: ADF) versorgt die Zitze bereits im Melkbecher mit einem Dippmittelfilm.
Die Jodlösung wird dabei über eine Druckluftleitung in den Zitzengummikopf transportiert und während der Melkzeugabnahme auf der Zitzenhaut verteilt. Dieses Verfahren verbindet Milchentzug und Dippverfahren räumlich und zeitlich sehr eng. Umso wichtiger ist es, dass dabei keine Dippmittelrückstände die Milch kontaminieren.
 
Nach dem Verlassen des Euters muss die Milch zügig auf höchstens 4 °C heruntergekühlt werden, denn nur eine niedrige Umgebungstemperatur verhindert, dass sich Mikroorganismen (pathogene Keime ebenso wie Milchsäurebakterien) schwungvoll vermehren. Normalerweise beginnt der Temperaturentzug im Kühltank. Doch warum nicht bereits die Milchleitung auf dem Weg dorthin nutzen? Zusätzlicher Vorteil: Verwendet man zum Vorkühlen einfach die Wasserleitung zu den Tiertränken, bekommen die Kühe vorgewärmtes Wasser. Besonders im Winter unterstützt das die Tiergesundheit.

Aber nicht nur reife Verkehrsmilch muss haltbar gemacht werden. Immer mehr Betriebe gehen dazu über, Kolostrum zu lagern, um stets genügend Biestmilch zur Erstversorgung der neugeborenen Kälber zur Verfügung zu haben. Kolostrum enthält allerdings genau wie normale Milch Krankheitserreger aus dem mütterlichen Organismus. Dazu kommen Umweltkeime, wenn die Erstmilch nicht äußerst sorgfältig gehandhabt wird. Diese (meist sehr geringen) Keimbesätze machen einem älteren Kalb nicht mehr viel aus, doch kurz nach der Geburt fehlt den Jungtieren noch der Immunschutz, den ihnen erst das Kolostrum verschaffen soll. Deshalb ist eine schonende Pasteurisierung, die zwar pathogene Keime erledigt, die komplexen Immuneiweiße aber weitgehend unbeeinflusst lässt, ein wirksamer Schutz für das neugeborene Kalb.

Ich wünsche Ihnen, Ihren Familien und Mitarbeitern und Ihren Tieren einen gesunden Start ins neue Jahr. Damit Milch gesund und wertvoll bleibt

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Sabine Leopold, Redakteurin agrarmanager
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