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Ausgabe Februar 2014

Dossier: Effektiv aus Verantwortung fürs Tier

von , am
28.01.2014

Moderne Sauen haben immer größere Würfe. Gut geführte Herden beweisen aber, dass das nicht mit mehr Tierverlusten einhergehen muss. Wir stellen wichtige Punkte zusammen, die helfen, Verluste im Abferkelstall zu vermeiden.

Sauenhaltung und Ferkelaufzucht sind im Moment in aller Munde.
 
Nun sind Landwirte es mittlerweile zwar gewohnt, dass sich jeder, der schon mal über Land geradelt ist oder einer Kuh ein paar Grashalme ins Maul geschoben hat, irgendwie als Agrarexperte fühlt. Doch die aktuelle Medienhysterie, ausgelöst durch Ferkeltötungsvideos, Hormonstudien und den "Fleischatlas", macht eine sachliche Auseinandersetzung mit den Vorwürfen aus NGO-Kreisen mal wieder extrem schwer.

Ein gutes - wenn auch gern überhörtes - Argument gegen die tosende Sauenhalterschelte sind die unwiderlegbaren Zahlen aus hiesigen Abferkelställen: Trotz steigender Leistungen nämlich nehmen die Ferkelverluste prozentual, in vielen Fällen sogar absolut ab. Mit anderen Worten: Immer weniger Jungtiere kommen tot oder nicht lebensfähig zur Welt, und zugleich gelingt es Betriebsleitern und Herdenbetreuern immer besser, auch schwächeren Ferkeln den Start ins Leben zu erleichtern.
 
Damit schon vor der Abferkelung die richtigen Weichen gestellt werden, ist eine ausgefeilte Fütterung der tragenden Sauen unumgänglich. Energetisch und nährstoffseitig genau auf den Bedarf der Tiere abgestimmte Rationen sorgen für optimal konditionierte Muttersauen, zügige Abferkelungen und ausgeglichene Würfe. Und genügend Rohfaser im Tragefutter hilft, das Verdauungssystem der Sauen rechtzeitig so zu trainieren, dass deren Futter- und Wasseraufnahme nach der Geburt rasch ansteigt und damit für hohe Milchleistungen sorgt.

Dass die Muttermilch das Lebenselexier für neugeborene Ferkel ist, weiß jeder Sauenhalter. Eine schnelle und ausreichende Kolostrumaufnahme ist die beste Lebensversicherung für den Nachwuchs. Doch gerade Erstgebärende und relativ alte Sauen können den Bedarf großer Würfe oft nicht decken. Dem Landwirt fällt die Verantwortung zu, Energie- und Nährstoffdefizite bei den Ferkeln rechtzeitig zu erkennen und mit Zufutter oder Wurfausgleichen gegenzusteuern.

Überhaupt ist das wache Auge eines Herdenbetreuers durch nichts zu ersetzen. Untersuchungen zu Möglichkeiten der Verlustsenkung im Abferkelstall haben ergeben, dass keine Maßnahme effektiver wirkt, als eine Ferkelwache. Ein Stalldienst, der
Neugeborene aus den Eihäuten befreit, trockenreibt und bei der Mutter anlegt, rettet Ferkelleben und rechnet sich trotz höherer Personalkosten in jedem Falle. Dabei ist der kritisierte Hormoneinsatz zur Sauensynchronisation das sicherste Mittel, auch bei Arbeitskräftemangel eine solche Wache stemmen zu können.

Was der BUND also in seiner vielzitierten Hormon-Studie aus der ersten Januarwoche den Sauenhaltern vorwirft, ist im Grunde deren Verantwortungsbewusstsein. Der Rest sind meist unbewiesene oder längst widerlegte Unterstellungen. Und gezielte Provokationen zum Stimmenfang natürlich. Sich das vor Augen zu halten, hilft bei mancher Diskussion."Effektiv aus Verantwortung fürs Tier"
 
Sabine Leopold, Redakteurin agrarmanager
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