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Ausgabe Dezember_2014

Dossier: Wir können uns noch nicht zurücklehnen

von , am
28.11.2014

Mit Hilfe geeigneter Trocknungsverfahren und moderner Fördertechniken lassen sich Lagerverluste gering halten. Zudem gibt es einen interessanten Forschungsansatz, der das Potenzial hat, mit einfachen Mitteln Pilzkrankheiten im Zaum zu halten.

Julia Reinhardt, Redaktion agrarmanager
Zugegeben: Im internationalen Vergleich stehen wir ganz gut da. Denn während in Deutschland die Nachernteverluste bei Getreide unter 4 % betragen, gehen in den ärmsten Ländern der Welt nach Schätzungen der FAO 40 % aller Nahrungsmittel verloren, bevor sie den Konsumenten erreichen.

Dennoch können wir uns nicht zurücklehnen. Denn zum einen kosten auch geringe Verluste bares Geld. Ein Rechenbeispiel: Die Getreideernte in Deutschland einschließlich Mais lag 2014 bei circa 52 Millionen Tonnen. Legt man nun 4 % Verlust und einen Getreidepreis von 165 Euro/t zugrunde, ergibt sich ein Masseverlust im Wert von über 340 Millionen Euro. Und in dieser Rechnung sind die Verluste noch gar nicht eingerechnet, die durch eine verminderte Qualität des befallenen Getreides und damit geringere Verkaufserlöse sowie durch die Kosten für Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen entstehen. Ebenfalls nicht einbezogen sind die Verluste in der verarbeitenden Industrie, beim Transport, im Handel und bei den Endverbrauchern.

Aber es gibt auch einen zweiten Grund: Denn obwohl wir in Deutschland und in den vergleichbar reichen Nationen über gesicherte Qualitätsstandards, moderne Lager, gute Transport- und ausreichende Kühlmöglichkeiten verfügen, fallen in Industriestaaten pro Kopf deutlich höhere Lebensmittelverluste an als in Entwicklungsländern!

Nach neuesten Schätzungen des BMEL landen in Deutschland in jeder Sekunde (!) durchschnittlich 350 kg Nahrungsmittel auf dem Müll! Das bedeutet, dass jeder Bundesbürger pro Jahr 80 kg an Lebensmitteln wegwirft! Laut einer EU-Studie von 2012 entfallen 5 % der Lebensmittelabfälle in Deutschland auf die Landwirtschaft, 17 % auf die verarbeitende Industrie, 8 % auf sonstige Sektoren - und 79 % auf die privaten Haushalte.

Diese wahnsinnige Verschwendung von Nahrungsgütern lässt sich nicht nur mit mangelndem Wissen über die sachgemäße Vorratshaltung bei vielen Verbrauchern erklären. Vielmehr veranschaulichen diese Zahlen eine mangelnde Wertschätzung für Lebensmittel, die uns als Gesellschaft beschämen sollte!

Wie geeignete Trocknungsverfahren und moderne Fördertechniken Sie als Landwirt dabei unterstützen können, Ihre Lagerverluste gering zu halten, lesen Sie in unserem Dezember-Dossier. Zudem stellen wir Ihnen einen sehr interessanten Forschungsansatz vor, der das Potenzial hat, mit einfachen Mitteln die Verluste sowohl in Industriestaaten als auch in Ländern der Dritten Welt zu senken.

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Julia Reinhardt, Redakteurin agrarmanager
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