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Ausgabe Juli_2015

Dossier: Rinderklauen - Wanderschuhe im Pantoffel-Modus

von , am
29.06.2015

Rinderklauen sind Wanderstiefel - geeignet, ihre Besitzer über lange Strecken und schroffe Böden zu tragen. Unsere modernen Milchkühe aber sind keine Geländeläufer mehr. Für eine effektive Klauenpflege brauchen sie den Menschen.

Die Klauen sind das buchstäbliche Fundament einer gesunden Milchviehherde. Doch ihre Funktionstüchtigkeit ist kein Selbstläufer mehr, im wahrsten Sinne des Wortes. Denn einst dienten diese Klauen als strapazierfähige "Wanderschuhe" für Wildrinder, die mit ihnen täglich kilometerweit über Stock und Stein zogen. Milchkühe dagegen gebrauchen dieses robuste Schuhwerk nur noch im "Pantoffel-Modus", quasi für die Kurzstrecke vom Sofa zum Kühlschrank und zurück - also für den Wechsel zwischen Fressplatz und Liegebox. Den notwendigen Abtrag des nachwachsenden Horns muss bei unseren Hausrindern deshalb der Klauenpfleger übernehmen.

Die regelmäßige Klauenpflege gehört zu den wichtigsten Terminen im Herdenmanagement. Mindestens zwei-, besser dreimal im Jahr sollte jede Kuh unters Messer kommen. Klauenhorn wächst im Schnitt um die fünf Millimeter im Monat, da wird aus einer kleinen Fehlbelastung schnell eine irreversible Fehlstellung. Von den verheerenden Folgen einer zu spät erkannten Mortellaroschen Krankheit oder anderer schwerwiegender Klauenprobleme ganz zu schweigen. Gegen die Eskalation dieser Erkrankungen hilft am besten Früherkennung, und die erfordert eine sorgfältige Tierbeobachtung und die strikte Einhaltung des Klauenpflegeplans.

Unter sorgfältigster Beobachtung sollten dabei aber keinesfalls nur die Milchkühe stehen. Auch für den Nachwuchs gilt schon: "Zeigt her Eure Füße." Dermatitis digitalis - also die Mortellarosche Krankheit - kann beispielsweise schon bei sehr jungen Rindern auftreten, vor allem, wenn sie in einer "Güllegemeinschaft" mit den erwachsenen Tieren leben. Derartige Frühinfektionen, das haben Untersuchungen gezeigt, belasten das Tier dann ein Leben lang. Aber auch kleine, anfangs kaum auffällige Fehlstellungen wachsen vom Kalb zur Färse mit und resultieren am Ende nicht selten in schweren Schäden an Klauen, Sehnen und Knochen. So etwas bei der Jungkuh noch korrigieren zu wollen, ist schwierig, nicht selten sogar unmöglich.

Aber nicht nur ein strikter Pflegerhythmus unterstützt die Klauengesundheit in der Herde. Fußbodengestaltung, Stallhygiene, Klima und Fütterung spielen ebenfalls jeweils wichtige Rollen, wenn es um die Mobilität unserer Milchkühe geht. Beim Futter geht es allerdings nicht nur um ausgewogene und unschädliche Inhaltstoffe, sondern auch darum, lahme Tiere am Fressen zu halten. Wer humpelt schon gern unter Schmerzen zum Futtertisch? Doch Kühen, die nicht fressen, drohen vor allem in der Frühlaktation schwere Stoffwechselprobleme. Das zu verhindern, erfordert einigen Arbeitsaufwand und einen guten Blick für die tierischen Befindlichkeiten.

Ich wünsche Ihrer Milchviehherde stets fitte Füße und Ihnen viel Spaß beim Lesen unseres Dossiers "Klauengesundheit".

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Sabine Leopold, Redakteurin agrarmanager
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