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Ausgabe August_2015

Dossier: Mit Sachverstand entscheiden

von , am
30.07.2015

Nach der Ernte steht die Herbstbestellung an. Es ist der Endspurt für Ackerbaubetriebe mit wenig Mais in der Fruchtfolge. Das heißt schnell die Flächen vorbereiten und möglichst zum pflanzenbaulich optimalen Zeitpunkt die neue Saat in den Boden bringen.

Jörg Möbius, Redaktion agrarmanager
In den letzten Jahren waren Pflüge nach der Getreideernte recht selten zu sehen. Gleichzeitig gehen fast alle Betriebsleiter mit der Frage "Pflügen oder nicht pflügen?" sehr entspannt um. Vorbei ist die Zeit der "Nur-" oder "Nicht"-Pflüger. Wenn es für die Folgefrucht besser ist, dann wird auf die traditionelle wendende Bodenbearbeitung gesetzt. Und manchmal ist der Pflug auch bei hohem Unkrautdruck praktisch.

Aber überwiegend hört man jetzt, dass in den Betrieben über die Hälfte der Flächen pfluglos für die nächste Frucht vorbereitet wird. Dafür steht eine immer noch zunehmende Anzahl an Varianten, Kombinationsmöglichkeiten und Arbeitsbreiten nichtwendender Bodenbearbeitungstechnik zur Verfügung. Der Siegeszug der  nichtwendenden Technik hat mehrere Ursachen. Einerseits sind die Flächen schneller mit dem gleichen Einsatz an Traktoren und Fahrern fertig als mit dem Pflug. Diese Einsparung erkauft man sich aber andererseits mit mehr Aufwand später beim Pflanzenschutz. Damit ist über die Vegetationsperiode der finanzielle Aufwand in etwa gleich. Dieser mit Pflanzenschutzmitteln herausgearbeitete Vorteil steht allerdings auf dem Prüfstand. Politischer Druck gegen Herbizide und weniger zugelassene Indikationen werden den Pflug wieder öfter auf die Äcker bringen. Aber wehe da steht jemand am Feldrand und stellt fest, dass der Landwirt dann vielleicht mit einem größeren Traktor arbeitet und doch gewiss mehr Diesel verbraucht als vorher mit dem Grubber!

Außerdem kann mit der nichtwendenden Bodenbearbeitung mehr Wasser im Boden gehalten werden als beim Pflügen. Das ist an einigen Standorten ein entscheidender Faktor. Die Frage "Pflügen oder nicht pflügen?" ist also recht komplex und es wäre zu wünschen, dass jeder Landwirt auch weiterhin mit Sachverstand und möglichst wenigen äußeren Zwängen für seine Schläge entscheiden kann.

Teilflächenspezifische Bodenbearbeitung und Aussaat stecken noch in den Kinderschuhen. Mit der Aussaat nach Bedarf könnte es jetzt vorwärts gehen. Dafür notwendige Lenksysteme, elektronisch ansteuerbare Drillmaschinen und Datenmaterial für das Erstellen der Karten sind inzwischen auf vielen Betrieben vorhanden oder beschaffbar. Dann heißt es - möglichst schon im Winter - aus Ertragskarten, Luftbildern, Reichsbodenschätzung, Karten der elektrischen Leitfähigkeit oder neuerdings Karten der potenziellen Bodenfeuchte per Hand Saatkarten erstellen. Wenn bei der Aussaat nach Karte das vorher gewünschte und zugesagte - aber längst nicht die ganze Schicht über praktizierte - Knöpfchendrücken am Terminal zur Veränderung der Saatstärke automatisch erfolgt, können die Fahrer länger und entspannt die neue Saat in den Boden bringen.

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Jörg Möbius, Redakteur agrarmanager
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