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Ausgabe November_2014

Dossier: Systemschutz für das Euter

von , am
28.10.2014

Eutergesunde Kühe sind das Kapital jedes Milcherzeugers. Doch Euter sind empfindlich und sie werden täglich stark beansprucht. Da ist es umso wichtiger, stets mit schonender Technik zu arbeiten und die Eutergesundheit der Herde fest im Auge zu behalten.

Fitte Kühe mit gesunden Eutern sind das Kapital jedes Milcherzeugers. Ein fragiles Kapital, denn gleichzeitig ist das Euter einer Hochleistungskuh ein äußerst anfälliges System. An keinem Einzelorgan erkranken Milchkühe häufiger. Das ist im Grunde auch kein Wunder, schließlich herrschen im Euterinnern nahezu ideale
Bedingungen für die Erregervermehrung. Und die einzige physische Abwehrschranke gegen all die Keime, die im Umfeld der Kuh lauern, ist ein kleiner Ringmuskel am Strichkanalende - dort, wo die Zitze am empfindlichsten ist.
 
Ausgerechnet an dieser Zitzenspitze setzen zwei- bis dreimal am Tag - zu jeder Melkzeit - erhebliche mechanische Kräfte an. Zwar ist die moderne Melktechnik immer besser auf Euterschonung ausgelegt, doch der Druck auf das untere Ende der Striche ist während der Entlastungsphase in vielen Fällen immer noch stark genug, um sogenannte Hyperkeratosen hervorzurufen. Diese Hautverhornungen rund um den Strichkanalausgang können sich verheerend auswirken, denn das spröde Horn reißt nicht nur ein und bereitet der Kuh bei jedem Melkvorgang Schmerzen. Es blockiert auch die Schließmuskelfunktion, so dass sich dieser Verschlussmechanismus nach dem Milchentzug nicht komplett zusammenziehen kann. Das Ergebnis: Ein offenes Tor zum Euterinneren für krankmachende Keime jeder Art.
Nicht in jedem Falle lassen sich diese Probleme beheben, manchmal liegt es einfach an der ungünstigen Euterphysiologie der betroffenen Kuh. Aber mehr als ein Fünftel verhornte Zitzenspitzen in der Herde sind ein Alarmsignal, den Melkvorgang einmal auf Herz und Nieren zu durchleuchten. Und manchmal tun’s ja schon ein anderer Zitzengummi oder eine Nachkalibrierung von Puls, Vakuum oder Abnahmeautomatik.
 
Für das viertelindividuelle Melken zeichnet sich ein völlig neues Konzept zur Euterschonung ab. Potsdamer Wissenschaftler haben sich mit einem Brandenburger Melktechnikhersteller zusammengesetzt und einen Melkbecher entwickelt, der dank aufblasbarem Innenring auch ohne Vakuum an der Zitze haften bleibt. Das vermindert bei bereits ausgemolkenen Vierteln die Belastung des Zitzengewebes enorm. Künftig wird es für dieses System dann neben der Vakuum- auch eine Druckluftleitung im Melkstand geben.
 
Aber auch unter optimalen Umweltbedingungen werden manche Kühe immer wieder krank. Vor allem in der heiklen Transitphase entwickeln sich Euterentzündungen und andere Gesundheitsstörungen scheinbar aus dem Nichts. Der Grund für die Anfälligkeit mancher Tiere liegt in ihrem Immunsystem. Nur, wenn das auch in der Zeit rund um die Abkalbung stark genug ist, um schnell und effektiv auf eindringende Krankheitserreger zu reagieren, bleibt die Kuh gesund. Ein gutes Herdenmanagement kann dieses kuhinterne Abwehrsystem unterstützen.
 
Ich wünsche Ihnen und Ihren Tieren einen gesunden Start in die nasskalte Jahreszeit.


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Sabine Leopold, Redakteurin agrarmanager
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