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Ausgabe September_2014

Editorial: Agrarumweltprogramme und Gewinnoptimierung

von , am
28.08.2014

Die Agrarpolitik hat deutlich in die Anbauplanung der nächsten Jahre eingegriffen. Wer keine Prämien verschenken will, muss mit dem spitzen Bleistift an die Kalkulation. Doch Agrarumweltprogramme und Ackerbau am Gewinn­optimum schließen sich dabei nicht aus.

Dr. Uwe Steffin, Chefredakteur agrarheute
Dr. Uwe Steffin, Chefredakteur agrarheute © dlv
Liebe Leser,
 
die Fruchtfolgeplanung für die Ernte 2015 ist in vollem Gange. Erstmals müssen Greening-Maßnahmen bei der Anbauentscheidung berücksichtigt werden. Die gute Nachricht: Die politischen Vorgaben werden bisher erfolgreiche Fruchtfolgen nicht völlig durcheinanderwirbeln. Wer mehr als 17% Sommerungen in der Rotation hat und gleichzeitig Zwischenfrüchte anbaut, der braucht zunächst gar nicht an der Fruchtfolge zu drehen. Die schlechte Nachricht: Die stärkere Einmischung der Politik macht den Ackerbau noch bürokratischer.
 
Freiwillige Agrarumweltprogramme, wie die Förderung vielfältiger Fruchtfolgen oder die Anlage von Blühstreifen, liefern einen zusätzlichen Anreiz für Ackerbaubetriebe, ihre Umweltleistung zu erhöhen. Dass sich eine ausgiebige Beteiligung an Agrar­umweltmaßnahmen und Ackerbau am Gewinnoptimum nicht ausschließen, zeigen wir in unserer Betriebsreportage ab Seite 14. Die drei Gesellschafter der ARiWa GbR machen am Südrand der Köln-Aachener Bucht vor, dass Umweltprogramme längst nicht nur etwas für Idealisten sind, sondern sich tatsächlich auch rechnen können.
 
Nicht nur im Rheinland hat sich die Getreideernte dieses Jahr zu einer echten Hänge-
partie entwickelt. Immer wieder wurden die Mähdrescher durch Niederschläge gestoppt. Dunkle Wolken sind auch an der Preisfront aufgezogen. Der Matif-Weizen markierte zuletzt bei 170 €/t ein Vier-Jahres-Tief. Wer beim Zwischenhoch der Preise im Frühjahr keine Vorkontrakte geschlossen hat, für den ist guter Rat jetzt teuer. Wie Sie als Ackerbauer liquide bleiben, ohne sich einen möglichen Preisanstieg im weiteren Saisonverlauf abzuschneiden, lesen Sie in unserer Reportage zum Titelthema.
 
Sprengkraft haben Aussagen von Alfons Balmann zum Bodenmarkt. Gemessen an der Rentabilität seien die Kauf- und Pachtpreise in Ostdeutschland insgesamt noch moderat, argumentiert der Direktor des IAMO in einem sehr lesenswerten Beitrag. Es ist klar, dass die Balmann'schen Thesen bei vielen Praktikern zwischen Rügen und Erfurter Becken Widerspruch provozieren werden - gerade mit Blick auf die mitunter sehr aggressive Preispolitik der BVVG. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!
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