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Ausgabe Februar 2014

Editorial: Die Betriebswirtschaft wird beim Bodenkauf ausgeblendet

von , am
28.01.2014

Der Preiskampf am Bodenmarkt ist ein "Gesellschaftsspiel", denn er betrifft in letzter Instanz die gesamte Gesellschaft. Die Politik ist nun gefragt, bessere Spielregeln zu schaffen, damit der Landwirtschaft nicht das Land abhanden kommt.

Dr. Uwe Steffin, Chefredakteur agrarheute
Dr. Uwe Steffin, Chefredakteur agrarheute © dlv
Liebe Leser,
 
der Brettspielklassiker Monopoly folgt einfachen Regeln: Ziel ist es, ein Grundstücksimperium aufzubauen und alle anderen Mitspieler in die Insolvenz zu treiben. Das Spielprinzip kommt Ihnen bekannt vor? Der hiesige Bodenmarkt scheint den gleichen Regeln zu folgen. Landwirte und zunehmend auch branchenfremde Investoren übertrumpfen sich gegenseitig im Bieterwettbewerb um knappe Flächen. Äcker, Wiesen und Wälder sind umkämpft wie die beim Monopoly so begehrte Schlossallee. Betriebswirtschaftliche Überlegungen werden ausgeblendet. Auch für wirtschaftlich gesunde Unternehmen wird es zunehmend schwer, auf den Kauf- und Pachtmärkten Schritt zu halten.
 
Beim Monopoly kann übrigens eine relativ ausgeglichene Spielsituation entstehen, bei der die Mitspieler beliebig lange weiterspielen könnten, ohne bankrott zu gehen. Auch am Bodenmarkt könnte sich ein solches Gleichgewicht einstellen. Dafür müssten aber die Spielregeln verändert werden. Sinnvoll wäre eine Kauf- und Pachtpreiskontrolle. Daneben müsste der Vorrang von Landwirten im Grundstücksverkehr konsequent umgesetzt werden. Der Erwerb von Boden über den Kauf von Geschäftsanteilen an landwirtschaftlichen Unternehmen muss künftig erfasst werden, gilt dieser doch als Zutrittspforte für branchenfremde Investoren. Ziel sollte dabei allerdings nicht sein, außerlandwirtschaftliches Kapital aus dem Bodenmarkt zu drängen. Schließlich spricht nichts gegen Kapitalanleger, die gekaufte Flächen langfristig zur Verpachtung anbieten oder mit Agrarbetrieben Verträge zum Kauf von Flächen mit anschließender Rückverpachtung abschließen. Solche Modelle verschaffen den Landwirten finanzielle Luft für dringend notwendige Investitionen in Gebäude, Technik und Tierbestände.
 
Neue Spielregeln für den Bodenmarkt sind kein Selbstzweck, sondern prägen maßgeblich die Agrarstruktur in Deutschland. Daher muss sich die Politik zunächst der längst überfälligen Leitbild-Diskussion stellen. Mit der Großen Koalition im Bund sind die politischen Mehrheiten für ein neues Leitbild da. Dass auch der politische Wille vorhanden ist, muss jetzt Minister Friedrich beweisen. Die große Vielfalt an Rechtsformen und Größenstrukturen - vom bäuerlichen Familienbetrieb bis zur börsennotierten AG - gilt als besondere Stärke der deutschen Landwirtschaft und sollte Richtschnur für ein zeitgemäßes Leitbild sein.
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