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Ausgabe März_2015

Editorial: Der Bodenmarkt darf nicht überreglementiert werden!

von , am
23.02.2015

Boden ist heißbegehrt, nicht nur von Landwirten. Welche Folgen hat es, dass der Boden zum Spekulationsobjekt mutiert ist?

Liebe Leser,

ein Landwirt ohne Land ist kein Landwirt. Manfred Mesecke, der in der Uckermark einen 500-Hektar-Gemischtbetrieb mit Ackerbau und Milchvieh leitet, brachte kürzlich beim Bodenforum des agrarmanager auf den Punkt, was ihn und seine Kollegen dazu zwingt, bei Kauf oder Pacht inzwischen fast jeden Preis zu zahlen. Im nördlichsten Landkreis von Brandenburg haben sich die Bodenpreise durch die zunehmende Konkurrenz um knappe Flächen innerhalb von nur sechs Jahren verdreifacht. Für einen Hektar  Fläche der landwirtschaftlichen Nutzung mussten laut amtlicher Statistik in der Uckermark zuletzt 15.783 Euro bezahlt werden. Solche Durchschnittswerte sind aber nur ein Teil der Wahrheit: In den öffentlichen Ausschreibungen der BVVG erhielten in jüngster Zeit Höchstgebote den Zuschlag, die bis an 30.000 Euro für weniger als 50 Bodenpunkte reichten!

Auch wenn die Gewinnerwartungen in der Landwirtschaft derzeit eher gedämpft sind: Mit rückläufigen Bodenpreisen darf deshalb nicht gerechnet werden. Denn mittlerweile tummeln sich zu viele Spieler auf dem Bodenmarkt, die ihr Geld nicht mit der Produktion von Roggen oder Milch verdienen müssen. Die werden das Spielfeld erst dann wieder verlassen, wenn krisensichere Äcker, Wiesen und Wälder nicht mehr (fast) zum Nullzinssatz finanziert werden können. EZB-Chef Mario Draghi flutet weiter die Finanzmärkte mit Milliarden, um die Konjunktur im Euroraum anzukurbeln. Damit ist die Zinswende um Jahre vertagt.
 
Dass der Boden zum Spekulationsobjekt mutiert ist, hat die Politik auf den Plan
gerufen. Man will ran ans Grundstückverkehrsgesetz. Das erweist sich als stumpfes Schwert, wenn Geschäftsanteile oder ganze Unternehmen samt Boden verkauft werden. Solche "Share-Deals" sollten untersagt werden können, da sind sich Agrarpolitiker quer durch alle Parteien einig. Eingriffe ins Grundstückverkehrsgesetz wären aber nicht ohne Risiken und Nebenwirkungen. Wird die freie Handelbarkeit eingeschränkt, verliert der Boden seine Funktion als Kreditsicherheit. Können nachrückende Betriebsleiter keine Investoren mehr an Bord holen, um im Generationswechsel Kapital zur Abfindung ausscheidender Gesellschafter zu beschaffen, hemmt dies die Unternehmensentwicklung. Keine Frage: Das Grundstückverkehrsgesetz muss an die heutige Zeit angepasst werden, aber bitte mit Augenmaß. Wer eine wettbewerbsfähige Landwirtschaft will, darf den Bodenmarkt nicht überreglementieren. Sonst wandert der Boden künftig nicht mehr zum besten (Land-) Wirt.
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