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Ausgabe Juni 2014

Editorial: Die Börse wird häufig nur zur Preisinformation genutzt

von , am
28.05.2014

Die Vermarktung von Feldfrüchten ist längst zum Aufgabengebiet für gewitzte Experten geworden. Die unruhigen Preise der letzten Monate und die kaum vorhersehbare Entwicklung beweisen, dass man sich gar nicht genug mit Vermarktungsinstrumenten auskennen kann. Der agrarmanager hat deshalb im Juniheft die Getreide- und Rapsvermarktung zum Titelthema gemacht.

Dr. Uwe Steffin, Chefredakteur agrarheute
Dr. Uwe Steffin, Chefredakteur agrarheute © dlv
Liebe Leser,
 
selbst in vielen großen Ackerbaubetrieben folgt die Vermarktung von Getreide und Ölsaaten heute keinem richtigen Plan. Das Thünen-Institut hat bei der Befragung von 40 Betriebsleitern aus dem ganzen Bundesgebiet mit im Schnitt über 600 ha Größe herausgefunden, dass 44% von ihnen zumindest vor der Ernte keine Vermarktungsstrategie haben oder umsetzen. Vorkontrakte sind in den meisten Betrieben inzwischen zwar Standard. Aber schon Prämienkontrakte oder gar Optionen werden nur äußerst sporadisch eingesetzt. Die Warenterminbörse fristet noch ein Schattendasein und wird allenfalls zur Preisinformation genutzt. Auch wenn die Befragung aufgrund der kleinen Stichprobe nicht repräsentativ ist, so kann sie dennoch als Momentaufnahme und Anhaltspunkt zur Einschätzung der gegenwärtigen Situation verstanden werden.
 
Die Befunde der Braunschweiger Wissenschaftler stehen in krassem Gegensatz zu den Notwendigkeiten, die sich im betrieblichen Risikomanagement aus volatilen Märkten ergeben. Nehmen wir den jüngsten Kursrutsch beim Weizen: Wer März und April nicht für einen Vorverkauf nutzte, musste im Mai den guten Preisen hinterherschauen. Derzeit wagt sich kaum ein Marktexperte aus der Deckung, wohin die Reise bei den Weizenpreisen geht. Zu unübersichtlich ist die Lage zwischen absehbar großen Ernten bei uns und einer möglichen Zuspitzung der Krise in der Ukraine.

In dieser Situation wären Mindestpreismodelle ein passendes Werkzeug, wie wir im aktuellen agrarmanager zeigen. Die neuen Kontrakte des Handels spannen ein Sicherheitsnetz nach
unten auf, ohne sich damit einen späteren Preisanstieg abzuschneiden. Dafür wird allerdings eine saftige Gebühr fällig. Wer es günstiger und flexibel mag, kauft Put-Optionen, um sich gegen einen weiteren Preisverfall zu versichern.
 
Falls wir mit dem Titelthema dieser Ausgabe Ihr Interesse an pfiffigen Vermarktungsinstrumenten geweckt haben, kann ich Ihnen zwei interessante Veranstaltungsformate ans Herz legen: Im Juni führt der agrarmanager in Hof/Bayern und in Grimma/Sachsen Tagesseminare zum Preisrisikomanagement durch. Wem der Weg zu weit ist, kann alles über Terminkontrakte, Optionen sowie über Strategien für die Ernte 2014 auch in einem dreiteiligen Webinar erfahren, das Sie ebenfalls im Juni bequem am PC zuhause oder im Büro verfolgen können.

Eine große Ernte und gute Preise wünscht Ihnen
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