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Ausgabe September_2015

Editorial: Diese Düngeverordnung schert alle über einen Kamm

von , am
27.08.2015

Welche Auswirkungen hat eine verschärfte Düngeverordnung für die Landwirtschaft?

Norbert Lehmann, Redaktion agrarmanager
Liebe Leser,
die Getreide- und Rapsernte 2015 ist eingebracht. Menge und Qualität fielen in den meisten Regionen besser aus als vor dem Drusch befürchtet. Deutschland wird darum auch in diesem Wirtschaftsjahr wieder in der Lage sein, mehrere Millionen Tonnen hochwertigen A- und E-Weizen zu exportieren. Das ist gut so, denn die Nachfrage nach proteinreichem Backweizen ist groß und nimmt weiter zu.
 
Die seit Jahren diskutierte Verschärfung der Düngeverordnung droht den Anbau von Qualitätsweizen jedoch buchstäblich auszuhungern. Treten die vorgeschlagenen Bedarfswerte und N-Salden in Kraft, sind 13% Protein mit den heutigen Sorten und Anbauverfahren Utopie. Fortschritte in der Züchtung und der Düngetechnik werden die politisch verordnete Mangelernährung auf dem Acker kurzfristig nicht ausgleichen können.

Unbestreitbar muss in den intensiven Veredlungsgebieten und einigen Gemüsebauregionen etwas geschehen, damit das Grundwasser vor Nährstoffeinträgen besser geschützt wird. Doch die neue Düngeverordnung greift nicht gezielt in den Überschussregionen ein. Sie schert stattdessen alle über denselben Kamm. Ackerbaustandorte, die weltweit zu den ertragssichersten und fruchtbarsten gehören, werden ausgebremst, ohne dass die Nährstoffproblematik in den "Hotspots" gelöst würde.

Einmal mehr erweist es sich als falscher Ansatz, die EU-Nitratrichtlinie in Deutschland mit der Düngeverordnung einheitlich umzusetzen. Fachlich sinnvoller wäre ein regional differenziertes Vorgehen, das die Viehdichte berücksichtigt. Die nun vorgesehenen Spielräume für die Länder sind nur ein kleiner Schritt in diese Richtung. Konsequent wäre es, wenn die Bundesländer eigene Aktionsprogramme zur Umsetzung der Nitratrichtlinie auflegten. Doch das wäre mit viel Ärger und konfliktreichen Entscheidungen in eigener Kompetenz verbunden. Da ist es für manchen Landesagrarminister allemal bequemer, auf den Bund zu schimpfen und heimlich auf den Einpeitscher aus Brüssel zu setzen.
Den aktuellen Stand im Ressortstreit um die Novelle, und wie sich die Praxis auf die möglichen neuen Regeln einstellt, lesen Sie in unserem September-Titelthema.
 
Viel Spaß bei der Lektüre wünscht
Ihr Norbert Lehmann
 
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